
Gold auf Echtheit prüfen: Wolfram-Kern, Dichte, Ultraschall und Leitfähigkeit im Praxistest
Ein Goldbarren, der exakt 100,00 Gramm wiegt, die richtigen Abmessungen hat, nicht magnetisch ist und die Dichteprobe besteht – und trotzdem eine Fälschung ist. Genau dieser Fall ist der Grund, warum die klassischen Hausmittel der Echtheitsprüfung bei Gold an ihre Grenzen stoßen. Der Schuldige heißt Wolfram, ein Metall, dessen Dichte der von Gold so nahe kommt, dass die beliebteste Prüfmethode der Privatanleger ins Leere läuft. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, was Sie mit Waage, Messschieber und Magnet realistisch erkennen können, wo diese Verfahren scheitern und welche Prüftechnik tatsächlich in das Innere eines Barrens blickt.
Warum Gold anders geprüft werden muss als Silber
Wer schon einmal Silber auf Echtheit geprüft hat, kennt den Komfort: Silber ist mit 10,49 g/cm³ vergleichsweise leicht, hat einen unverwechselbaren hellen Klang und lässt sich mit dem Neodym-Magnet-Gleittest erstaunlich zuverlässig eingrenzen. Bei Gold liegen die Dinge anders – und zwar in jeder einzelnen Disziplin.
Gold ist mit 19,32 g/cm³ eines der schwersten gängigen Metalle. Diese hohe Dichte ist normalerweise ein Segen für die Prüfung, denn kaum ein billiges Metall kommt in ihre Nähe: Blei bringt es auf 11,34 g/cm³, Kupfer auf 8,96 g/cm³, Messing je nach Zusammensetzung auf rund 8,5 g/cm³. Ein mit Blei gefüllter Goldbarren wäre entweder deutlich zu leicht oder auffällig zu groß. Es gibt jedoch genau eine Ausnahme, und die hat die Fälscherszene längst gefunden.
Hinzu kommt ein zweiter Unterschied: Der Klangtest, der bei Silbermünzen gute Dienste leistet, ist bei Gold nur eingeschränkt brauchbar. Goldmünzen klingen deutlich kürzer und dumpfer, verpackte Barren im Blister klingen praktisch gar nicht. Und weil der Materialwert pro Stück ein Vielfaches höher liegt, lohnt sich für Fälscher ein erheblich größerer technischer Aufwand.
Wolfram: das Metall, das die Dichteprobe aushebelt
Wolfram hat eine Dichte von rund 19,25 g/cm³. Der Abstand zu Gold beträgt damit etwa 0,4 Prozent – ein Wert, der unterhalb der Messgenauigkeit liegt, die mit haushaltsüblichen Geräten erreichbar ist. Wer einen Barren mit Wolframkern und einer Goldhülle von wenigen Zehntelmillimetern in die Hand nimmt, hält ein Objekt, das sich in Gewicht, Volumen und damit auch in der berechneten Dichte kaum vom Original unterscheidet.
Erschwerend kommt hinzu: Wolfram ist nicht ferromagnetisch. Ein Magnettest bleibt also unauffällig. Und weil die äußere Goldschicht echtes Gold ist, bestehen solche Stücke auch den Säuretest und die Röntgenfluoreszenzanalyse – beide untersuchen nur die Oberfläche.
| Material | Dichte (g/cm³) | Abweichung zu Feingold |
|---|---|---|
| Feingold 999,9 | 19,32 | Referenz |
| Wolfram | 19,25 | rund 0,4 % |
| Gold 916,7 (Krügerrand-Legierung) | ca. 17,7 | rund 8 % |
| Wolframcarbid | ca. 15,6 | rund 19 % |
| Blei | 11,34 | rund 41 % |
| Silber | 10,49 | rund 46 % |
| Kupfer | 8,96 | rund 54 % |
| Messing | ca. 8,5 | rund 56 % |
Der Blick auf die Tabelle macht die Lage deutlich: Jedes andere Fälschungsmaterial fällt bei einer sauberen Dichtebestimmung sofort durch. Nur Wolfram bleibt unentdeckt. Genau deshalb ist es der Werkstoff der Wahl für aufwendige Fälschungen – trotz seines hohen Schmelzpunkts von über 3.400 Grad Celsius, der die Verarbeitung anspruchsvoll macht.
