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Kettner Edelmetalle

Von der Mine zum Barren: Wie aus Golderz ein Anlagebarren mit LBMA-Prägung wird

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Zwischen dem Moment, in dem ein Sprengsatz in einer Mine mehrere tausend Tonnen Gestein löst, und dem Augenblick, in dem ein versiegelter Anlagebarren beim Käufer ankommt, liegen Wochen, mehrere tausend Kilometer Transportweg und mindestens fünf industrielle Verarbeitungsstufen. Aus einer Tonne Erz wird dabei häufig nur wenige Gramm Gold. Dieser Beitrag zeichnet die Kette nach: von der Erzader über den rohen Doré-Barren bis zum raffinierten Barren mit Feingehalt 999,9, Seriennummer und Zertifikat.

Ein Gramm pro Tonne: Warum Golderz noch lange kein Gold ist

Gold ist in der Erdkruste extrem dünn verteilt. Wirtschaftlich abbaubar wird eine Lagerstätte deshalb nicht dadurch, dass dort viel Gold liegt, sondern dadurch, dass es dicht genug konzentriert ist, um die Kosten für Abbau, Transport und Aufbereitung zu tragen. Die entscheidende Kennzahl heißt Erzgehalt und wird in Gramm pro Tonne (g/t) angegeben.

Die Bandbreite ist groß. Große Tagebaue arbeiten häufig mit Gehalten von unter einem bis etwa zwei Gramm pro Tonne und gleichen das über gewaltige Fördermengen aus. Untertage-Betriebe brauchen deutlich reichere Adern, weil jeder Meter Stollen Geld kostet; dort sind Gehalte im mittleren einstelligen Bereich pro Tonne oder darüber üblich. Anders gesagt: Um eine einzige Unze Gold zu gewinnen, muss ein Tagebau mit ein bis zwei Gramm pro Tonne rechnerisch 15 bis über 30 Tonnen Gestein bewegen und aufbereiten — bei reicheren Untertage-Erzen sind es entsprechend wenige Tonnen.

Quarzgestein mit feinen Goldadern auf einem Förderband in der Erzaufbereitung
Golderz sieht selten nach Gold aus: Die Metallpartikel sitzen mikroskopisch fein im Quarz- oder Sulfidgestein.

Dazu kommt die Form, in der das Metall vorliegt. Nur ein kleiner Teil der weltweiten Vorkommen besteht aus sichtbaren Nuggets oder groben Flittern in Seifenlagerstätten. Der überwiegende Anteil steckt als mikroskopische Einschlüsse in hydrothermalen Quarzgängen oder chemisch gebunden in Sulfiden wie Pyrit und Arsenkies. Diese sogenannten refraktären Erze geben ihr Gold erst nach einer zusätzlichen Vorbehandlung frei — ein Grund, warum zwei Minen mit identischem Erzgehalt völlig unterschiedliche Kostenstrukturen haben können.

Die Größenordnung im Blick

Nach Schätzungen des World Gold Council wurden im Lauf der Menschheitsgeschichte rund 220.000 Tonnen Gold gefördert. Wegen der hohen Dichte von etwa 19,3 Gramm pro Kubikzentimeter ergäbe das einen Würfel mit rund 22,5 Metern Kantenlänge. Jährlich kommen aus dem Bergbau grob 3.500 bis 3.700 Tonnen hinzu — der Würfel wächst also nur um einige Zentimeter Kantenlänge pro Jahr.

Vom Berg in die Mühle: Abbau und mechanische Aufbereitung

Tagebau oder Untertagebau

Liegt der Erzkörper oberflächennah, wird er im Tagebau in Terrassen abgetragen. Gebohrt, gesprengt, mit Muldenkippern abgefahren — der Prozess ist auf Masse ausgelegt. Bei tief liegenden, aber gehaltvollen Adern wird untertage aufgefahren; hier zählt Selektivität statt Volumen. Ergänzend gewinnen Betriebe in Flussablagerungen Gold über Schwerkraftverfahren, weil sich die schweren Partikel dort bereits auf natürlichem Weg angereichert haben.

