
Rheinmetall-Aktie im freien Fall: Wenn der Rüstungsboom zur Luftnummer wird
Die Rheinmetall-Aktie erlebt derzeit eine schmerzhafte Talfahrt, die selbst hartgesottene Anleger ins Grübeln bringen dürfte. Nach einem spektakulären Höhenflug, bei dem sich der Kurs seit Jahresbeginn nahezu verdreifacht hatte, folgt nun die bittere Ernüchterung. Der deutsche Rüstungsgigant präsentierte Quartalszahlen, die man nur als enttäuschend bezeichnen kann – und das ausgerechnet in Zeiten, in denen die globale Aufrüstung auf Hochtouren läuft.
Wenn Erwartungen auf die harte Realität treffen
Mit einem Umsatzanstieg von mageren neun Prozent auf 2,43 Milliarden Euro blieb Deutschlands größter Rüstungskonzern deutlich hinter den hochfliegenden Erwartungen der Analysten zurück. Noch ernüchternder fällt der Blick auf die operative Marge aus, die von 12,1 auf 11,3 Prozent absackte. In einer Zeit, in der die Welt aufrüstet wie seit Jahrzehnten nicht mehr, wirken diese Zahlen wie ein schlechter Scherz.
Besonders alarmierend ist der Einbruch beim Auftragseingang. Die sogenannte "Nomination" – ein schöner Euphemismus für das, was tatsächlich in den Auftragsbüchern landet – stürzte von 11,44 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf mickrige 2,64 Milliarden Euro ab. Ein Rückgang um satte 77 Prozent! Die Begründung des Konzerns? Verzögerte Vergaben durch die Neuwahlen und mysteriöse "Vorzieheffekte". Man könnte meinen, die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hätte andere Prioritäten, als deutsche Rüstungskonzerne mit Aufträgen zu versorgen.
Die Börse reagiert gnadenlos
Die Reaktion der Anleger ließ nicht lange auf sich warten. Die Rheinmetall-Aktie sackte zeitweise um über vier Prozent ab und wurde damit zum Schlusslicht im DAX. Von den stolzen 1.783,50 Euro am Mittwoch ging es runter auf unter 1.670 Euro – ein herber Schlag für alle, die auf die Fortsetzung der Rally gesetzt hatten.
Charttechnisch steht das Papier nun an einer kritischen Wegscheide. Die Unterstützungszone zwischen 1.649 und 1.659 Euro wird zum Lackmustest. Fällt diese Marke, könnte es richtig ungemütlich werden – mit möglichen Kurszielen bis zur 200-Tage-Linie bei 1.304,60 Euro. Das wäre dann wohl das Ende der Goldgräberstimmung im Rüstungssektor.
Pappergers Optimismus wirkt deplatziert
Während die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen, gibt sich Konzernchef Armin Papperger unverdrossen optimistisch. "Unsere Auftragsbücher sind voll", tönt er – eine Aussage, die angesichts des 77-prozentigen Einbruchs beim Auftragseingang fast schon surreal wirkt. Man fragt sich unwillkürlich, ob Herr Papperger dieselben Zahlen liest wie der Rest der Finanzwelt.
Immerhin hält der Konzern an seiner Jahresprognose fest. Der Umsatz soll um 25 bis 30 Prozent zulegen – ein ambitioniertes Ziel angesichts der aktuellen Entwicklung. Die operative Ergebnismarge soll bei 15,5 Prozent liegen, was angesichts der aktuellen 11,3 Prozent wie Wunschdenken erscheint.
Analysten im Wunderland
Erstaunlicherweise bleiben die Analysten trotz der desaströsen Quartalszahlen bei ihren rosigen Prognosen. JPMorgan und Jefferies halten an ihren Kurszielen von 2.250 Euro fest – fast 35 Prozent über dem aktuellen Niveau. Man könnte meinen, sie hätten andere Zahlen vorliegen oder setzen auf ein Wunder im vierten Quartal.
Die Begründung für diesen unerschütterlichen Optimismus? Man erwartet Großaufträge aus Deutschland. Doch angesichts der Tatsache, dass die neue Regierung unter Friedrich Merz bereits ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur plant – trotz des Versprechens, keine neuen Schulden zu machen –, darf man skeptisch sein, wie viel Geld für Rüstungsaufträge übrig bleibt.
Ein Blick auf die größeren Zusammenhänge
Die schwache Performance von Rheinmetall wirft ein bezeichnendes Licht auf die deutsche Wirtschaftspolitik. Während weltweit aufgerüstet wird und geopolitische Spannungen zunehmen, scheint Deutschland wieder einmal den Anschluss zu verpassen. Die verzögerten Auftragsvergaben durch die Neuwahlen sind nur ein Symptom eines größeren Problems: einer Politik, die Prioritäten falsch setzt und lieber Milliarden für fragwürdige Klimaprojekte ausgibt, statt die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu stärken.
Besonders pikant: Während deutsche Rüstungskonzerne auf Aufträge warten, eskalieren die Konflikte weltweit. Der Ukraine-Krieg dauert an, im Nahen Osten fliegen wieder Raketen zwischen Israel und dem Iran, und die USA unter Trump verschärfen den Handelskrieg mit massiven Zöllen. In dieser Weltlage sollte ein Rüstungskonzern eigentlich goldene Zeiten erleben – dass Rheinmetall dennoch schwächelt, spricht Bände über die Unfähigkeit der deutschen Politik, klare Entscheidungen zu treffen.
Gold als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten
Angesichts der Volatilität im Aktienmarkt und der unsicheren geopolitischen Lage zeigt sich einmal mehr: Physische Edelmetalle bleiben ein unverzichtbarer Baustein für ein ausgewogenes Portfolio. Während Aktien wie Rheinmetall trotz vermeintlich günstiger Rahmenbedingungen enttäuschen können, bieten Gold und Silber Stabilität und Werterhalt – unabhängig von Quartalszahlen und Analystenmeinungen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss seine Investitionsentscheidungen selbst treffen und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen. Wir empfehlen, vor jeder Investition ausreichend zu recherchieren und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen.