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Generation Pause: Wenn ein Zehntel der Jugend einfach aussteigt

Ein abgedunkeltes Zimmer, das Handy dicht vor dem Gesicht, der Feed läuft seit Stunden. Kein Ausbildungsplatz, kein Studium, kein Job — und vor allem keine erkennbare Absicht, daran etwas zu ändern. Was lange als Einzelfall galt, ist zu einem statistisch messbaren Phänomen geworden, das einen eigenen Namen trägt: NEET, kurz für „Not in Education, Employment or Training". Die Zahlen dahinter sind unbequem, und sie betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern jeden, der in dreißig Jahren auf ein funktionierendes Umlagesystem hofft.

Abgedunkeltes Zimmer, in dem das Licht eines Smartphones die einzige Lichtquelle ist
Rückzug statt Aufbruch: Für einen wachsenden Teil der jungen Generation ist der Bildschirm der Hauptaufenthaltsort geworden.

Das Kürzel der Stagnation

Der Begriff NEET stammt, wie so vieles in der Sozialstatistik, aus dem Großbritannien der Neunzigerjahre. Ursprünglich beschrieb er 16- und 17-Jährige ohne jeden gesellschaftlichen Status — ein Alter, in dem man durchaus einmal in der Luft hängen darf, weil sich Schule, Lehre und erster Job noch sortieren müssen. Heute reicht die europäische Definition bis zu den 29-Jährigen, und aus einer Randnotiz für Jugendforscher ist ein Indikator geworden, den Eurostat, die OECD und das Statistische Bundesamt regelmäßig fortschreiben.

Statistisch ist NEET zunächst nüchtern definiert: erfasst wird der Anteil der Erwerbslosen und Nichterwerbspersonen, die sich zugleich nicht in Aus- oder Weiterbildung befinden. Wer also weder arbeitet noch lernt — unabhängig davon, ob aus Not, aus Krankheit, aus Betreuungspflichten oder schlicht aus Antriebslosigkeit —, landet in dieser Kategorie. Genau diese Unschärfe macht den Indikator gleichzeitig wertvoll und erklärungsbedürftig.

  • Not in Education — keine Schule, keine Hochschule, kein formaler Bildungsgang.
  • Not in Employment — keine Erwerbstätigkeit, auch keine geringfügige.
  • Not in Training — keine Ausbildung, keine Weiterbildung, keine Qualifizierungsmaßnahme.

Wichtig für das Verständnis: NEET ist kein Synonym für Jugendarbeitslosigkeit. Ein Teil der Gruppe sucht aktiv Arbeit und wird als erwerbslos gezählt. Die deutlich größere Teilmenge steht dem Arbeitsmarkt aber überhaupt nicht zur Verfügung — sie sucht nicht, sie meldet sich nicht, sie taucht in vielen Debatten schlicht nicht auf.

Die Zahlen: kein Randphänomen mehr

Das Statistische Bundesamt hat im August 2026 auf Basis von Eurostat-Vergleichsdaten nachgelegt. Demnach lag der Anteil der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, im Jahr 2025 bei 10,0 Prozent. 2022 waren es noch 8,8 Prozent — der Trend zeigt seit Jahren langsam, aber beständig nach oben. Im EU-Durchschnitt liegt der Wert für diese Altersgruppe bei 12,9 Prozent, in den Niederlanden bei 5,6 Prozent, in Rumänien bei 22,8 Prozent.

Deutschland steht im europäischen Vergleich also noch vergleichsweise ordentlich da. Der Haken liegt in der Richtung: Während die EU ihre NEET-Quote bei den 15- bis 29-Jährigen zwischen 2015 und 2025 um mehr als vier Prozentpunkte auf 11,0 Prozent gedrückt hat und bis 2030 auf neun Prozent will, gehört Deutschland zu den wenigen Mitgliedstaaten, deren Quote im selben Zeitraum gestiegen ist. Wir bewegen uns gegen den europäischen Trend — und das in einer Phase, in der Zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