Brechen, Mahlen, Anreichern

Das geförderte Erz durchläuft zunächst eine rein mechanische Kette. Ziel ist es, die Goldpartikel aus ihrem Gesteinsverbund zu lösen — der Fachbegriff dafür lautet Aufschluss:

  • Brechen: Backen- und Kegelbrecher zerkleinern das Haufwerk von Blockgröße auf wenige Zentimeter.
  • Mahlen: In Kugel- und SAG-Mühlen wird das Material auf Korngrößen im Bereich weniger Hundertstel Millimeter vermahlen, bis die eingeschlossenen Goldpartikel freiliegen.
  • Schwerkraftabscheidung: Zentrifugalabscheider holen grobes Freigold vorab aus dem Kreislauf — ein günstiger Teilstrom, der die spätere Laugung entlastet.
  • Flotation: Bei sulfidischen Erzen werden die goldhaltigen Minerale mit Luftblasen und Reagenzien selektiv aufgeschwommen und als Konzentrat abgezogen.

Am Ende dieser Stufe existiert immer noch kein Gold im landläufigen Sinn, sondern ein feuchter Schlamm oder ein Konzentrat. Der eigentliche chemische Teil beginnt erst jetzt.

Laugung: Wie das Metall in Lösung geht

Der industrielle Standard ist die Cyanidlaugung. In Gegenwart von Sauerstoff löst eine stark verdünnte Natriumcyanid-Lösung Gold zu einem stabilen Komplex, dem Dicyanoaurat. Der Vorgang wurde Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und hat den bis dahin verbreiteten Amalgamverfahren mit Quecksilber in der industriellen Produktion weitgehend abgelöst. Im Kleinbergbau ist Amalgamierung leider immer noch anzutreffen — mit erheblichen gesundheitlichen und ökologischen Folgen für die betroffenen Regionen.

Aus der beladenen Lösung wird das Metall auf zwei Wegen zurückgeholt:

  1. Aktivkohle-Verfahren (CIL/CIP): Aktivkohle adsorbiert den Goldkomplex, wird abgesiebt und in einer heißen Lösung wieder entladen (Elution). Anschließend scheidet eine elektrolytische Zelle das Gold auf Stahlwolle-Kathoden ab.
  2. Merrill-Crowe-Verfahren: Nach dem Entzug des Sauerstoffs fällt Zinkstaub das Gold direkt aus der Lösung aus. Dieser Weg wird vor allem bei silberreichen Erzen genutzt.

Refraktäre Erze brauchen eine Vorstufe, damit das Cyanid überhaupt an das Gold herankommt: Röstung, Druckoxidation im Autoklaven oder bakterielle Laugung knacken zuvor das Sulfidgitter. Diese Anlagen sind kapitalintensiv und ein wesentlicher Treiber der Förderkosten.

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Der Doré-Barren: das erste greifbare Zwischenprodukt

Was aus der Elektrolysezelle oder der Zinkfällung kommt, ist ein feuchter, unansehnlicher Schlamm. Er wird getrocknet und in einem Induktionsofen mit Flussmitteln wie Borax und Soda erschmolzen. Die unedlen Begleitstoffe binden sich in die Schlacke, das Edelmetall sammelt sich darunter und wird in Kokillen abgegossen. Das Ergebnis heißt Doré-Barren.

Ein Doré-Barren ist alles andere als Anlagegold. Sein Goldgehalt schwankt je nach Lagerstätte und Aufbereitung stark — die Angaben reichen von etwa 50 bis über 90 Prozent, häufig liegen die Werte im Bereich zwischen 70 und 90 Prozent. Scheideanstalten setzen in der Regel voraus, dass Gold und Silber zusammen mindestens 70 Prozent des Barrengewichts ausmachen. Der Rest besteht überwiegend aus Silber, dazu Kupfer, Blei, Zink oder Platinmetalle in Spuren. Die Oberfläche ist rau und porig, die Farbe eher blass. Und: Jeder Doré-Barren hat eine individuelle Zusammensetzung — zwei Barren derselben Mine sind nicht identisch.

