
1,29 Billionen Euro in Gold: Der stille Schatz der Euro-Notenbanken

Die Europäische Zentralbank hat ihren konsolidierten Wochenausweis des Eurosystems zum Stichtag 16. Oktober 2026 veröffentlicht. Die Position „Gold und Goldforderungen“ ist demnach in der 42. Kalenderwoche durch Transaktionen um 1 Million Euro gestiegen. Insgesamt liegt der Goldbestand der Euro-Notenbanken damit bei 1.286,240 Milliarden Euro.
Eine Million Euro ist im Kosmos der Zentralbanken kaum mehr als Kleingeld. Interessant ist die Zahl trotzdem, denn sie zeigt, wie viel Gewicht das Edelmetall in den Bilanzen der Währungshüter inzwischen hat.
Gold schlägt Devisen deutlich
Im gleichen Zeitraum gab die Nettoposition in Fremdwährungen um 111 Millionen Euro auf 524,355 Milliarden Euro nach. Das Verhältnis ist bemerkenswert: Der Goldbestand des Eurosystems ist mehr als doppelt so viel wert wie seine Devisenreserven. Dollar, Yen und andere Papierwährungen spielen gegenüber dem Metall nur noch die zweite Geige.
Dahinter steckt keine Kaufwelle, sondern vor allem die Preisentwicklung der vergangenen Jahre. Das Eurosystem bewertet seine Goldbestände nämlich nur zum Quartalsende neu zu Marktpreisen. In den Wochen dazwischen schlagen lediglich echte Transaktionen zu Buche, so wie die aktuelle Million. Welches Geschäft genau dahintersteht, geht aus dem Ausweis nicht hervor.
Korrektur am Goldmarkt, Gelassenheit bei den Notenbanken
Am Markt geht es derzeit unruhig zu. Wie berichtet wird, erreichte die Feinunze im Januar 2026 ein Rekordhoch von rund 5.600 US-Dollar. Am 20. Oktober kostete sie Marktdaten zufolge nur noch zwischen 4.118 und 4.128 Dollar, also gut ein Viertel weniger. Laut Chartanalysten fiel der Preis zuletzt sogar zeitweise unter die Marke von 4.000 Dollar.
Als Gründe gelten der teure Ölpreis, die Sorte Brent stand Medienberichten zufolge zuletzt bei etwa 111 Dollar, und die Zinspolitik der US-Notenbank. Unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh hob die Fed den Leitzins am 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Am 27. und 28. Oktober steht die nächste Zinsentscheidung an, und viele Marktbeobachter rechnen mit kräftigen Kursausschlägen.
Die Profis kaufen weiter
Ausgerechnet diejenigen, die Geld drucken dürfen, lassen sich von der Schwäche kaum beeindrucken. Nach Angaben des World Gold Council kauften die Zentralbanken weltweit im August netto 39 Tonnen Gold. China lag mit rund 20 Tonnen vorn, dahinter folgten Polen und Usbekistan. In einer Umfrage des Council gaben 45 Prozent der befragten Notenbanken an, ihre Reserven innerhalb von zwölf Monaten aufstocken zu wollen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Die Botschaft der Notenbanken ist deutlich, auch wenn sie keiner laut ausspricht. Wer täglich die Stabilität des Papiergeldes verteidigt, setzt im eigenen Tresor lieber auf Gold. Dazu passen Berichte über die Schuldenkrise in Frankreich, die die EZB unter Druck setzen soll, und das schuldenfinanzierte Sondervermögen der Bundesregierung in Berlin. Wem soll man da noch vorwerfen, dass er Vertrauen in Sachwerte setzt?
Für Privatanleger kann daraus eine Überlegung folgen: Physisches Gold und Silber sind keine Spekulation auf den schnellen Gewinn. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie aber einen sinnvollen Schutz bieten. Kurzfristige Preisrückgänge ändern nichts daran, dass die größten Geldinstitute der Welt das Metall weiter einlagern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen.
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