Was Sie mit Waage und Messschieber wirklich erkennen
Trotz aller Einschränkungen sollten Sie mit den einfachen Verfahren beginnen. Der Grund ist pragmatisch: Der überwiegende Teil der Fälschungen im Umlauf ist nicht hochwertig, sondern billig. Vergoldetes Messing, Kupferkerne, plattierte Kupfer-Zink-Rondelle – diese Stücke scheitern an der Waage oder am Messschieber innerhalb von Sekunden.
Schritt 1: Das Gewicht
Anlagemünzen und Barren werden mit sehr engen Toleranzen gefertigt. Eine Feinwaage mit einer Auflösung von 0,01 Gramm kostet wenig und ist die preiswerteste Anschaffung für Ihre Sicherheit. Weicht das Raugewicht um mehr als wenige Hundertstelgramm vom Sollwert ab, ist das ein ernstes Warnsignal. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Raugewicht (Gesamtgewicht der Münze inklusive Legierungsmetalle) und Feingewicht (der reine Goldanteil).
Schritt 2: Durchmesser und Dicke
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Eine Fälschung, die das richtige Gewicht mit einem leichteren Material erreichen will, muss zwangsläufig größer oder dicker ausfallen. Ein digitaler Messschieber mit einer Auflösung von 0,01 Millimetern deckt solche Abweichungen sofort auf. Messen Sie den Durchmesser an mehreren Stellen und die Dicke am Rand, nicht in der Motivmitte.
| Münze | Feingehalt | Raugewicht | Durchmesser | Dicke |
|---|---|---|---|---|
| Krügerrand | 916,7 (22 Karat) | 33,93 g | 32,77 mm | 2,84 mm |
| Maple Leaf | 999,9 | 31,10 g | 30,00 mm | 2,87 mm |
| Wiener Philharmoniker | 999,9 | 31,10 g | 37,00 mm | 2,00 mm |
| American Eagle | 916,7 (22 Karat) | 33,93 g | 32,70 mm | 2,87 mm |
Bei Barren gibt es keine international einheitlichen Maße. Ein 100-Gramm-Goldbarren von Hersteller A kann anders dimensioniert sein als der von Hersteller B. Ziehen Sie deshalb immer das Datenblatt des jeweiligen Herstellers heran. Als physikalische Konstante bleibt: 100 Gramm Feingold nehmen rund 5,18 cm³ ein, eine Unze Feingold rund 1,61 cm³. Wer deutlich mehr Volumen in der Hand hält, hält kein reines Gold.
Schritt 3: Der Magnettest – und was er nicht kann
Gold ist diamagnetisch: Ein Magnet zieht es nicht an, die sehr schwache abstoßende Wirkung ist im Alltag nicht wahrnehmbar. Bleibt ein Barren an einem starken Neodym-Magneten hängen, ist die Sache erledigt: Eisen oder Nickel sind im Spiel. Interessanter ist der Gleittest: Lässt man einen Neodym-Magneten über eine schräg gestellte Goldfläche gleiten, bremst er durch die im Metall induzierten Wirbelströme sichtbar ab. Diese Bremswirkung ist bei gut leitenden Metallen wie Gold, Silber und Kupfer stark ausgeprägt und bei Wolfram deutlich schwächer.
Grenzen des Magnettests
Der Gleittest ist ein Indiz, kein Beweis. Bei kleinen Stückelungen, bei Münzen in dicken Kapseln und bei legierten Münzen wie dem Krügerrand ist der Effekt schwach und schwer zu beurteilen. Nutzen Sie ihn als schnellen Vorfilter, niemals als alleinige Entscheidungsgrundlage.
Schritt 4: Optik, Rand und Prägequalität
- Randgestaltung: Die Riffelung von Anlagemünzen ist maschinell exakt. Unregelmäßige Abstände, abgeflachte Zähne oder eine sichtbare Naht am Rand deuten auf einen Guss statt auf eine Prägung hin.
- Kantenschärfe: Echte Prägungen haben klar abgesetzte, scharfe Motivkanten. Gegossene Fälschungen wirken weich und leicht verwaschen.
- Farbe: Der Krügerrand hat durch seinen Kupferanteil einen charakteristischen rötlichen Ton, Feingoldmünzen wie der Maple Leaf ein kühleres, sattes Gelb. Ein falscher Farbton ist verdächtig – ein passender Farbton beweist jedoch nichts.
- Oberflächenporosität: Winzige Poren oder Lunker im Feld der Münze sind ein typisches Gussmerkmal.
