Geopolitik verstehen: USA, China, Russland & Europas Rolle
Es gibt Gespräche, die man nebenbei hört – und es gibt Gespräche, nach denen man das Radio ausschaltet und eine Weile aus dem Fenster schaut. Das Gespräch zwischen Dr. Daniele Ganser, Philip Hopf und Dominik Kettner gehört zur zweiten Kategorie. Es geht um Krieg, um Imperien, um Lügen – und am Ende immer auch um die Frage, die jeden Sparer in Europa betrifft: Worauf kann ich mich in einer Welt verlassen, in der offizielle Erzählungen eine erstaunlich kurze Halbwertszeit haben?
Drei Giganten, 193 Staaten – und ein Europa, das den Überblick verloren hat
Gansers neues Buch trägt den Titel „Der Kampf der Giganten“. Die These dahinter ist von entwaffnender Klarheit: Wer die Weltlage verstehen will, muss nicht 193 Staaten verfolgen. Er muss drei verstehen. Die USA. China. Russland.
Alle drei sind Atommächte. Alle drei haben ein Veto im UNO-Sicherheitsrat. Zwei davon – Washington und Peking – liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel der größten Volkswirtschaft der Welt. Frankreich und Großbritannien, so Ganser, sitzen zwar noch im Sicherheitsrat, aber als „abgestiegene Kolonialmächte“, deren Stimme längst nicht mehr das Gewicht von einst hat.
„Die Amerikaner sind auf jeden Fall ein Imperium in der Krise. Das ist ganz klar, das ist Konsens. Aber sie sind auch ein Imperium im Abstieg begriffen.“
Und Deutschland? Deutschland kommt in dieser Aufzählung schlicht nicht mehr vor. Das ist keine Beleidigung, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Ein Land, das über keine eigene Energiebasis mehr verfügt, dessen Industrie abwandert und dessen Streitkräfte seit Jahren als nur bedingt einsatzfähig gelten, spielt im Spiel der Giganten keine gestaltende Rolle mehr. Es ist Spielfeld, nicht Spieler.
Das Jahrhundert der Schande – warum China anders denkt als wir
Besonders erhellend wird es, wenn Ganser weit ausholt. Zurück ins Jahr 1405, als chinesische Flotten unter Admiral Zheng He bis nach Afrika segelten – mit Schiffen, die jene des Kolumbus um ein Vielfaches übertrafen. Und dann: Rückzug. Der Kaiser hatte kein Interesse an Giraffen und Leoparden. China wurde keine Kolonialmacht.
Stattdessen wurde es Objekt kolonialer Begierde. Die Briten kauften Porzellan, Seide und Tee – und mussten in Silber bezahlen. Ein Handelsbilanzdefizit, das London auf Dauer nicht akzeptieren wollte. Die Lösung war brutal und wird bis heute in China gelehrt: In Indien wurde der Opiumanbau erzwungen, das Opium nach China geschmuggelt, der Silberstrom drehte sich um.
„Sicher geben wir jetzt nicht den Chinesen all unser Silber. Wenn wir das ein paar Jahrzehnte lang machen, ist alles Silber in China.“
Man halte hier einen Moment inne. Ein Weltreich führte Krieg, weil ihm das Edelmetall ausging. Nicht wegen Papierwährungen, nicht wegen Zinsdifferenzen – wegen physischem Silber. Wer verstehen will, warum Edelmetalle über Jahrhunderte hinweg das eigentliche Machtmittel waren und geblieben sind, findet in dieser Episode eine der eindrucksvollsten Lektionen der Wirtschaftsgeschichte. Wer heute in physisches Gold investiert, steht in genau dieser Tradition: Er tauscht Versprechen gegen Substanz.
Von 1839 bis 1949 dauerte das, was die Chinesen das „Jahrhundert der Schande“ nennen. Briten, Franzosen, Deutsche – Kiautschou wurde 1897 deutsche Kolonie, inklusive Kirche, Bahnhof und Brauerei – und schließlich die japanische Besatzung. Diese Erfahrung ist im kollektiven Gedächtnis Chinas eingebrannt. Sie erklärt, warum Peking jede amerikanische Präsenz vor der eigenen Küste als existenzielle Bedrohung liest.
Der 4. Februar 2022 – das Datum, das kaum jemand kennt
Jeder kennt den 24. Februar 2022, den Tag der russischen Invasion in die Ukraine. Ganser lenkt den Blick auf ein anderes Datum, zwanzig Tage zuvor: die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Peking. Dort standen Xi Jinping und Wladimir Putin nebeneinander und formulierten eine gemeinsame Erklärung.