Genau deshalb ist das Format sinnvoll. Es verdichtet die Produktion mehrerer Tage auf transportfähige Einheiten von meist einigen Kilogramm, die versichert und dokumentiert zur Scheideanstalt gehen. Für die Mine ist der Doré-Barren der Punkt, an dem das Metall den Standort verlässt — für den Markt ist er nur ein Rohstoff.

Ankunft in der Scheideanstalt: Probe vor Prozess

Bevor auch nur ein Gramm raffiniert wird, wird gewogen und beprobt. Die Scheideanstalt schmilzt den Barren um, homogenisiert die Schmelze und zieht daraus Proben, die per Dokimasie — der klassischen Feuerprobe — sowie mit instrumentellen Analyseverfahren ausgewertet werden. Aus diesem Befund ergibt sich der Feingoldinhalt, auf dessen Basis die Mine bezahlt wird. Silber und Platinmetalle werden dabei separat gutgeschrieben.

Dieser Schritt ist der eigentliche kaufmännische Dreh- und Angelpunkt der Kette: Ab hier ist nicht mehr der Barren die Rechnungsgrundlage, sondern der analytisch ermittelte Metallinhalt. Große Häuser wie Heraeus, Umicore oder die südafrikanische Rand Refinery verarbeiten dabei Minen-Doré und Recyclingmaterial in denselben Anlagen — für das Endprodukt macht die Herkunft chemisch keinen Unterschied.

Elektrolysezellen einer Scheideanstalt mit goldbeschichteten Kathodenblechen
In der elektrolytischen Raffination wandert Gold von der Roh-Anode durch den Elektrolyten und schlägt sich an der Kathode nieder.

Raffination: vom Doré-Barren zu 999,9

Miller-Verfahren: Chlor als grober Filter

Der erste Reinigungsschritt ist meist das Chlorierungsverfahren, das Francis Bowyer Miller 1867 an der Münze in Sydney entwickelte und im selben Jahr in London zum Patent anmeldete. Durch die rund 1.100 bis 1.200 Grad heiße Schmelze wird Chlorgas geleitet. Unedle Metalle und Silber reagieren zu Chloriden, die als leichtere Phase aufschwimmen oder verdampfen und abgezogen werden; Gold reagiert bei diesen Temperaturen praktisch nicht. Das Verfahren ist schnell und vergleichsweise günstig und liefert Feingehalte von typischerweise 995 bis 996 Tausendstel. Für den LBMA-Mindeststandard von 995,0 reicht das bereits — für den Anlagemarkt mit seiner Erwartung an 999,9 nicht. Platin lässt sich auf diesem Weg zudem nicht abtrennen, weil sich Platinchlorid thermodynamisch ähnlich verhält wie Goldchlorid.

Wohlwill-Verfahren: Elektrolyse bis in die vierte Neun

Die Feinstufe geht auf den Hamburger Chemiker Emil Wohlwill zurück, der das elektrolytische Verfahren 1874 an der damaligen Norddeutschen Affinerie entwickelte und in den Folgejahren in den großtechnischen Betrieb überführte. Das vorgereinigte Gold wird zu Anodenplatten gegossen und in ein Bad aus Tetrachloridogoldsäure und Salzsäure gehängt. Unter Gleichstrom löst sich die Anode auf, die Goldionen wandern zur Kathode und scheiden sich dort als hochreines Metall ab. Silber bleibt als Chlorid zurück, Platin und Palladium reichern sich im Elektrolyten an und werden separat gewonnen.