Die Dichteprobe: starkes Werkzeug mit einer klaren Lücke
Die Dichtebestimmung nach dem Auftriebsprinzip ist die beste Methode, die ohne Spezialgerät auskommt. Sie funktioniert so: Sie wiegen das Objekt zunächst in Luft, anschließend vollständig in Wasser getaucht an einem dünnen Faden. Die Formel lautet:
Dichte = Gewicht in Luft ÷ (Gewicht in Luft − Gewicht in Wasser)
Warum die Rechnung aus Durchmesser und Dicke irreführt
Ein verbreiteter Fehler: Aus Durchmesser und Dicke ein Zylindervolumen zu berechnen und daraus die Dichte abzuleiten. Bei einer Ein-Unzen-Münze führt das regelmäßig zu Werten um 14 bis 15,5 g/cm³ statt zu den erwarteten 19,32 – und zwar bei völlig echten Münzen. Der Grund ist einfach: Eine geprägte Münze ist kein voller Zylinder. Das Relief, der erhöhte Randstab und die Riffelung sorgen dafür, dass das rechnerische Hüllvolumen deutlich über dem tatsächlichen Materialvolumen liegt. Wer diesen Effekt nicht kennt, hält am Ende echte Münzen für Fälschungen. Verwenden Sie für die Dichte also immer die Auftriebsmessung.
Das Rechenbeispiel, das die Lücke sichtbar macht
Ein echter 100-Gramm-Feingoldbarren wiegt in Luft 100,02 Gramm und in Wasser rund 94,84 Gramm. Die Differenz von 5,18 Gramm entspricht dem verdrängten Wasservolumen, die Rechnung ergibt 19,31 g/cm³. Ein baugleicher Barren mit Wolframkern und dünner Goldhülle käme auf etwa 94,82 Gramm in Wasser – ein Unterschied von rund zwei Hundertstelgramm.
Zwei Hundertstelgramm liegen im Rauschen jeder Haushaltswaage. Luftblasen am Objekt, die Wassertemperatur, ein bewegter Faden, die Oberflächenspannung: All das erzeugt Streuungen, die größer sind als der gesuchte Unterschied. Die Dichteprobe schließt Blei, Kupfer, Messing und Wolframcarbid sicher aus – reines Wolfram nicht.
Prüfmethoden mit Tiefenwirkung
Um einen Fremdmetallkern zu finden, braucht es ein Verfahren, das nicht nur die Oberfläche und nicht nur die Summe aus Masse und Volumen betrachtet, sondern eine Eigenschaft misst, die vom Material im Inneren abhängt.
Elektrische Leitfähigkeit (Wirbelstromverfahren)
Das Prinzip: Eine Spule erzeugt ein magnetisches Wechselfeld, das im Prüfobjekt Wirbelströme induziert. Aus deren Rückwirkung berechnet die Sensorik die elektrische Leitfähigkeit in Megasiemens pro Meter (MS/m). Jedes Metall hat hier einen charakteristischen Wert – und die Unterschiede sind, anders als bei der Dichte, gewaltig.
| Material | Leitfähigkeit |
|---|---|
| Silber | ca. 62 |
| Kupfer | ca. 58 |
| Feingold 999,9 | ca. 44 bis 45 |
| Wolfram | ca. 18 |
| Messing | ca. 15 |
| Gold 916,7 (Krügerrand) | ca. 9 bis 10 |
| Blei | ca. 5 |
| Wolframcarbid | sehr niedrig |
Zwischen Feingold und Wolfram liegt ein Faktor von rund zweieinhalb – ein Unterschied, den kein Messrauschen verdeckt. Bemerkenswert ist der niedrige Wert des Krügerrands: Legierungen leiten deutlich schlechter als reine Metalle. Deshalb müssen Sie am Gerät zwingend den richtigen Feingehalt einstellen, sonst erzeugen Sie einen Fehlalarm bei einer völlig echten Münze.
Die entscheidende Größe ist die Eindringtiefe. Gängige Handgeräte erfassen etwa einen halben bis einen Millimeter Materialtiefe. Für Münzen und Barren bis rund 100 Gramm reicht das aus, weil die Goldhülle einer Fälschung dünner sein muss, wenn die Rechnung für den Fälscher aufgehen soll. Bei einem Kilobarren wird es dagegen schwierig: Dort kann eine dickere Goldschicht die Messung überdecken. Für große Einheiten führt der Weg deshalb über Ultraschall oder über die Prüfstellen des Fachhandels.