NEET-Quoten im Vergleich (Anteil der 20- bis 24-Jährigen, 2025)
RegionAnteil NEETEinordnung
Niederlande5,6 %niedrigster Wert der EU
Schweden7,3 %Ziel 2030 längst erreicht
Deutschland10,0 %2022 noch 8,8 %
EU-2712,9 %Durchschnitt
Frankreich16,2 %drittschlechtester Wert
Rumänien22,8 %höchster Wert der EU

In absoluten Zahlen wird das Ausmaß greifbarer. Die Bertelsmann Stiftung zählte für Ende 2023 rund 626.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in Deutschland, die sich weder in Schule noch in Beschäftigung, Ausbildung oder Studium befanden — über 50.000 mehr als ein Jahr zuvor. Parallel dazu haben nach denselben Auswertungen fast 20 Prozent der 20- bis 34-Jährigen überhaupt keinen Berufsabschluss: weder Lehre noch Studium.

Zwei weitere Details aus der amtlichen Statistik sind bemerkenswert. Erstens sind junge Frauen etwas häufiger betroffen als junge Männer — 10,5 gegenüber 9,6 Prozent bei den 20- bis 24-Jährigen. Zweitens dreht sich in Deutschland das europäische Stadt-Land-Muster um: Hierzulande sind junge Menschen in größeren Städten häufiger ohne Ausbildung und Beschäftigung (10,6 Prozent) als in ländlichen Gebieten (7,9 Prozent). EU-weit ist es genau andersherum.

Wer sind die NEETs wirklich?

An dieser Stelle lohnt der genaue Blick, denn das Schlagwort wird schnell zur pauschalen Schuldzuweisung. Die Gruppe ist ausgesprochen heterogen. Nach den Auswertungen des nationalen Bildungsberichts für 2024 waren rund ein Viertel der betroffenen 20- bis 24-Jährigen arbeitssuchend und gelten damit als erwerbslos. Zwei Drittel standen dem Arbeitsmarkt dagegen gar nicht zur Verfügung. Weitere sechs Prozent standen kurz vor dem Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums, vier Prozent vor einem neuen Job.

Unter den Nichterwerbspersonen dieser Altersgruppe nannten 20 Prozent Betreuungspflichten als Grund, 18 Prozent gesundheitliche Einschränkungen, 17 Prozent bildungsbezogene Gründe — etwa das Warten auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz. Das sind reale, oft schwerwiegende Lebenslagen. Wer eine chronische Erkrankung hat oder ein Kind betreut, „hängt" nicht ab.

NEETs sind keine homogene Gruppe. Die Statistik erfasst die junge Mutter, den chronisch Kranken, den frustrierten Bewerber nach der zwanzigsten Absage — und denjenigen, der schlicht die Motivation verloren hat. Wer alle in einen Topf wirft, versteht keinen von ihnen.

Aber genau deshalb ist der Rest der Gruppe so interessant. Wenn man Krankheit, Betreuung, Übergangsphasen und aktive Jobsuche herausrechnet, bleibt ein wachsender Anteil übrig, für den keine dieser Erklärungen greift. Junge Menschen, die weder krank noch überfordert noch chancenlos sind — sondern schlicht nicht mehr anfangen. Über diese Teilgruppe redet die Sozialstatistik ungern, weil sie sich schlecht in Förderprogramme übersetzen lässt.

Depressive Hedonie: wenn die Belohnung sofort kommen muss

Für diesen Zustand gibt es einen Begriff, der aus der Kulturkritik stammt und in den vergangenen Jahren neue Aktualität gewonnen hat: depressive Hedonie. Geprägt hat ihn der britische Kulturtheoretiker Mark Fisher, der als Dozent beobachtete, wie seine Studenten anspruchsvolle Texte konsumierten wie Fast Food. Im deutschsprachigen Raum hat der Publizist Lorenz Bien den Begriff 2022 in einem viel diskutierten Essay aufgegriffen und auf seine eigene Generation angewendet.

Gemeint ist kein klassischer Genussmensch. Depressive Hedonie beschreibt eine Mischung aus Antriebsschwäche und ständiger Lustbefriedigung: Man ist erschöpft, aber man kompensiert diese Erschöpfung nicht durch Tun, sondern durch schnelle, jederzeit verfügbare Reize. Serien, Games, vor allem aber endloses Scrollen. Das Ergebnis ist paradox — permanenter Konsum von Vergnügen bei gleichzeitig völliger Freudlosigkeit.

