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Silber 1980 und heute: Hunt-Brüder, Silver Thursday und was Preisübertreibungen für physische Anleger bedeuten

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Im Januar 2026 hat Silber getan, was das Metall alle paar Jahrzehnte tut. Erst fiel die Marke von 99 US-Dollar, wenige Tage später notierte die Feinunze zeitweise oberhalb von 120 US-Dollar, und im Sommer stand der Kurs wieder rund die Hälfte tiefer. Wer solche Ausschläge einordnen will, kommt an einer Episode nicht vorbei – am Silber-Corner der Brüder Hunt, an der COMEX-Regel 7 und am Silver Thursday vom 27. März 1980. Dieser Artikel erklärt, was damals wirklich geschah, warum der reale Rekord von 1980 bis heute unerreicht ist und welche Konsequenzen daraus für physische Anleger folgen.

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Die Ausgangslage im Jahr 1979

Die zweite Hälfte der 1970er Jahre war für Sachwerte ein Ausnahmezustand. Das Bretton-Woods-System war 1971 zerbrochen, der Dollar hatte seine Goldbindung verloren, zwei Ölpreisschocks hatten die Industrieländer erschüttert. Die US-Inflationsrate lief 1979 zweistellig, die Realzinsen waren über Jahre negativ. In dieser Gemengelage suchten Vermögende weltweit nach Aktiva, die sich nicht per Notenbankbeschluss vermehren lassen.

Nelson Bunker Hunt und William Herbert Hunt, Söhne des Ölmilliardärs H. L. Hunt, gehörten zu ihnen – nur dachten sie größer als andere. Ihre These war schlicht. Papiergeld verliert, Silber nicht. Ab Mitte der Siebziger kauften sie physisches Metall und Terminkontrakte, zunächst diskret, später in einer Größenordnung, die den Markt selbst bewegte. Sie waren nicht die einzigen Käufer, aber sie waren die sichtbarsten. Später schlossen sich vermögende Investoren aus Saudi-Arabien an, was die Positionsgröße weiter aufblähte.

Entscheidend war dabei die Größe des Spielfelds. Der Silbermarkt war und ist klein, der frei handelbare Bestand schon damals überschaubar. Schätzungen gehen davon aus, dass die Hunts und ihr Umfeld auf dem Höhepunkt einen erheblichen Teil des nicht in Staatsbesitz befindlichen Silbers kontrollierten. In einem solchen Markt braucht es keine Verschwörung, um Preise zu verzerren. Es genügt ein Käufer, der schneller kauft, als Minen und Recycler liefern können.

Was ein „Corner" technisch bedeutet

Ein Corner ist der Versuch, so viel eines Rohstoffs und so viele Lieferansprüche darauf zu kontrollieren, dass Verkäufer von Terminkontrakten am Liefertag nicht mehr liefern können, ohne beim Cornernden selbst einzukaufen. Die Shorts müssen dann zu jedem Preis zurückkaufen. Genau darauf zielte die Strategie der Hunts. Statt Kontrakte vor Fälligkeit glattzustellen, verlangten sie physische Lieferung. Das war legal, aber es zog dem Terminmarkt schrittweise die Deckung weg. Vier Elemente wirkten dabei zusammen:

  • Physische Lieferung statt Rollen: Die Hunts nahmen Metall aus den Lagerhäusern und ließen es teilweise in die Schweiz ausfliegen.
  • Hebel über Margin: Terminkontrakte erforderten nur einen Bruchteil des Kontraktwerts als Sicherheit, die Position war also ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals.
  • Mehrere Rechtsträger: Positionen wurden über Familientrusts und verbundene Gesellschaften gehalten, was die Meldepflichten strapazierte.
  • Selbstverstärkung: Je höher der Preis stieg, desto mehr Trittbrettfahrer sprangen auf, und die Bewegung ernährte sich zunehmend selbst.