Das Ergebnis ist Feingold mit 999,9 Tausendsteln, in Spezialanwendungen auch 999,99. Der Preis dafür: Das Verfahren bindet erhebliche Mengen Gold im Umlauf, braucht Zeit und ist deutlich teurer als die Chlorierung. Deshalb kombinieren Raffinerien beide Wege — Miller als Grobreinigung, Wohlwill als Finish. Alternativ arbeiten kleinere Betriebe nasschemisch mit Königswasser und anschließender Fällung.

Die Reinheitsstufen im Überblick
StufeTypischer FeingehaltCharakter
Erz nach Aufbereitungwenige g/tRohstoff, nicht handelbar
Doré-Barrenmeist ca. 700 bis 900/1000Zwischenprodukt der Mine
Nach Miller-Verfahrenca. 995 bis 996/1000LBMA-Mindestfeingehalt erreicht
Nach Wohlwill-Elektrolyse999,9/1000Standard für Anlagebarren

Guss oder Prägung: zwei Wege zum Anlagebarren

Aus dem raffinierten Metall entstehen die handelsüblichen Formate. Technisch gibt es dafür zwei grundverschiedene Fertigungswege, die man dem Barren ansieht:

  • Gegossene Barren: Flüssiges Gold wird direkt in Kokillen abgegossen. Die Oberfläche bleibt lebendig, mit leichten Wellen und Erstarrungsstrukturen. Kennzeichnungen werden nachträglich eingeschlagen. Dieser Weg dominiert bei großen Einheiten — vom Kilobarren bis zum Good-Delivery-Format.
  • Geprägte Barren: Feingold wird zu einem Band gewalzt, daraus werden Rohlinge gestanzt und unter hohem Druck geprägt. Ergebnis ist eine spiegelglatte Fläche mit scharfen Kanten und sauber ausgeprägten Angaben. Üblich bei kleinen und mittleren Gewichten von einem Gramm bis 500 Gramm.
Flüssiges Gold wird in Stahlkokillen gegossen, glühende Barren in einer dunklen Gießerei
Beim Guss entsteht die typisch unregelmäßige Oberfläche größerer Barren — ein Merkmal, kein Makel.

Kleinere geprägte Barren werden anschließend meist in eine versiegelte Blisterkarte eingeschweißt, die Hersteller, Gewicht, Feingehalt und Seriennummer trägt und zugleich als Zertifikat dient. Bei den größeren Tafelbarren sitzen mehrere trennbare Einheiten in einer gemeinsamen Karte. Bei gegossenen Kilobarren liegt üblicherweise ein separates Zertifikat bei.

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LBMA Good Delivery: der Maßstab hinter dem Markt

Der Großhandel funktioniert über eine einzige Referenz: die Good-Delivery-Liste der London Bullion Market Association. Nur Barren akkreditierter Raffinerien werden im Londoner Markt ohne erneute Prüfung akzeptiert. Nach den technischen Spezifikationen der LBMA gilt für den großen Goldbarren unter anderem:

  • Feingoldinhalt zwischen 350 und 430 Feinunzen, also rund 10,9 bis 13,4 Kilogramm — der oft zitierte „400-Unzen-Barren“ ist eine Formatbezeichnung, kein festes Gewicht.
  • Mindestfeingehalt 995,0 Tausendstel.
  • Empfohlene Maße an der Oberseite von 250 Millimetern Länge (Toleranz 40 Millimeter), 70 Millimetern Breite (Toleranz 15 Millimeter) und 35 Millimetern Höhe (Toleranz 10 Millimeter), dazu eine Seitenschräge von 5 bis 25 Grad für stapelbare Lagerung.
  • Pflichtkennzeichnung: Seriennummer, Stempel der Raffinerie, Feingehalt und — für Barren ab Januar 2019 — Monat und Jahr der Herstellung im Format MMJJ.