Endlos in die Dunkelheit laufender Tunnel aus leuchtenden Bildschirmflächen
Kein natürliches Ende: „Infinite Scroll" ist keine Nebenwirkung, sondern eine bewusste Designentscheidung.

Neurobiologisch ist das Muster gut beschreibbar, auch ohne in Küchenpsychologie zu verfallen. Das Belohnungssystem kalibriert sich auf die Reizdichte, die es gewohnt ist. Wer sich über Jahre an einen Belohnungsimpuls im Sekundentakt gewöhnt, für den verliert jede Tätigkeit an Reiz, deren Ertrag erst in Wochen, Monaten oder Jahren sichtbar wird. Eine dreijährige Ausbildung, ein Studium, das Sparen für die erste eigene Wohnung — all das setzt die Fähigkeit voraus, Befriedigung aufzuschieben. Genau diese Fähigkeit wird systematisch abtrainiert.

Die entscheidende Pointe lautet: Es geht irgendwann nicht mehr, selbst wenn man wollte. Wer das ausschließlich als Charakterschwäche abtut, unterschätzt, wie stark hier Gewohnheit zu Struktur geworden ist.

Zu müde für Protest

Man darf annehmen, dass diese jungen Menschen zu vielem eine Meinung haben. Stundenlanges Doomscrolling geht an niemandem spurlos vorbei, es hinterlässt Empörung, Ohnmacht und ein diffuses Gefühl, dass irgendetwas grundsätzlich schiefläuft. Doch was auch immer sie aufregen mag — es führt zu nichts. Nicht zu Protest, nicht zu Engagement, nicht einmal zu einer Wahlbeteiligung.

Das unterscheidet diese Gruppe von jeder Jugendbewegung der vergangenen sechzig Jahre. Ob man die Anliegen anderer junger Aktivisten teilt oder für grundfalsch hält, ist dabei zweitrangig: Sie sind immerhin aufgestanden, haben sich organisiert, haben Positionen bezogen und Widerspruch ausgehalten. Der stille Rückzug hingegen erzeugt keinen Gegendruck. Er produziert keine Schlagzeilen, keine Wählerstimmen, keinen Handlungsdruck.

Und genau darin liegt das politische Problem: Ein Ausfall dieser Größenordnung bleibt folgenlos, weil er leise ist. Was sich nicht meldet, taucht in keinem Koalitionsvertrag auf. Ein Fachkräftemangel, über den Verbände lautstark klagen, bekommt Gipfeltreffen. Eine halbe Million abwesender junger Menschen bekommt eine Fußnote im Bildungsbericht.

Die drei Netze

Dass ein Rückzug dieser Art überhaupt über Jahre durchzuhalten ist, liegt nicht an einem einzelnen Faktor. Es sind drei Netze, die sich gegenseitig verstärken: ein digitales, ein soziales und ein familiäres.

Das digitale Netz: Aufmerksamkeit als Geschäftsmodell

Plattformen verdienen an jeder zusätzlichen Minute im Feed. Entsprechend ist ihre Oberfläche nicht auf Zufriedenheit optimiert, sondern auf Verweildauer. Die eingesetzten Mechanismen sind aus der Glücksspielforschung bekannt:

  • Variable Belohnung — nur jedes zehnte Video ist ein Treffer. Genau diese Unvorhersehbarkeit macht den Automaten interessanter als eine sichere Auszahlung.
  • Pull-to-Refresh — die Wischgeste nach unten ist funktional der Hebel eines Spielautomaten: eine Handlung, ein ungewisses Ergebnis.
  • Infinite Scroll — kein Seitenende, kein natürlicher Abbruchpunkt, keine Entscheidung „noch eine Folge?". Der Konsum hört nur auf, wenn der Nutzer ihn aktiv abbricht.
  • Autoplay und Personalisierung — die nächste Empfehlung ist bereits geladen, bevor die aktuelle endet.