Vom Sechs-Dollar-Metall zum Fast-Fünfziger

Anfang 1979 kostete die Feinunze Silber rund sechs US-Dollar. Bis zum Jahresende hatte sich der Preis vervielfacht, im Januar 1980 erreichte er im Londoner Fixing seinen historischen Höchststand bei 49,45 US-Dollar, im Terminhandel wurden kurzzeitig Kurse jenseits der 50-Dollar-Marke gestellt. In gut zwölf Monaten hatte sich Silber damit ungefähr verachtfacht – eine Bewegung, die in der Geschichte breit gehandelter Rohstoffe ihresgleichen sucht.

Der Alltag spiegelte die Euphorie. Vor Ankaufsstellen bildeten sich Schlangen, Menschen verkauften Tafelsilber, Bestecke und Erbstücke. Auch die Schmuckindustrie geriet unter Druck. Tiffany & Co. schaltete am 26. März 1980 eine Anzeige in der New York Times, in der das Unternehmen das Horten von Silber im Milliardenwert als unvertretbar bezeichnete und die künstlich hohen Preise anprangerte. Wenn ein Juwelier öffentlich gegen den Preis seines eigenen Rohstoffs protestiert, ist der Markt nicht mehr im Gleichgewicht.

Abstrakte Darstellung einer steil steigenden und anschließend einbrechenden Preiskurve in Silbertönen
Parabolische Aufwärtsbewegungen enden selten sanft. Der Silberpreis stieg 1979/80 in zwölf Monaten um das Achtfache und gab den Großteil davon binnen weniger Monate wieder ab.

Wie die COMEX die Spielregeln mitten im Spiel änderte

Am 7. Januar 1980 griff die Terminbörse COMEX ein. Mit der sogenannten Silver Rule 7 wurden die Bedingungen für kreditfinanzierte Silberkäufe drastisch verschärft. Neue Käufe auf Margin waren nur noch stark eingeschränkt möglich, Positionen ließen sich faktisch nur mit vollem Kapitaleinsatz aufbauen. Zugleich wurden die Positionslimits nach verbreiteter Darstellung von 5.000 auf 2.000 Kontrakte gesenkt; bei 5.000 Feinunzen je Kontrakt entsprach allein das alte Limit einer Terminmarkt-Exponierung von 25 Millionen Unzen je Marktteilnehmer. Bemerkenswert ist, dass der Preis zunächst weiterstieg. Das Rekordniveau wurde erst rund zwei Wochen nach Inkrafttreten der Regel erreicht.

Es blieb nicht dabei. Die Sicherheitsanforderungen wurden mehrfach erhöht, und am 21. Januar 1980 verfügte die COMEX den Schritt, den Marktteilnehmer bis heute als Zäsur betrachten – den Übergang zum reinen Glattstellungshandel („liquidation only"), dem sich die Chicago Board of Trade am Folgetag anschloss. Damit war die Käuferseite geschlossen. Wer wie die Hunts auslaufende Kontrakte routinemäßig in spätere Fälligkeiten rollte, konnte zwar noch verkaufen, aber keinen Ersatz mehr kaufen. Ein Markt, in dem nur noch verkauft werden darf, hat exakt eine Richtung.

Parallel wirkte die Geldpolitik. Notenbankchef Paul Volcker hob die Leitzinsen auf ein Niveau, das jede kreditfinanzierte Rohstoffspekulation unrentabel machte, und die Federal Reserve drängte die Banken, spekulative Kreditvergabe zurückzufahren. Für eine Position, die vom billigen Kredit lebte, war das der Todesstoß.

Der wunde Punkt der Debatte

Bis heute wird gestritten, ob die COMEX die Marktintegrität schützte oder die Interessen ihrer eigenen Mitglieder, von denen etliche auf der Short-Seite standen. Belegbar ist nur, dass die Regeländerungen mitten in der Bewegung kamen und ausschließlich die Käuferseite trafen. Für Anleger ist weniger die Motivfrage relevant als die strukturelle Erkenntnis, dass an Terminbörsen die Regeln selbst ein Risikofaktor sind.

Waage mit Silbermünzen auf der einen und Papierdokumenten auf der anderen Seite
Papier gegen Metall. Der Terminmarkt lebt von Regeln, die eine Börse jederzeit ändern kann, physisches Eigentum ist davon unabhängig.