Weil jeder dieser Barren einzeln gewogen und analysiert wird, ist sein Feingoldinhalt individuell. Für Silber gelten eigene Vorgaben: Mindestfeingehalt 999,0 Tausendstel, und seit dem 1. Januar 2025 ein Zielgewicht von 1.000 Feinunzen mit einer Toleranz von zehn Prozent, also 900 bis 1.100 Feinunzen. Zuvor produzierte Barren im früheren, weiteren Bereich von 750 bis 1.100 Feinunzen bleiben weiterhin lieferbar. Für Anleger ist das indirekt relevant: Wer einen Goldbarren eines Good-Delivery-Herstellers kauft, erwirbt ein Produkt aus einer Fertigung, die diesen Prüfungen laufend standhalten muss.

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Warum die Prozesskette beim Wiederverkauf zählt

Die drei Angaben auf einem Barren sind kein Dekor, sondern das komprimierte Protokoll der beschriebenen Kette. Hersteller steht für die Akkreditierung und damit für die Verlässlichkeit der Analyse. Der Feingehalt dokumentiert, welche Raffinationsstufe durchlaufen wurde. Die Seriennummer ordnet den Barren einer konkreten Charge im Werksarchiv zu.

Beim Ankauf entscheidet diese Kombination darüber, wie aufwendig die Prüfung ausfällt. Ein unversehrter Barren eines bekannten Hauses mit passender Karte lässt sich zerstörungsfrei per Ultraschall, Dichtemessung und Röntgenfluoreszenz verifizieren. Fehlt die Verpackung oder ist die Nummer unleserlich, wird der Aufwand größer. Kettner Edelmetalle prüft eingehende Ware nach ISO-konformen Verfahren — die Praxis zeigt, dass vollständige Dokumentation den Vorgang spürbar beschleunigt.

Worauf Sie beim Barren achten können

  • Hersteller auf der LBMA-Good-Delivery-Liste oder etablierte Marke mit langer Historie
  • Feingehalt 999,9 bei Anlagebarren aus Gold
  • Seriennummer, die mit der Angabe auf Karte oder Zertifikat übereinstimmt
  • Blisterverpackung unversehrt — Öffnen mindert im Zweifel die Handelbarkeit
  • Bei gegossenen Barren: unregelmäßige Oberfläche ist normal und kein Qualitätsmangel

Wochen statt Tage: die Zeitachse

Warum eine erhöhte Minenproduktion nicht binnen Tagen im Handel ankommt, wird an der Abfolge deutlich. Jede Stufe hat ihre eigene Taktung:

  1. Abbau und Aufbereitung laufen kontinuierlich, das Erz durchläuft die Mühle innerhalb von Stunden.
  2. Laugung und Adsorption benötigen je nach Verfahren Stunden bis mehrere Tage; Haufenlaugung sogar Monate.
  3. Doré-Guss erfolgt meist im Wochen- oder Mehrtagesrhythmus, gebündelt zu Transporteinheiten.
  4. Der versicherte Transport zur Scheideanstalt führt oft über Kontinente hinweg.
  5. Probennahme, Analyse und Raffination beanspruchen erneut Tage bis Wochen.
  6. Erst danach folgen Guss oder Prägung, Verpackung und Auslieferung an den Handel.

Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil des Angebots gar nicht aus der Mine stammt, sondern aus Recycling — Altschmuck, Industrieabfälle, Elektronikschrott. Dieses Material tritt direkt in die Raffinationsstufe ein und reagiert wesentlich schneller auf Preisbewegungen als der Bergbau, dessen Investitionszyklen über Jahre laufen. Wer die Angebotsseite des Goldmarkts verstehen will, muss beide Ströme zusammendenken. Ähnliches gilt übrigens für Silberbarren, bei denen die Nebenproduktgewinnung aus Kupfer- und Bleihütten eine noch größere Rolle spielt.

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Häufige Fragen zur Goldgewinnung

Wie viel Erz ist für einen Barren mit einer Unze Gold nötig?