Das ist keine Verschwörung, sondern schlicht die betriebswirtschaftlich rationale Antwort auf ein werbefinanziertes Geschäftsmodell. Umso wichtiger ist es, sie beim Namen zu nennen.

Das soziale Netz: fehlender Druck

Der Sozialstaat nimmt den unmittelbaren ökonomischen Druck, überhaupt aktiv zu werden. Das ist seine Aufgabe und im Kern eine zivilisatorische Errungenschaft — niemand soll in Deutschland zwischen Hunger und Arbeit wählen müssen. Problematisch wird es dort, wo die Grundsicherung von einer Brücke zur Dauereinrichtung wird und wo im Bekanntenkreis Jugendlicher der Bezug von Transferleistungen als gangbare Lebensplanung gilt statt als Übergangslösung. Wer keinen Anlass hat, morgen etwas anders zu machen als heute, macht in aller Regel morgen dasselbe wie heute.

Das familiäre Netz: Wärme ohne Widerstand

Bleibt das dritte Netz, und es ist das heikelste. Wenn im Elternhaus jede Reibung vermieden wird, wenn Aufgaben abgenommen statt übertragen werden, wenn eine schlechte Note eher zu einem Gespräch mit der Schulleitung führt als zu einem Gespräch mit dem Kind, dann fehlt der letzte Ort, an dem Anstrengung noch eingeübt wird. Der Lehrer und Autor Jonas Schreiber, der an einer bayerischen Realschule unterrichtet, beschreibt in zahlreichen Interviews genau dieses Muster: sinkende Leistungsbereitschaft, Smartphones im Klassenzimmer und ein Kollegium, das zunehmend reparieren soll, was anderswo nicht mehr geleistet wird.

Leere Werkbank mit unbenutztem Werkzeug in einer Ausbildungswerkstatt
Über 70.000 Ausbildungsplätze blieben zuletzt unbesetzt — während gleichzeitig Hunderttausende junge Menschen weder lernen noch arbeiten.

Den Preis zahlen die anderen

Volkswirtschaftlich ist jedes Jahr teuer, in dem ein junger Mensch weder Qualifikation noch Berufserfahrung aufbaut. Die Kosten fallen an mehreren Stellen an, und keine davon steht heute in einem Haushaltsplan:

  1. Entgangene Beiträge und Steuern über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg — ein Ausfall von zwei Jahren am Anfang wirkt bis zum Renteneintritt nach.
  2. Spätere Nachqualifizierung, die für den Staat ein Vielfaches einer regulären Ausbildung kostet und dazu deutlich schlechtere Erfolgsquoten hat.
  3. Verfestigte Transferabhängigkeit, weil ohne Berufsabschluss das Risiko dauerhafter Arbeitslosigkeit dramatisch steigt.
  4. Verschärfter Fachkräftemangel in genau den Bereichen, die ohnehin nicht besetzt werden können — Handwerk, Pflege, technische Berufe.
  5. Geringere Rentenanwartschaften der Betroffenen selbst, die dann im Alter erneut auf Grundsicherung angewiesen sind.

Die Rechnung wird nicht heute geschrieben, sondern in zwanzig oder dreißig Jahren. Dann nämlich, wenn genau diese Alterskohorte die Renten jener finanzieren müsste, die noch gearbeitet haben. Das deutsche Umlagesystem funktioniert nur, solange genügend Beitragszahler auf einen Rentner kommen. Die demografische Entwicklung setzt diesem Verhältnis ohnehin zu. Wenn zusätzlich ein Zehntel eines Jahrgangs gar nicht erst in das System einzahlt, verschiebt sich die Statik weiter.

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Was das für die eigene Vorsorge bedeutet

Man kann diese Entwicklung beklagen, man kann sie politisch bekämpfen — was man aber in jedem Fall tun sollte, ist, sie in die eigene Planung einzurechnen. Denn ein Umlagesystem, dessen Beitragsbasis schrumpft, hat nur drei Stellschrauben: höhere Beiträge, ein höheres Renteneintrittsalter oder ein niedrigeres Rentenniveau. Historisch wurde meist an allen dreien gleichzeitig gedreht.