- Ablehnung jeder weiteren NATO-Osterweiterung in Europa
- Ablehnung amerikanischer Einmischung an den Küsten Chinas
- Wechselseitige Rückendeckung der beiden Kontinentalmächte
Der Westen lachte damals. Heute lacht niemand mehr. Denn was hier besiegelt wurde, war die Zwangsvermählung zweier Giganten, die man jahrzehntelang mühsam auseinandergehalten hatte. Sanktionen gegen Moskau trieben den russischen Rohstoffstrom nach Osten. Peking erhielt Energie zu Vorzugspreisen, Moskau einen Abnehmer, der sich nicht erpressen lässt.
Und nun, so berichtet Ganser unter Berufung auf arabische Medien, nutzen iranische Streitkräfte nicht mehr das amerikanische GPS, sondern das chinesische Satellitensystem BeiDou. Die Achse verdichtet sich – technologisch, militärisch, monetär. Dass die Zentralbanken dieser Länder seit Jahren Gold kaufen wie seit Generationen nicht mehr, ist kein Zufall, sondern Teil derselben Strategie. Wer sich vom Dollar lösen will, braucht ein Reserveasset, das kein anderer einfrieren kann.
9/11 und die Frage, die nach 25 Jahren nicht verstummt
Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bleibt Ganser bei seiner Position, die er seit Jahren öffentlich vertritt – und die der offiziellen Darstellung diametral widerspricht. Sein Fokus liegt auf dem dritten Gebäude, World Trade Center 7, in das kein Flugzeug flog und das dennoch am Abend des 11. September einstürzte.
„Ich bin der Meinung, WTC7 wurde gesprengt. Und weil WTC7 gesprengt wurde, ist die ganze Sache eine große Lüge.“
Er verweist auf die Studie des Bauingenieurs Professor Leroy Hulsey von der University of Alaska Fairbanks, der 2019 jedes Trägerelement des Gebäudes modellierte und zu dem Schluss kam, Feuer allein könne den Einsturz nicht erklären. Die offizielle NIST-Untersuchung sieht das bekanntlich anders. Ganser hält dagegen: Ein symmetrischer Einsturz nahezu im freien Fall setze voraus, dass sämtliche tragenden Stahlsäulen gleichzeitig versagen.
Man muss diese Deutung nicht teilen. Was man aber zur Kenntnis nehmen sollte, ist die Beharrlichkeit der Fragen – und die Tatsache, dass sie mittlerweile bis in den US-Senat reichen. Für Ganser ist der entscheidende Punkt ohnehin ein anderer: 9/11 löste den NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 aus, den ersten der Geschichte. Deutschland zog in einen Krieg in Afghanistan, der zwanzig Jahre dauerte und mit einem Desaster endete.
Die Bubble, in der wir alle sitzen
Bemerkenswert ehrlich ist Gansers Selbstreflexion. Er nimmt sich selbst nicht aus:
„Ich bin wirklich ein Freund dieser These, dass wir alle in der Blase leben. Also ich auch, ihr auch, wir alle. Man muss seine eigene Blase mit einer kleinen Nadel zum Platzen bringen.“
Sein Rat: Quellen wechseln. Tagesschau und Al Jazeera. CNN und russische Perspektiven. Nicht um alles zu glauben, sondern um die Konstruktion der jeweiligen Erzählung sichtbar zu machen. „Glaub nicht alles, was du denkst“ – ein Satz, den man sich über den Schreibtisch hängen sollte. Auch als Anleger. Gerade als Anleger. Denn wer Vermögensentscheidungen auf Basis eines einzigen Narrativs trifft, hat bereits verloren.
Der 7. Oktober – vom Tabu zur Schlagzeile
Nirgends zeigt sich die Verschiebung des Sagbaren deutlicher als beim Thema 7. Oktober 2023. Wer damals fragte, wie der als bester der Welt geltende Geheimdienst einen monatelang vorbereiteten Großangriff übersehen konnte, wurde unmittelbar in die Verschwörungsecke gestellt.
Ganser zitiert in seinem Buch den israelischen Soldaten Schalom Chetrit von der Golani-Brigade, der am 17. Juli 2025 vor einem Untersuchungsausschuss in der Knesset aussagte. Seine Darstellung: Um 5:20 Uhr morgens sei per Funk der Befehl eingegangen, die routinemäßigen Patrouillen entlang des Grenzzauns bis 9 Uhr auszusetzen. Der Angriff begann um 6:30 Uhr. Chetrit verlor bei den Kämpfen ein Bein.