Ultraschall-Laufzeitmessung
Schall breitet sich in jedem Material unterschiedlich schnell aus. In Gold liegt die Longitudinalgeschwindigkeit bei rund 3.240 Metern pro Sekunde, in Wolfram bei etwa 5.200, in Blei bei etwa 2.160. Ein Ultraschallprüfgerät sendet einen Impuls durch das Objekt und misst die Laufzeit bis zur Rückwand. Kennt man die Dicke des Stücks, ergibt sich daraus die Schallgeschwindigkeit – und ein eingebetteter Fremdkörper verrät sich zusätzlich durch ein zweites Echo an der Grenzfläche.
Der Vorteil: Ultraschall durchdringt auch dicke Barren. Der Nachteil: Die Messung braucht planparallele Flächen und ein Koppelmittel, funktioniert also bei geprägten Münzen mit Relief nur eingeschränkt und bei Ware im Blister praktisch gar nicht.
Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA)
Die RFA gilt vielen als Königsdisziplin und ist es für eine Frage auch: Sie bestimmt den Feingehalt einer Legierung sehr genau und weist auch Spurenelemente nach. Für Schmuck und Altgold ist sie deshalb das Mittel der Wahl. Bei Anlagegold hat sie jedoch eine systematische Schwäche: Die charakteristische Röntgenstrahlung stammt aus einer Materialschicht von wenigen Mikrometern bis Bruchteilen eines Millimeters. Eine Goldhülle über einem Wolframkern bleibt für die RFA schlicht unsichtbar – das Gerät meldet korrekt „999,9 Gold" und liegt trotzdem falsch.
Merksatz zur Methodenwahl
- Oberflächenverfahren (Säuretest, RFA): beantworten die Frage „Welches Metall liegt außen?"
- Integralverfahren (Waage, Dichte): beantworten die Frage „Passen Masse und Volumen zusammen?"
- Tiefenverfahren (Wirbelstrom, Ultraschall): beantworten die Frage „Was steckt im Inneren?"
Erst die Kombination aus mindestens zwei Kategorien liefert ein belastbares Bild. Eine einzelne physikalische Eigenschaft lässt sich nachbilden – mehrere gleichzeitig nur mit sehr hohem Aufwand.
Typische Fälschungsmuster bei Krügerrand, Maple Leaf und 100-Gramm-Barren
Krügerrand
Der Krügerrand gehört zu den bekanntesten und meistgehandelten Goldanlagemünzen der Welt und ist damit ein Hauptziel. Frühe Fälschungen scheiterten oft am Farbton, weil der charakteristische Rotstich der 916,7er Gold-Kupfer-Legierung schwer zu treffen ist. Inzwischen gelingt das den Werkstätten deutlich besser. Bei aufwendigen Stücken wird der Kern nicht aus reinem Wolfram gefertigt, sondern als Wolfram-Kupfer-Kombination, um die niedrigere Legierungsdichte von rund 17,7 g/cm³ nachzubilden. Prüfen Sie zusätzlich die Randriffelung und den Jahrgangsschriftzug. Ein weiteres Muster: gebrauchte, deutlich patinierte Stücke – Gebrauchsspuren verdecken Prägeschwächen.
Maple Leaf
Der Maple Leaf ist mit 999,9 Feingold weicher und empfindlicher, was Fälschern die Oberflächengestaltung erschwert. Dokumentierte Fälschungen trafen Gewicht (31,10 g), Durchmesser (30,00 mm) und Dicke (2,87 mm) allerdings sehr genau – die Dichte war damit praktisch identisch. Erst die Leitfähigkeitsmessung zeigte den Wolframkern. Bei Jahrgängen ab 2013 haben Sie mit der Bullion-DNA jedoch ein zusätzliches Merkmal an der Hand.
100-Gramm-Barren
Barren dieser Größe sind für Fälscher wirtschaftlich attraktiv, weil eine einzelne Einheit einen hohen Wert trägt und weil das massive Format genug Platz für einen Kern bietet. Häufig kopiert werden bekannte Prägestätten mit hohem Wiedererkennungswert. Wichtig zu wissen: Auch Blister, Zertifikatskarten und Seriennummern werden mitgefälscht. Eine hübsche Verpackung ist kein Echtheitsnachweis. Seriennummern lassen sich zudem doppelt vergeben – tauchen zwei Barren mit identischer Nummer auf, ist mindestens einer falsch.
Sicherheitsmerkmale der Hersteller: Kinebar, Bullion DNA und Mikrogravuren
Die Prägestätten und Scheideanstalten haben auf die Fälschungswelle reagiert und Merkmale entwickelt, die sich mit vertretbarem Aufwand nicht nachbilden lassen.
