
1.000 Stunden US-TV: Netanjahu prahlt mit dem Weg in den Iran-Krieg

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Sonntagabend im israelischen Sender Channel 14 offen damit geworben, wie lange er gebraucht habe, um Washington auf Kriegskurs gegen den Iran zu bringen. Sein Rezept laut eigener Darstellung: rund tausend Stunden Sendezeit im amerikanischen Fernsehen. Ein Ausschnitt des hebräischsprachigen Interviews verbreitete sich binnen Stunden weltweit im Netz.
Vier Jahrzehnte Kampagne – und ein Präsident, der einlenkte
Er beschäftige sich seit fast 40 Jahren mit dem Iran, sagte Netanjahu dem Bericht zufolge. Es habe lange gedauert, zunächst den israelischen Sicherheitsapparat und dann die Vereinigten Staaten zu überzeugen.
"Ich konnte das schaffen, weil ich fast tausend Stunden im amerikanischen Fernsehen hatte, Einfluss in den USA und intime Kenntnis all ihrer Führungspersonen – derjenigen, die uns unterstützen, und derjenigen, die es nicht tun."
Für einen amtierenden Regierungschef ist das ein bemerkenswertes Eingeständnis: Die jahrzehntelange Bearbeitung der amerikanischen Öffentlichkeit erscheint hier nicht als Nebenprodukt, sondern als Strategie. Am 27. Oktober wählt Israel ein neues Parlament – Beobachter werten den Auftritt deshalb auch als Wahlkampf in eigener Sache.
Der "harte Verkauf" im Weißen Haus
Medienberichten zufolge, konkret einer Recherche der New York Times vom April, präsentierte Netanjahu Präsident Donald Trump 17 Tage vor Kriegsbeginn eine Geheimdienstunterlage und warb massiv für den Angriff. Der gemeinsame US-israelische Schlag begann am 28. Februar 2026.
Pikant: Mehrere der damals vorgetragenen Prognosen hätten sich als falsch erwiesen, berichteten Quellen der Zeitung. Der Iran sei reif für einen Regimewechsel, sein Raketenprogramm binnen Wochen zerstörbar, die Straße von Hormus nicht blockierbar, die Vergeltung überschaubar.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi reagierte scharf. Netanjahu brüste sich auf Hebräisch damit, die US-Regierung in einen Krieg für Israel "hineingelegt" zu haben, während er auf Englisch die Führungsstärke des Präsidenten lobe. Sein Urteil in einem Wort: "Schlange."
Die Rechnung zahlt auch der deutsche Verbraucher
Was in Jerusalem als politischer Triumph verkauft wird, schlägt in Europa auf die Preise durch. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus brach Anfang März nach Daten des IWF-Portals Port Watch nahezu vollständig ein – von durchschnittlich über 70 Passagen täglich auf zeitweise zwei Tanker.
Brent kletterte im März auf über 113 Dollar je Barrel, Diesel verteuerte sich hierzulande um rund 56 Cent, Super um mehr als 30 Cent. Nach neuen US-Angriffen auf iranische Raketenwerfer an der Meerenge sprang der Ölpreis Ende August wieder über 90 Dollar. Eine Regierung, die Energie ohnehin zum Luxusgut gemacht hat, trifft dieser Schock mit voller Wucht.
Gold: Rekord, Rücksetzer – und die Frage nach dem Danach
Der Goldpreis markierte im Januar 2026 mit knapp 5.600 Dollar ein Allzeithoch. Der Krieg brachte laut Analysten anschließend Gegenwind: steigende Energiepreise, höhere Inflationserwartungen, ein festerer Dollar und Liquiditätsbedarf der Anleger. Eine Öffnung von Hormus gilt vielen Beobachtern als Voraussetzung für den nächsten Aufwärtsimpuls.
Wer die vergangenen Monate verfolgt hat, erkennt das Muster: Geopolitik lässt sich nicht terminieren, Papiervermögen kann über Nacht neu bewertet werden. Physisches Gold und Silber bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Beimischung – als Versicherung, nicht als Wette.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben ausschließlich unsere Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren, und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.