„Ich weiß nicht warum, aber es wurde der Befehl erteilt, dass es bis 9 Uhr morgens keine Patrouillen am Zaun entlang geben soll.“
Ob sich daraus die weitreichenden Schlussfolgerungen ziehen lassen, die im Podcast diskutiert werden, muss die historische Aufarbeitung zeigen. Entscheidend für uns ist die Beobachtung: Was gestern noch als bösartige Unterstellung galt, läuft heute über die Ticker der großen Häuser – und verschwindet dort binnen Tagen wieder. Das Muster wiederholt sich mit erschreckender Regelmäßigkeit.
Trump, Merz und das Prinzip der gebrochenen Versprechen
Besonders scharf fällt Gansers Urteil über die handelnden Politiker aus – und zwar ohne Ansehen des Lagers. Donald Trump habe versprochen, den Ukraine-Krieg in 24 Stunden zu beenden. Er habe versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Beides sei nicht eingetreten. Die Folge: Die MAGA-Basis bricht auseinander, prominente Unterstützer distanzieren sich.
Und Friedrich Merz? Der habe im Wahlkampf die Schuldenbremse verteidigt und sich als wirtschaftsfreundlich präsentiert – „und kaum ist er drin, macht er genau das Gegenteil“. Zum Angriff auf den Iran habe er sich zustimmend geäußert, im Jahr 2025 sogar von der „Drecksarbeit“ gesprochen, die Israel erledige.
Für Anleger ist die Lehre daraus banal und bitter zugleich:
- Wahlversprechen sind keine Planungsgrundlage. Sie sind Marketing.
- Schuldenbremsen sind politische Konstrukte. Sie halten genau so lange, wie es bequem ist.
- Neue Schulden bedeuten neues Geld. Und neues Geld bedeutet auf Dauer Kaufkraftverlust.
- Nur physische Werte entziehen sich dem Zugriff der Tagespolitik.
Wer diese vier Punkte verinnerlicht hat, versteht, warum die Nachfrage nach Goldbarren und Anlagemünzen in Deutschland seit Jahren stabil hoch bleibt – trotz oder gerade wegen aller Beteuerungen aus Berlin und Brüssel.
Militärbasen als Magnet: Warum Deutschland exponiert ist
Ein Gedanke aus dem Gespräch verdient besondere Aufmerksamkeit. Ganser beschreibt, wie im Nahen Osten amerikanische Stützpunkte – von der Prince Sultan Air Base bis Al Udeid – ins Zentrum der Angriffe gerieten. Und er zieht die Parallele:
„Man muss sich fragen: Ist ein Land mit Militärbasen nicht wie ein Magnet für Krieg?“
Ramstein. Grafenwöhr. Spangdahlem. Deutschland beherbergt die größte US-Militärpräsenz Europas. Dominik Kettner bringt es im Gespräch auf den Punkt: Wir haben faktisch amerikanisches Hoheitsgebiet auf deutschem Boden – bei gleichzeitig weitgehend blanker eigener Verteidigungsfähigkeit. Eine Kombination, die im Ernstfall keine Sicherheit, sondern Exponiertheit bedeutet.
Gansers Wunschszenario – Reparatur der Nord-Stream-Pipelines, Neutralität der Ukraine, NATO-Austritt Deutschlands – bezeichnet er selbst als derzeit unrealistisch. Aber er erinnert daran, dass 1985 auch die Wiedervereinigung als Hirngespinst galt. Geschichte bewegt sich nicht linear. Sie bewegt sich sprunghaft.
Was das alles für Ihr Vermögen bedeutet
Man kann dieses Gespräch als düster empfinden. Man kann es aber auch als das lesen, was es ist: eine Landkarte. Und Landkarten sind nützlich, wenn man weiß, wohin man will.
Die zentralen Entwicklungen, die aus geopolitischer Sicht direkt auf die Edelmetallmärkte durchschlagen:
- Entdollarisierung: Die BRICS-Staaten bauen Zahlungssysteme jenseits des Dollars auf. Zentralbanken kaufen Gold in historischen Größenordnungen.
- Sanktionsrisiko: Das Einfrieren russischer Devisenreserven hat weltweit die Frage aufgeworfen, wie sicher Guthaben im westlichen Finanzsystem wirklich sind. Die Antwort vieler Staaten: Barren im eigenen Tresor.
- Schuldenexplosion: Die USA sind ein Imperium mit einem Schuldenberg, dem Ganser ein eigenes Buchkapitel widmet. Europa folgt willig.