- Kinebar: Auf der Rückseite dieser Barren ist ein Hologramm direkt in das Metall geprägt. Je nach Blickwinkel verändern sich Motiv und Lichtreflexe. Die Herstellung erfordert spezielle Prägewerkzeuge – ein Merkmal, das die Schweizer Scheideanstalt Argor-Heraeus bekannt gemacht hat.
- Bullion DNA: Die kanadische Prägestätte versieht ihre Maple-Leaf-Münzen seit dem Jahrgang 2013 mit einem mikroskopisch kleinen, per Laser eingravierten Ahornblatt, in dem die Jahreszahl steht. Später kamen präzise radiale Linien im Feld hinzu, die ein charakteristisches Lichtspiel erzeugen. Beide Merkmale lassen sich unter einer Lupe beziehungsweise mit einem Lesegerät verifizieren.
- Mikroschrift und Lasergravuren: Mehrere Prägestätten arbeiten mit Schriftzügen oder Symbolen, die erst bei starker Vergrößerung sichtbar werden. Nachgeprägte Stempel geben diese Details typischerweise verwaschen wieder.
- Seriennummer plus Assay-Karte: Sinnvoll nur in Kombination – die Nummer auf dem Barren muss mit der Karte übereinstimmen, und die Karte muss zur Charge passen.
Ein realistischer Hinweis zum Schluss dieses Abschnitts: Sicherheitsmerkmale helfen beim Bestätigen, nicht beim Ausschließen. Ein Merkmal, das sauber vorhanden ist, spricht für Echtheit. Ein Merkmal, das fehlt, kann auch schlicht daran liegen, dass der Jahrgang es noch nicht hatte.
Die Prüfung in fünf Schritten
- Sollwerte beschaffen. Notieren Sie vor der Prüfung Raugewicht, Feingehalt, Durchmesser und Dicke aus der offiziellen Herstellerangabe. Ohne Referenz ist jede Messung wertlos.
- Wiegen. Feinwaage mit 0,01 Gramm Auflösung, Münze aus der Kapsel oder Toleranz der Kapsel berücksichtigen.
- Messen. Durchmesser an mindestens drei Stellen, Dicke am Randstab. Abweichungen über 0,05 Millimeter genauer ansehen.
- Magnet und Optik. Neodym-Magnet für den Gleittest, Lupe mit zehnfacher Vergrößerung für Rand, Kanten und Sicherheitsmerkmale.
- Tiefenprüfung. Leitfähigkeitsmessung mit korrekt eingestelltem Feingehalt, bei großen Barren zusätzlich Ultraschall oder eine Prüfung beim Fachhändler.
Rechtlicher Hinweis
Anlagemünzen wie der Krügerrand oder der Maple Leaf sind gesetzliche Zahlungsmittel ihres Ausgabelandes. Das Nachahmen solcher Münzen fällt in Deutschland unter die Strafvorschriften zur Geld- und Münzfälschung, die auch ausländische Währungen erfassen. Wenn Sie eine Fälschung entdecken, bringen Sie das Stück nicht wieder in Umlauf, sondern wenden Sie sich an die Polizei oder an einen Fachhändler.
Der günstigste Schutz: die Bezugsquelle
Jede Prüftechnik kostet Zeit und Geld. Der wirksamste Hebel liegt vor dem Kauf. Wer bei einem etablierten Händler mit eigener Wareneingangsprüfung kauft, verlagert den Prüfaufwand dorthin, wo die Geräte stehen – professionelle Analysetechnik im Lager bewegt sich preislich in einer Größenordnung, die für Privatpersonen keinen Sinn ergibt. Bei Kettner Edelmetalle durchläuft die Ware eine ISO-konforme Echtheitsprüfung, bevor sie das Hochsicherheitslager verlässt.
Riskant sind dagegen die klassischen Einfallstore: Privatkäufe über Kleinanzeigenportale, Auktionsplattformen mit unklarer Herkunft und vermeintliche Schnäppchen deutlich unter dem aktuellen Goldpreis. Ein Preis, der spürbar unter dem Materialwert liegt, ist kein Glücksfall, sondern ein Warnsignal. Wie Sie unseriöse Anbieter erkennen, haben wir im Ratgeber zu Fake-Shops und seriösen Edelmetallhändlern zusammengefasst.
- Kaufen Sie Gold möglichst dort, wo eine dokumentierte Wareneingangsprüfung stattfindet.