Silver Thursday, 27. März 1980

Der Zusammenbruch kam an einem Donnerstag. Als die Hunts einen Nachschussbedarf von 100 Millionen US-Dollar nicht bedienen konnten, brach Silber an einem einzigen Handelstag um rund 50 Prozent ein, von 21,62 auf 10,80 US-Dollar je Unze. Aus einem Papiervermögen von rund sieben Milliarden Dollar wurde binnen kurzer Zeit eine Verbindlichkeit von etwa 1,7 Milliarden Dollar.

Die Folgen reichten weit über die Familie hinaus. Broker, die den Hunts Kredit eingeräumt hatten, standen selbst vor dem Aus; erst ein von Banken organisiertes Rettungspaket über gut eine Milliarde Dollar verhinderte, dass der Ausfall auf das Finanzsystem übersprang. 1988 wurden die Brüder in einem Zivilverfahren für eine Verschwörung zum Cornern des Silbermarkts verantwortlich gemacht und zu einer Schadenersatzzahlung von 134 Millionen US-Dollar an den peruanischen Rohstoffkonzern Minpeco verurteilt, im selben Jahr meldeten sie persönlich Insolvenz an. Der Silberpreis selbst brauchte Jahrzehnte, um sich auch nur nominal wieder in die Nähe des alten Hochs zu bewegen. Bis 1982 war das Londoner Fixing um rund 90 Prozent auf 4,90 US-Dollar eingebrochen, und erst am 28. April 2011 näherte sich der Kurs mit 48,70 US-Dollar dem Allzeithoch von 1980, ehe er erneut abdrehte.

Die Lehre in einem Satz

Nicht die These der Hunts war falsch, denn Silber war in einer Hochinflationsphase tatsächlich ein sinnvolles Gegengewicht. Falsch war die Form – Hebel, Terminkontrakte und die Abhängigkeit von Regeln, über die andere entscheiden. Wer 1979 physisches Silber ohne Kredit gekauft und schlicht behalten hätte, wäre schmerzhaft ins Minus geraten, aber er wäre nie zum Verkauf gezwungen gewesen. Genau dieser Unterschied entscheidet in Übertreibungsphasen über Substanzerhalt und Totalverlust.

Der inflationsbereinigte Rekord von 1980

Nominale Preisvergleiche über 46 Jahre hinweg sind wertlos. Ein Dollar von 1980 ist kein Dollar von 2026. Legt man den US-Verbraucherpreisindex zugrunde, hat der Dollar seit Januar 1980 rund drei Viertel seiner Kaufkraft verloren, der Umrechnungsfaktor liegt überschlägig bei gut vier. Der Höchststand von 49,45 US-Dollar entspricht damit heutiger Kaufkraft von etwa 200 bis 220 US-Dollar je Feinunze. Die exakte Zahl hängt vom gewählten Index und vom Stichtag ab, die Größenordnung ist jedoch robust.

Daraus folgt eine Einordnung, die im Rekordjubel 2026 gern untergeht. Selbst das Allzeithoch oberhalb von 120 US-Dollar vom Januar 2026 liegt real deutlich unter dem Niveau von 1980. Nominal wurde Geschichte geschrieben, real nicht. Wer daraus ableitet, der Preis „müsse" auf das reale Niveau von 1980 steigen, überdehnt das Argument allerdings ebenso, denn 1980 war kein normaler Marktpreis, sondern das Ergebnis eines gescheiterten Corners.

Silber-Hochpunkte im Vergleich (Näherungswerte, Feinunze in US-Dollar)
Zeitpunkt Nominaler Höchstkurs Real (heutige Kaufkraft, überschlägig) Haupttreiber
Januar 1980 ca. 49,45 USD ca. 200–220 USD Corner-Versuch, zweistellige Inflation, Hebel
April 2011 ca. 48,70 USD ca. 68–72 USD Finanzkrisen-Nachlauf, Nullzins, ETF-Zuflüsse
Januar 2026 ca. 121,80 USD identisch (Gegenwart) Angebotsdefizite, Anlagenachfrage, Momentum

Die reale Betrachtung erklärt auch, warum Silber als Vermögensschutz anders zu bewerten ist denn als Spekulationsobjekt. Über sehr lange Zeiträume hat das Metall Kaufkraft konserviert, aber es hat sie nicht linear vermehrt. Wer den Einstieg exakt im Januar 1980 wählte, wartet bis heute auf den realen Ausgleich. Wer über Jahrzehnte in Tranchen kaufte, hat ein völlig anderes Ergebnis.

