
Historischer Crash: Chinesische Spekulanten lösen Panikverkäufe bei Gold und Silber aus

Was sich in den vergangenen Stunden an den Edelmetallmärkten abspielte, dürfte selbst hartgesottenen Händlern den Atem geraubt haben. Silber stürzte innerhalb von weniger als 20 Stunden um satte 40 Dollar je Unze ab – ein Einbruch von 26 Prozent, der als größter Tagesverlust in die Geschichte des Silbermarktes eingehen wird. Gold verlor zeitweise 9 Prozent und erlebte damit seinen schwärzesten Tag seit über einem Jahrzehnt. Die Frage, die sich nun stellt: War dies der überfällige Weckruf für überhitzte Märkte – oder der Beginn einer tiefgreifenden Korrektur?
Die Anatomie eines Spekulationsexzesses
Wochenlang hatten Händler rund um den Globus schlaflose Nächte verbracht, die Augen auf ihre Bildschirme geheftet, während eine Welle heißen Geldes aus China die Preise für Gold, Silber und Kupfer in schwindelerregende Höhen trieb. Die fundamentalen Marktdaten – Angebot und Nachfrage – schienen plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Stattdessen übernahmen Momentum-Trader das Ruder, angetrieben von der Gier nach schnellen Gewinnen.
"In meiner gesamten Karriere habe ich so etwas noch nie erlebt", gestand Dominik Sperzel, Handelsleiter beim renommierten Edelmetallveredler Heraeus. "Gold gilt als Symbol der Stabilität – aber solche Bewegungen sind alles andere als stabil." Diese Worte eines Brancheninsiders wiegen schwer und offenbaren das Ausmaß der Verwerfungen.
Der Auslöser: Trump und die Fed
Der unmittelbare Katalysator für den Crash war die Nachricht, dass US-Präsident Donald Trump Kevin Warsh als neuen Chef der Federal Reserve nominieren will. Der Dollar schoss daraufhin in die Höhe – und die Edelmetalle stürzten ab. Doch wer glaubt, dies sei der alleinige Grund für das Debakel, verkennt die tieferliegenden Ursachen.
Bereits seit Wochen hatten erfahrene Marktbeobachter gewarnt, dass die Rallye überdehnt sei. "Wir hatten vor drei bis vier Wochen erkannt, dass sich dies in einen reinen Momentum-Trade verwandelt hatte, nicht in einen fundamentalen Trade", erklärte Jay Hatfield, Investmentchef beim Hedgefonds Infrastructure Capital Advisors. "Wir sind einfach mitgeritten und haben auf genau so etwas gewartet."
Rekordpreise vor dem Absturz
Die Zahlen, die vor dem Crash erreicht wurden, erscheinen im Nachhinein geradezu surreal: Gold kletterte auf 5.595 Dollar je Unze, Silber durchbrach die Marke von 121 Dollar, und Kupfer erreichte 14.527,50 Dollar pro Tonne. Preise, die noch vor wenigen Monaten als undenkbar galten. Doch wie so oft an den Finanzmärkten folgte auf die Euphorie die Ernüchterung – und zwar mit brutaler Geschwindigkeit.
Die Rolle der chinesischen Spekulanten
Besonders bemerkenswert ist die Rolle, die chinesische Investoren bei diesem Drama spielten. Von Kleinanlegern bis hin zu großen Aktienfonds, die sich erstmals in den Rohstoffmarkt wagten – sie alle trieben die Preise nach oben. Als dann die Wende kam, waren es ebenfalls die Chinesen, die als Erste ihre Gewinne mitnahmen.
"China hat verkauft, und jetzt leiden wir unter den Konsequenzen"
So brachte es Alexander Campbell, ehemaliger Rohstoffchef bei Bridgewater Associates, auf den Punkt. Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Spekulanten aus dem kommunistischen China bewiesen einmal mehr, dass sie den Kapitalismus besser beherrschen als manch westlicher Investor.
Der Wahnsinn der Optionsmärkte
Ein besonders verstörendes Detail offenbart sich beim Blick auf die Optionsmärkte. Der iShares Silver Trust, der größte börsengehandelte Silberfonds, verzeichnete am Freitag einen Umsatz von über 40 Milliarden Dollar – und wurde damit zu einem der meistgehandelten Wertpapiere der Welt. Noch vor wenigen Monaten lag der tägliche Umsatz selten über 2 Milliarden Dollar.
In Reddit-Foren prahlten Kleinanleger mit Gewinnen von über 1.000 Prozent durch Wetten auf den Silberanstieg. Die Gier hatte jedes Maß verloren. "Parabolisch", "frenetisch" und "unhandelbar" – so beschrieb Nicky Shiels, Leiterin der Metallstrategie bei MKS PAMP SA, die Marktbedingungen. Der Januar 2026 werde als "der volatilste Monat in der Geschichte der Edelmetalle" in die Annalen eingehen.
Historische Parallelen zu 1979-1980
Die Szenen, die sich in den vergangenen Wochen abspielten, erinnern an die einzige vergleichbare Episode der modernen Finanzgeschichte: die Silberspekulation der Hunt-Brüder 1979-1980. Damals wie heute standen Menschen stundenlang vor Edelmetallhändlern Schlange, um physisches Metall zu erwerben. "Wir sind bei bestimmten Barrengrößen wochenlang im Voraus ausverkauft, und die Leute kaufen trotzdem", berichtete Sperzel von Heraeus.
Was bedeutet dies für Anleger?
Die jüngsten Ereignisse mahnen zur Vorsicht, doch sie ändern nichts an den langfristigen Fundamentaldaten. Die Sorgen über die Unabhängigkeit der Fed, geopolitische Spannungen von Venezuela bis Iran und das wachsende Misstrauen gegenüber dem US-Dollar bleiben bestehen. Zentralbanken weltweit haben ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte.
Für den besonnenen Anleger bieten solche Korrekturen traditionell Einstiegsmöglichkeiten. Physische Edelmetalle bleiben ein bewährtes Instrument zur Vermögenssicherung und sollten als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio nicht fehlen. Gerade in Zeiten, in denen Papierwährungen durch exzessive Staatsverschuldung – auch in Deutschland – unter Druck geraten, beweisen Gold und Silber ihren Wert als Stabilitätsanker.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

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