- Bewahren Sie Rechnung und Verpackung auf – für den späteren Verkauf ist die lückenlose Herkunft ein Vorteil.
- Prüfen Sie Zweitmarktware konsequent, unabhängig davon, wie vertrauenswürdig der Verkäufer wirkt.
- Ergänzen Sie Ihre Ausrüstung schrittweise: erst Feinwaage und Messschieber aus dem Münzzubehör, dann bei größeren Beständen ein Prüfgerät.
Häufige Fragen zur Echtheitsprüfung von Gold
Kann ich Gold zu Hause zuverlässig auf Echtheit prüfen?
Sie können billige Fälschungen zu Hause sehr zuverlässig aussortieren. Waage, Messschieber, Magnet und Lupe decken vergoldetes Messing, Kupfer- und Bleikerne praktisch immer auf. Für hochwertige Fälschungen mit Wolframkern brauchen Sie ein Verfahren mit Tiefenwirkung, also ein Leitfähigkeits- oder Ultraschallprüfgerät. Die Kombination mehrerer Methoden ist entscheidend, eine einzelne Messung reicht nicht.
Warum erkennt die Dichteprobe einen Wolframkern nicht?
Weil Wolfram mit rund 19,25 g/cm³ nur etwa 0,4 Prozent leichter ist als Gold mit 19,32 g/cm³. Dieser Unterschied liegt bei einer Ein-Unzen-Münze im Bereich von wenigen Hundertstelgramm und damit innerhalb der Streuung, die durch Wassertemperatur, Luftblasen und Waagengenauigkeit ohnehin entsteht. Für alle anderen Fälschungsmetalle bleibt die Dichteprobe hingegen ein sehr gutes Werkzeug.
Ist der Säuretest für Anlagegold sinnvoll?
Nur eingeschränkt. Der Säure- oder Strichtest prüft ausschließlich die Oberfläche und beschädigt das Stück. Bei Anlagemünzen und -barren mindert schon ein kleiner Kratzer den Wiederverkaufswert. Für Schmuck und Altgold ohne Sammlerwert kann er dagegen ein schneller erster Anhaltspunkt sein.
Was kostet ein brauchbares Goldprüfgerät?
Feinwaage und Messschieber liegen zusammen im niedrigen zweistelligen bis mittleren zweistelligen Bereich. Elektronische Leitfähigkeitsprüfgeräte für den Privatgebrauch bewegen sich üblicherweise im dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich. Professionelle Analysetechnik, wie sie im Handel eingesetzt wird, kostet ein Vielfaches davon. Für die meisten Privatanleger ergibt ein eigenes Gerät erst ab einem größeren Bestand oder bei regelmäßigen Zweitmarktkäufen Sinn.
Warum zeigt mein Prüfgerät beim Krügerrand einen viel niedrigeren Wert als beim Maple Leaf?
Das ist normal und kein Fehler. Der Krügerrand besteht aus einer Gold-Kupfer-Legierung mit 916,7 Tausendteilen Gold. Legierungen leiten Strom deutlich schlechter als reine Metalle – der Leitfähigkeitswert liegt daher weit unter dem von Feingold. Stellen Sie am Gerät immer den passenden Feingehalt ein, sonst erhalten Sie einen Fehlalarm.
Sind Blister, Zertifikat und Seriennummer ein Echtheitsbeweis?
Nein. Verpackungen, Zertifikatskarten und Seriennummern werden ebenfalls nachgeahmt. Sie sind ein zusätzliches Indiz, aber kein Nachweis. Umgekehrt gilt: Hersteller ändern ihre Verpackungen regelmäßig, ein ungewohntes Blisterdesign muss also nicht auf eine Fälschung hindeuten. Entscheidend bleibt die Messung am Metall selbst.
Was mache ich, wenn sich mein Verdacht bestätigt?
Bringen Sie das Stück nicht in den Handel zurück und verkaufen Sie es nicht weiter. Dokumentieren Sie Kaufbeleg, Verkäuferdaten und Messwerte, und erstatten Sie Anzeige. Ein Fachhändler kann die Fälschung in der Regel mit professioneller Technik bestätigen und Ihnen ein schriftliches Ergebnis geben, das Sie für die Anzeige oder für zivilrechtliche Schritte verwenden können.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die genannten physikalischen Kennwerte sind Richtwerte; maßgeblich sind stets die Angaben der jeweiligen Prägestätte oder Scheideanstalt.
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