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2026 im Vergleich zu 1980

Die Parallelen springen ins Auge, von der extremen Kursdynamik über überkaufte technische Indikatoren und mediale Dauerpräsenz bis zu physischen Engpässen. 2025 legte der Silberpreis um rund 148 Prozent zu, die stärkste Jahresperformance seit 1979, also ausgerechnet seit dem Vergleichsjahr. Anfang 2026 folgte der Schub über 85, über 99 und schließlich über 120 US-Dollar, ehe eine harte Korrektur einsetzte. Vom Rekordhoch bei rund 121,80 US-Dollar am 29. Januar 2026 hatte sich der Kurs bis in den Sommer um mehr als 50 Prozent entfernt, im Juli und August 2026 notierte die Feinunze wieder im Bereich von rund 58 bis 62 US-Dollar.

Die Unterschiede sind allerdings gewichtiger als die Ähnlichkeiten:

  1. Kein einzelner Akteur. 1980 stand eine Familie im Zentrum. 2026 verteilt sich die Nachfrage auf Industrie, ETF-Anleger, asiatische Importeure und Privatkäufer, es gibt also keinen Corner, der aufgelöst werden könnte.
  2. Fundamentale Unterdeckung statt reiner Spekulation. Der World Silver Survey 2026 von Silver Institute und Metals Focus taxiert die Angebotslücke auf 46,3 Millionen Unzen, das sechste Defizitjahr in Folge. Seit 2021 wurden kumuliert rund 762 Millionen Unzen aus oberirdischen Lagerbeständen abgezogen, was etwa neun Monaten globaler Minenproduktion entspricht.
  3. Industrielle Basis mit Einschränkung. Elektronik, Medizintechnik, Rechenzentren und Elektromobilität verbrauchen Silber unwiederbringlich, 1980 war der industrielle Anteil kleiner und die Fotografie ein bald rückläufiger Abnehmer. Gegen eine simple Knappheitserzählung spricht allerdings die Substitution. Weil hohe Preise Sparsamkeit erzwingen, setzt die Solarindustrie zunehmend auf Kupfermetallisierung, und die industrielle Verarbeitung insgesamt wird für 2026 rückläufig erwartet. Knappheit ist also kein Selbstläufer.
  4. Regionale Verwerfungen. Indien, der weltgrößte Silberverbraucher, hat den Importzoll auf 15 Prozent angehoben und stellt seit Mitte Mai 2026 nahezu alle Silbereinfuhren unter Genehmigungsvorbehalt. Die Importmengen brachen daraufhin drastisch ein, lokale Preise lagen zeitweise über zehn Prozent oberhalb des Weltmarktniveaus.
  5. Zinsumfeld. 1980 wurde die Spekulation von zweistelligen Leitzinsen erschlagen. 2026 ist die Zinsdiskussion offener, und der Preis reagiert entsprechend nervös auf jede Inflationszahl.

Wer die aktuelle Schwankungsbreite praktisch einordnen will, findet in unserer Analyse zur Silberpreis-Volatilität 2026 nach dem Allzeithoch die kurzfristige Perspektive, die physische Knappheitsdebatte behandelt der Beitrag zum Silber-Squeeze 2026.

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Warum physisches Silber anders reagiert als Terminkontrakte

Der wichtigste Unterschied zwischen 1980 und dem eigenen Depot liegt nicht im Preis, sondern in der Konstruktion. Ein Terminkontrakt ist ein Versprechen mit Verfallsdatum, hinterlegt mit einem Bruchteil des Werts. Eine Münze im Tresor ist Eigentum ohne Gegenpartei. Daraus ergeben sich drei praktische Konsequenzen, die in jeder Extremphase des Marktes sichtbar werden.