- Energiekosten: Ohne günstige Energie keine Industrie. Ohne Industrie keine Steuerbasis. Ohne Steuerbasis mehr Schulden.
- Kriegsrisiko: Von der Straße von Hormus bis Bab al-Mandab – Rohstoffrouten werden zu Frontlinien.
Die spannende Frage ist derzeit, ob sich die Preisbildung dieser neuen Realität bereits vollständig angepasst hat. Unser Marktkommentar Gold zittert um die 4.000er-Marke – doch die Bodenbildung hält stand zeigt, wie robust das Fundament inzwischen ist. Parallel dazu beobachten wir eine Rückkehr der Papiergold-Produkte, die wir in Papiergold im Comeback kritisch einordnen – denn ein Zertifikat ist am Ende ein Versprechen, und Versprechen haben in diesem Artikel bereits eine gewisse Reputation erworben.
Besonders aufschlussreich ist die Debatte um goldgedeckte US-Anleihen und eine mögliche Rückkehr zum Goldstandard. Ein Imperium im Abstieg, das plötzlich wieder über Golddeckung nachdenkt – das ist kein Zufall. Das ist ein Symptom.
Vom Denken ins Handeln – konkret werden
Wer aus einer geopolitischen Analyse keine praktische Konsequenz zieht, betreibt Unterhaltung, keine Vorsorge. Physisches Edelmetall ist die eine Anlageform, die keinen Emittenten, keinen Vertragspartner und kein Ausfallrisiko kennt. Sie ist Eigentum – im ältesten und ehrlichsten Sinn des Wortes.
Für den Einstieg und den systematischen Aufbau eignen sich die klassischen Anlagemünzen der großen Prägestätten:
- Der Maple Leaf aus Kanada – weltweit anerkannt, mit 999,9er Feingold. Schon die 1-Gramm-Variante ist ein idealer Einstiegsbaustein.
- Der Wiener Philharmoniker – Europas meistgehandelte Goldmünze und ein Stück österreichische Kulturgeschichte.
- Der Krügerrand, die Mutter aller Anlagemünzen: als 1 Unze Gold Krügerrand 2026 oder in der handlichen 1/10-Unzen-Stückelung.
- Die Lunar-Serie und das Känguru aus Australien – mit wechselnden Motiven und Sammlerreiz.
- Der American Eagle, die Britannia und der China Panda – drei Klassiker, die die drei Großmächte dieses Artikels gewissermaßen im Münzformat abbilden.
Wer kleinere Einheiten bevorzugt – etwa zum Verschenken oder für den schrittweisen Aufbau –, findet mit dem 0,5g Gold Deutscher Adler oder der limitierten 0,5g Gold Deutsche Mark 2026 in Reverse Proof interessante Einstiegsprodukte.
Und weil zum Thema Gold immer auch Halbwissen und Empörungsjournalismus gehören: Wie schnell sich Anklagen in Luft auflösen, wenn jemand nachfragt, zeigt unser Beitrag über den Goldzähne-Vorwurf gegen die Schweiz – ein Lehrstück über Narrative und ihre Brüchigkeit.
Fazit: Souveränität beginnt im Kopf – und endet im Tresor
Daniele Ganser fordert nicht, dass man ihm glaubt. Er fordert, dass man selbst nachdenkt. Dass man Quellen prüft, Widersprüche aushält und die eigene Blase gelegentlich mit der Nadel bearbeitet. Das ist keine ideologische, sondern eine methodische Haltung.
Übertragen auf die eigenen Finanzen bedeutet das: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Erzählung von heute auch morgen noch gilt. Verlassen Sie sich nicht auf Schuldenbremsen, Wahlversprechen oder Bündnisgarantien. Verlassen Sie sich auf das, was Sie in der Hand halten können.
Gold hat jede Währung überlebt, die je gegen es angetreten ist. Es hat Opiumkriege überstanden, Weltkriege, Währungsreformen und den Aufstieg wie den Fall von Imperien. Es wird auch die kommenden Umbrüche überstehen.
Die Giganten kämpfen. Das ist ihr Geschäft. Unsere Aufgabe als Bürger und Sparer ist eine bescheidenere, aber nicht weniger wichtige: unbeschadet durch diesen Kampf zu kommen. Wer jetzt handelt, statt zu warten, hat die besten Chancen dazu. Schauen Sie sich das vollständige Gespräch an – es lohnt sich. Und ziehen Sie danach Ihre eigenen Schlüsse.
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