Hinzu kommt eine zweite Größe, die für langfristige Vorsorge mindestens ebenso relevant ist: die Kaufkraft. Wo Sozialsysteme unter Druck geraten, wächst der politische Anreiz, Lücken über Neuverschuldung zu schließen. Und Schulden, die real nicht mehr zurückgezahlt werden können, werden historisch fast immer über die Geldentwertung entwertet. Wie stark dieser Effekt über lange Zeiträume wirkt, lässt sich leicht selbst durchrechnen:

Berechnen Sie Ihren Kaufkraftverlust durch die Inflation

Die Inflationsrate lag zuletzt laut Statistischem Bundesamt bei 8.7%

Genau an diesem Punkt kommen Sachwerte ins Spiel — nicht als Wundermittel und nicht als Ersatz für eine funktionierende Erwerbsbiografie, sondern als Baustein, der außerhalb des Umlagesystems und außerhalb der Bilanz einer Bank liegt. Physisches Gold und Silber zahlen keine Zinsen und erwirtschaften keine laufenden Erträge; ihr Zweck ist ein anderer. Sie sind Vermögen ohne Gegenparteirisiko, unabhängig davon, wie sich Beitragssätze, Rentenformeln oder Staatsanleihen entwickeln.

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Der Langfristvergleich mit der Geldentwertung ist dabei aufschlussreicher als jede kurzfristige Kursbewegung. Entscheidend ist nicht, was ein Edelmetall in einem einzelnen Quartal macht, sondern wie es sich über Jahrzehnte gegenüber der Kaufkraft einer Währung verhält:

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Gestapelte Goldbarren und Silberstücke neben einer Sanduhr auf dunklem Untergrund
Vorsorge ist kein Sprint: Wer früh anfängt, arbeitet mit dem Faktor Zeit statt gegen ihn.

Wer sich mit dem Thema befasst, findet in der Praxis zwei Grundformen: Goldbarren, die vor allem über einen niedrigen Aufschlag auf den Materialwert punkten, und Silbermünzen beziehungsweise Goldmünzen, die dafür in kleineren Einheiten leichter teilbar sind. Klassiker wie der 1-Unze-Krügerrand sind weltweit bekannt und entsprechend liquide; wer kleinteiliger einsteigen möchte, findet auch 1-Gramm-Barren. Eine Anlageempfehlung ist damit ausdrücklich nicht verbunden — welche Form sinnvoll ist, hängt allein von der individuellen Situation ab.

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Was sich ändern müsste

Vorsorge ersetzt keine Lösung. Wer den Trend umkehren will, muss an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzen — und zwar früh, nicht erst im 24. Lebensjahr:

  • Frühwarnsysteme in der Schule, die Schulverweigerung und Abbruchrisiken erkennen, bevor jemand komplett aus dem System fällt.
  • Aufsuchende Angebote statt Komm-Struktur: Wer sich nicht meldet, wird von Beratungsstellen mit Öffnungszeiten nicht erreicht.
  • Anschlussgarantien nach dem Schulabschluss, damit die Lücke zwischen Abschluss und Ausbildungsbeginn gar nicht erst entsteht.
  • Teilqualifikationen und nachgeholte Abschlüsse für alle, die die reguläre Ausbildung verpasst haben — der einzige realistische Weg, die Ungelerntenquote zu senken.
  • Klare Regeln zur Bildschirmnutzung in Schulen, weil Konzentrationsfähigkeit eine Voraussetzung von Bildung ist und keine Nebensache.
  • Ehrlichkeit im Elternhaus: Anstrengung, Frustrationstoleranz und der Umgang mit Misserfolg lassen sich nur dort einüben, wo sie zugelassen werden.

Nichts davon ist besonders originell. Alles davon ist bekannt. Der Unterschied zwischen den Niederlanden mit 5,6 Prozent und Deutschland mit 10,0 Prozent liegt nicht in besseren Ideen, sondern in konsequenterer Umsetzung.


Häufige Fragen zum Thema NEET

Was bedeutet die Abkürzung NEET genau?