Keine Nachschusspflicht, kein Zwangsverkauf

Wer physisch und ohne Beleihung kauft, kann nicht ausgestoppt werden. Der Kurs darf 50 Prozent fallen, solange kein Kredit dahintersteht, entsteht daraus kein Handlungszwang. Genau diese Zwangslage hat 1980 aus einer Korrektur eine Existenzvernichtung gemacht. Der Verzicht auf Hebel ist damit die wirksamste Einzelmaßnahme, die ein privater Anleger überhaupt treffen kann.

Aufgelder verhalten sich prozyklisch

In euphorischen Marktphasen entkoppelt sich der Preis physischer Ware vom Börsenkurs. Wenn die Nachfrage explodiert, verlängern sich Lieferzeiten und die Aufgelder auf Standardmünzen steigen, teils erheblich. Der Effekt ist symmetrisch, in ruhigen Phasen normalisieren sich die Aufschläge wieder.

Für die Praxis heißt das, dass Käufer in überhitzten Aufwärtsphasen doppelt zahlen, einen hohen Spotpreis und obendrauf ein hohes Aufgeld. In Korrekturphasen fällt der Aufschlag geringer aus, der Einstieg ist also relativ günstiger, als der reine Kursvergleich vermuten lässt. Beim Verkauf wirkt der Mechanismus umgekehrt, denn ein hohes Marktaufgeld verbessert den erzielbaren Preis über den Spotkurs hinaus. Wer beides zusammendenkt, erkennt schnell, warum Standardprodukte mit hoher Stückzahl strukturell die engsten Spannen haben, während Sammlermotive und Kleinstgewichte die weitesten aufweisen.

Silbermünzen mit ausgeprägten Prägemotiven in Münzröhren und einer versiegelten Masterbox vor dunklem Hintergrund
Standardware in Röhren und Masterboxen. Je größer die Handelsmenge und je bekannter das Motiv, desto enger fallen die Spannen zwischen An- und Verkauf aus.

Liquidität ist eine Frage des Produkts

Weltweit anerkannte Anlagemünzen wie Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker lassen sich in jedem Marktumfeld verkaufen, weil jeder Händler sie kennt und prüfen kann. Exotische Prägungen sind in Boomphasen leicht abzusetzen, in schwachen Märkten deutlich schwerer. Wer sein Silberdepot als Reserve versteht, sollte den Kern bewusst in gängigen Silbermünzen und Standardbarren halten.

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Übertreibungsphasen erkennen und diszipliniert reagieren

Niemand kann Hochpunkte zuverlässig bestimmen, auch kein Artikel. Aber übersteigerte Marktphasen hinterlassen wiederkehrende Spuren. Die folgenden sechs Beobachtungen waren 1979/80 sämtlich erfüllt und taugen bis heute als nüchterne Checkliste:

  • Beschleunigung statt Trend: Der Preis steigt nicht mehr linear, sondern in immer kürzeren Abständen um immer größere Beträge.
  • Themenwechsel in der Öffentlichkeit: Das Metall wird Gegenstand von Talkshows, Boulevard und Familienfeiern, nicht mehr nur von Fachmedien.
  • Begründungswechsel: Gekauft wird nicht mehr wegen Knappheit oder Geldentwertung, sondern weil der Preis steigt.
  • Rekord-Aufgelder: Physische Ware kostet spürbar mehr als der Börsenkurs, Lieferzeiten ziehen an.
  • Regulatorische Eingriffe: Margin-Erhöhungen, Positionslimits und Handelsbeschränkungen greifen ein, 1980 war Regel 7 das Signal.
  • Anziehendes Recycling: Altsilber, Bestecke und Schmuck kommen in Massen zurück in den Markt und erhöhen das Angebot.