Das hängt vollständig vom Erzgehalt der Lagerstätte ab. Bei einem Gehalt von einem Gramm pro Tonne müssen für 31,1 Gramm Feingold rechnerisch mehr als 31 Tonnen Gestein bewegt und verarbeitet werden — abzüglich der Ausbringungsverluste eher mehr. Bei reicheren Untertage-Erzen mit fünf Gramm pro Tonne sind es entsprechend wenige Tonnen. Deshalb sagt die Fördermenge einer Mine allein wenig über ihre Wirtschaftlichkeit aus.

Was genau ist ein Doré-Barren?

Ein Doré-Barren ist das Zwischenprodukt, das direkt in der Mine oder in deren Nähe gegossen wird. Sein Goldgehalt liegt je nach Lagerstätte grob zwischen 50 und 90 Prozent, der Rest ist überwiegend Silber, dazu unedle Begleitmetalle. Seine Zusammensetzung ist von Barren zu Barren verschieden, die Oberfläche rau. Handelbar als Anlageprodukt ist er nicht — er dient der Bündelung und dem Transport zur Scheideanstalt.

Worin unterscheiden sich Miller- und Wohlwill-Verfahren?

Das Miller-Verfahren leitet Chlorgas durch geschmolzenes Rohgold. Unedle Metalle und Silber werden als Chloride abgetrennt, das Gold erreicht dabei Feingehalte von typischerweise 995 bis 996 Tausendstel. Es ist schnell und günstig, trennt Platin aber nicht ab. Das Wohlwill-Verfahren ist eine elektrolytische Raffination in salzsaurer Goldlösung und erreicht 999,9 Tausendstel und mehr, bindet aber viel Kapital und Zeit. In der Praxis werden beide hintereinander eingesetzt.

Warum steht auf Anlagebarren 999,9 und nicht 1000?

Absolut reines Metall ist technisch nicht darstellbar; es verbleiben immer Spuren anderer Elemente. 999,9 Tausendstel — im Markt „four nines“ genannt — ist der etablierte Industriestandard für Anlagegold. Höhere Feingehalte wie 999,99 sind mit zusätzlichem Aufwand erreichbar, spielen aber vor allem in Spezialanwendungen eine Rolle und bringen im Handel keinen Mehrwert.

Ist ein gegossener Barren schlechter als ein geprägter?

Nein. Der Feingehalt ist identisch, der Unterschied liegt allein im Fertigungsverfahren und in der Optik. Gegossene Barren haben eine unregelmäßige, teils wellige Oberfläche, geprägte Barren eine glatte Fläche mit scharfen Kanten. Kleine Gewichte werden fast immer geprägt, große Einheiten fast immer gegossen. Beim Wiederverkauf zählen Hersteller, Feingehalt und Dokumentation, nicht die Fertigungsart.

Was bedeutet LBMA Good Delivery für Privatanleger?

Direkt kaum etwas, denn Good-Delivery-Barren wiegen zwischen rund 10,9 und 13,4 Kilogramm und werden zwischen Banken, Börsen und Zentralbanken gehandelt. Indirekt viel: Raffinerien auf der Liste unterliegen laufender Überprüfung ihrer Analyse- und Fertigungsqualität. Auch die kleinen Unzenbarren dieser Häuser stammen aus derselben Produktion und genießen deshalb eine hohe internationale Akzeptanz.

Wie lange dauert der Weg vom Erz zum fertigen Barren?

In der Summe sind mehrere Wochen realistisch. Aufbereitung und Laugung laufen im Stunden- bis Tagesbereich, der Doré-Guss wird gebündelt, danach folgen versicherter Transport, Probennahme, Analyse und Raffination. Erst am Ende steht die Fertigung des Handelsformats. Eine Ausnahme bildet Recyclingmaterial, das direkt in die Scheideanstalt geht und die vorgelagerten Stufen überspringt.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über technische und marktliche Zusammenhänge der Edelmetallgewinnung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Edelmetallpreise unterliegen Schwankungen.

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