
Chinas Mega-Reisewelle: 9,5 Milliarden Fahrten zum Neujahrsfest – ein Phänomen, das seinesgleichen sucht

Während Deutschland über marode Bahnstrecken und chronische Verspätungen klagt, zeigt das Reich der Mitte, wie Mobilität in einer anderen Dimension funktioniert. Mit dem chinesischen Neujahrsfest hat in China die größte Reisewelle der Welt begonnen – ein logistisches Mammutprojekt, das westliche Verkehrsplaner vor Neid erblassen lassen dürfte.
Zahlen, die den Verstand überfordern
Die Dimensionen sind schlichtweg atemberaubend: 9,5 Milliarden sogenannte überregionale Passagierbewegungen erwarten die chinesischen Behörden während der 40-tägigen Reisesaison, die unter dem Namen „Chunyun" bekannt ist. Allein auf der Schiene werden rund 540 Millionen Passagierfahrten prognostiziert, im Luftverkehr etwa 95 Millionen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn befördert im gesamten Jahr etwa 1,5 Milliarden Fahrgäste – China erreicht ein Vielfaches davon in nur sechs Wochen.
Das chinesische Neujahrsfest fällt in diesem Jahr auf den 17. Februar und läutet nach dem traditionellen Mondkalender das „Jahr des Pferdes" ein. Der offizielle Feiertagszeitraum umfasst neun Tage, doch die Reisewelle erstreckt sich vom Montag dieser Woche bis zum 13. März.
Der Straßenverkehr dominiert weiterhin
Trotz des massiven Ausbaus der chinesischen Hochgeschwindigkeitsstrecken macht der Straßenverkehr mit rund 80 Prozent weiterhin den größten Anteil an den Reisebewegungen aus. Millionen von Chinesen setzen sich in ihre Fahrzeuge, um die oft hunderte Kilometer entfernten Heimatorte zu erreichen. Die Autobahnen verwandeln sich in diesen Wochen in endlose Blechlawinen – ein Anblick, der selbst hartgesottene Stau-Veteranen aus dem Ruhrgebiet beeindrucken würde.
Tradition trifft auf modernen Tourismus
Neben den traditionellen Heimatreisen, bei denen Familien zusammenkommen, um das wichtigste Fest des chinesischen Kalenders gemeinsam zu feiern, hat auch der Tourismus stark an Bedeutung gewonnen. Besonders gefragt seien Ziele mit Schnee im Norden sowie wärmere Regionen im Süden des Landes, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Die Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest ist nicht nur ein logistisches Phänomen, sondern auch ein Zeugnis für die tiefe Verwurzelung familiärer Werte in der chinesischen Gesellschaft.
Auswirkungen bis nach Europa
Die Reisewelle macht auch vor den Grenzen Chinas nicht halt. Viele wohlhabende Chinesen nutzen die Feiertage für Auslandsreisen, weshalb es rund um das Neujahrsfest regelmäßig auch in Europa zu einem erhöhten Besucheraufkommen aus dem Reich der Mitte kommt. Luxusgeschäfte in Paris, Mailand und München bereiten sich traditionell auf zahlungskräftige Kundschaft aus Fernost vor.
Man mag von China halten, was man will – doch die Fähigkeit, eine solche Massenbewegung zu organisieren und zu bewältigen, verdient Respekt. Während hierzulande bereits ein Schneesturm das gesamte Bahnnetz lahmlegt, bewegt China Milliarden von Menschen durch ein Land, das flächenmäßig etwa 27-mal so groß ist wie Deutschland. Vielleicht sollten unsere Verkehrsminister einmal einen Studienaufenthalt in Peking in Erwägung ziehen – sofern sie einen Platz im Zug bekommen.