Kein einzelner Punkt ist ein Verkaufssignal. Treten mehrere gleichzeitig auf, ist es jedoch ein guter Zeitpunkt, die eigene Positionsgröße zu prüfen, nicht aus Angst, sondern aus Disziplin. Aus 1980 lässt sich ohnehin keine Prognose ableiten, wohl aber eine Verhaltenslehre. Die folgenden Prinzipien sind bewusst mechanisch formuliert, weil Mechanik in emotionalen Marktphasen besser funktioniert als Intuition. Sie ersetzen keine individuelle Beratung und sind als allgemeine Information zu verstehen.

Beim Nachkauf

Am wirksamsten ist ein Zeitplan anstelle eines Kursziels. Feste Intervalle, ob monatlich oder quartalsweise, nehmen die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt aus der Gleichung und verhindern, dass ausgerechnet in der Euphoriephase die größte Summe fließt. Verglichen werden sollte dabei nie der reine Kurs, sondern der effektive Preis je Feinunze inklusive Aufgeld und Versand, denn genau dort entscheidet sich die Rendite über Jahre.

Ebenso wichtig ist die Herkunft des Geldes. Wer ausschließlich freies Kapital einsetzt, also weder Kredit noch Mittel, die in den nächsten Jahren gebraucht werden, hat die zentrale Lehre aus den Margin Calls von 1980 verinnerlicht. Ab bestimmten Beträgen senken größere Einheiten wie Röhren und Gebindeeinheiten das Aufgeld je Unze spürbar. Und weil Silber deutlich stärker schwankt als Gold, gehört zu jeder Planung eine im Voraus festgelegte Obergrenze im Gesamtvermögen, die Klumpenrisiken verhindert.

Beim Teilverkauf

Abgegeben wird sinnvollerweise in Tranchen und nie auf einen Schlag, denn wer stufenweise verkauft, muss den Hochpunkt nicht treffen. Hilfreich ist eine Regel, die vor der Euphorie definiert wurde, etwa welcher Anteil bei welcher Verdopplung den Besitzer wechselt. Als zusätzliche Orientierung dient die Gold-Silber-Ratio, deren Extremwerte in beide Richtungen ein Anlass sind, die Gewichtung zwischen den Metallen zu überdenken.

Vor dem Verkauf lohnt außerdem ein Blick auf die steuerliche Seite, da bei physischen Edelmetallen in Deutschland die Haltedauer relevant ist. Diese Frage sollte geklärt sein, bevor die Ware das Haus verlässt, nicht danach. Und ein Bestand, der ursprünglich als Versicherung gedacht war, sollte nicht vollständig aufgelöst werden, nur weil der Preis gestiegen ist.

Der Kern in drei Sätzen

1980 scheiterte nicht die Idee Silber, sondern der Hebel und die Abhängigkeit von Börsenregeln. Real ist der Rekord von damals bis heute unerreicht, weshalb nominale Vergleiche in die Irre führen. Physisches Eigentum ohne Kredit kennt keine Nachschusspflicht, und darin liegt der entscheidende strukturelle Vorteil in jeder Übertreibungsphase.

Was der Blick zurück für heute bedeutet

Preisübertreibungen sind keine Anomalie des Silbermarkts, sondern seine Eigenart. Ein kleiner, industriell nachgefragter und zugleich monetär interpretierter Rohstoff wird immer wieder überschießen, nach oben wie nach unten. Wer das akzeptiert, trifft bessere Entscheidungen als jemand, der nach jeder Bewegung eine neue Erzählung sucht.

1980 ist deshalb weniger eine Warnung vor Silber als eine Warnung vor Konstruktionen, vor Hebel, vor Papieransprüchen ohne Deckung und vor der Annahme, dass die Regeln eines Marktes während einer Extremphase stabil bleiben. Das Metall selbst hat den Crash überstanden, die Positionen der Hunts nicht. Für private Anleger, die physisch kaufen, sicher lagern und in Jahrzehnten denken, ist das die eigentliche Botschaft. Kettner Edelmetalle liefert dafür geprüfte Standardware mit ISO-konformer Echtheitsprüfung und versichertem Versand, die Entscheidung über Größe und Zeitpunkt bleibt Ihre.

Häufige Fragen zu Silber 1980 und den Hunt-Brüdern

Wie hoch war der Silberpreis 1980 wirklich?