NEET steht für „Not in Education, Employment or Training" — also für junge Menschen, die sich weder in Schule, Studium, Ausbildung oder Weiterbildung noch in einer Beschäftigung befinden. Der Indikator umfasst sowohl Erwerbslose, die aktiv suchen, als auch Nichterwerbspersonen, die dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen. Er stammt aus der britischen Sozialstatistik der Neunzigerjahre und wird heute von Eurostat, der OECD und dem Statistischen Bundesamt verwendet.

Wie hoch ist die NEET-Quote in Deutschland aktuell?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Basis von Eurostat-Daten lag der Anteil der 20- bis 24-Jährigen ohne Ausbildung und Beschäftigung 2025 bei 10,0 Prozent. 2022 waren es 8,8 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt für diese Altersgruppe bei 12,9 Prozent. Deutschland gehört damit zu den Ländern mit vergleichsweise niedriger Quote, aber steigender Tendenz — und zu den wenigen EU-Staaten, deren Wert seit 2015 zugelegt hat.

Sind NEETs einfach faul?

Nein, so einfach ist es nicht. Die Gruppe ist sehr heterogen. Ein erheblicher Teil ist wegen Betreuungspflichten, gesundheitlicher Einschränkungen oder eines noch nicht angetretenen Ausbildungsplatzes vorübergehend außerhalb von Bildung und Arbeit. Daneben existiert allerdings eine Teilgruppe ohne solche äußeren Hürden, bei der Motivation und Antrieb das eigentliche Problem sind. Beides zu vermischen führt zu falschen Diagnosen und zu falschen Maßnahmen.

Was ist mit „depressiver Hedonie" gemeint?

Der Begriff geht auf den britischen Kulturtheoretiker Mark Fisher zurück und beschreibt eine Mischung aus Antriebslosigkeit und ständigem Konsum leicht verfügbarer Reize. Betroffene sind erschöpft, kompensieren das aber nicht durch Aktivität, sondern durch Streaming, Gaming und endloses Scrollen. Die Folge ist eine dauerhafte Reizsättigung bei gleichzeitiger Freudlosigkeit — und der Verlust der Fähigkeit, Befriedigung aufzuschieben. Im deutschsprachigen Raum hat der Publizist Lorenz Bien den Begriff 2022 aufgegriffen.

Welche Folgen hat die Entwicklung für das Rentensystem?

Das deutsche Rentensystem funktioniert im Umlageverfahren: Die heutigen Beitragszahler finanzieren die heutigen Renten. Jeder Jahrgang, der später oder gar nicht in das System einzahlt, verschlechtert das Verhältnis von Beitragszahlern zu Empfängern zusätzlich zur ohnehin ungünstigen Demografie. Die möglichen Reaktionen sind begrenzt: höhere Beiträge, späterer Renteneintritt oder ein sinkendes Rentenniveau. Für die private Vorsorgeplanung ist das eine relevante Rahmenbedingung.

Warum werden Edelmetalle in diesem Zusammenhang genannt?

Physisches Gold und Silber sind Sachwerte, die unabhängig von Rentenformeln, Beitragssätzen und der Zahlungsfähigkeit eines Emittenten existieren. Sie erwirtschaften keine laufenden Erträge und schwanken im Preis; ihr Zweck liegt in der Streuung und im Erhalt von Kaufkraft über lange Zeiträume. Das ist keine Anlageempfehlung, sondern eine Einordnung — welche Rolle Edelmetalle in einem Vermögen spielen können, hängt von der persönlichen Situation ab und sollte individuell geprüft werden.

Wo finde ich verlässliche Daten zum Thema?

Die wichtigsten Quellen sind die europäische Arbeitskräfteerhebung von Eurostat, die Pressemitteilungen und Bildungsindikatoren des Statistischen Bundesamtes, der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland" sowie der jährliche OECD-Bericht „Education at a Glance". Für die deutsche Debatte liefert außerdem der Faktencheck NEETs der Bertelsmann Stiftung eine gute Einordnung der absoluten Zahlen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die Wertentwicklung von Edelmetallen unterliegt Schwankungen; aus Angaben zur Vergangenheit lassen sich keine Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen ziehen. Stand der genannten Statistiken: August 2026.

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