Im Londoner Fixing erreichte Silber im Januar 1980 mit rund 49,45 US-Dollar je Feinunze seinen Höchststand, im Terminhandel wurden kurzzeitig Kurse über 50 US-Dollar gestellt. Ein Jahr zuvor hatte die Unze noch etwa sechs US-Dollar gekostet. Nach dem Zusammenbruch fiel der Preis binnen zweier Jahre auf einen Bruchteil dieses Niveaus, 1982 lag das Londoner Fixing bei 4,90 US-Dollar und damit rund 90 Prozent unter dem Hoch.

Was war die COMEX-Regel 7 genau?

Die am 7. Januar 1980 eingeführte „Silver Rule 7" beschränkte den Kauf von Silber-Terminkontrakten auf Kredit massiv. Neue Positionen mussten faktisch voll bezahlt werden, zusätzlich wurden die Positionslimits von 5.000 auf 2.000 Kontrakte gesenkt. Zwei Wochen später ging die Börse zum reinen Glattstellungshandel über, wodurch Neukäufe praktisch unmöglich wurden.

Warum gilt der 27. März 1980 als Silver Thursday?

An diesem Tag konnten die Hunt-Brüder einen Nachschussbedarf von rund 100 Millionen US-Dollar nicht bedienen. Der Silberpreis halbierte sich innerhalb eines Handelstages von 21,62 auf 10,80 US-Dollar. Weil mehrere Brokerhäuser dadurch selbst in Existenznot gerieten, gilt der Tag als eine der schwersten Verwerfungen der modernen Rohstoffgeschichte.

Ist der Silberpreis inflationsbereinigt heute höher als 1980?

Nein. Rechnet man den Höchststand von 1980 mit dem US-Verbraucherpreisindex auf heutige Kaufkraft hoch, ergibt sich überschlägig ein Gegenwert von etwa 200 bis 220 US-Dollar je Feinunze. Selbst das nominale Allzeithoch vom Januar 2026 bei rund 121,80 US-Dollar liegt real also deutlich darunter. Die genaue Zahl variiert je nach Index und Stichtag.

Kann sich ein Corner wie 1980 wiederholen?

In dieser Form ist es unwahrscheinlich. Positionslimits, Meldepflichten und die Aufsicht durch die CFTC wurden nach 1980 deutlich verschärft, und der Markt ist heute globaler und tiefer. Preisverwerfungen sind damit nicht ausgeschlossen, sie entstehen heute aber eher aus physischer Knappheit, regionalen Handelsbeschränkungen und Herdenverhalten als aus dem Vorgehen eines einzelnen Akteurs.

Woran erkenne ich eine Silberblase?

Typische Warnzeichen sind eine sich beschleunigende Kursbewegung, extrem hohe Aufgelder auf physische Ware, breite mediale Aufmerksamkeit jenseits der Finanzpresse, regulatorische Eingriffe wie Margin-Erhöhungen sowie ein sprunghaft steigendes Altsilber-Aufkommen. Einzelne Signale sagen wenig aus, treffen mehrere zusammen, lohnt eine Überprüfung der eigenen Positionsgröße.

Was ist der praktische Vorteil von physischem Silber gegenüber Terminkontrakten?

Physisches Metall im Eigentum kennt keine Nachschusspflicht, keinen Verfallstag und keine Gegenpartei. Es kann nicht durch Regeländerungen einer Börse zwangsliquidiert werden. Dafür fallen Aufgelder, Lager- und Versicherungskosten an, und der Verkauf dauert länger als ein Klick im Depot. Für Anleger mit langem Horizont überwiegt in der Regel der Vorteil der Unabhängigkeit.

Welche Silberprodukte sind in Korrekturphasen am liquidesten?

International bekannte Anlagemünzen in Standardgewichten wie Maple Leaf, Wiener Philharmoniker oder vergleichbare Prägungen sowie gängige Barren. Sie werden von jedem Händler geprüft und angekauft. Sammlermotive, colorierte Ausgaben und Kleinstgewichte haben höhere Aufgelder und in schwachen Märkten spürbar weitere Spannen.

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