
13 Milliarden für Chips: Indiens Geheimwaffe schlägt Deutschland

Neu-Delhi hat Anfang der Woche die zweite Phase seiner nationalen Halbleiter-Offensive gestartet — mit einem Budget von rund 13 Milliarden US-Dollar. Ziel: eine komplette Wertschöpfungskette vom Chip-Design bis zur Fertigung auf indischem Boden. Beobachter sehen die eigentliche Trumpfkarte des Landes aber nicht in Fabrikhallen, sondern in seinen Ingenieuren.
Vom Montagewerk zum Denkzentrum
Während die erste Phase vor allem den industriellen Unterbau finanzierte, greift die zweite deutlich weiter: Ausrüstung, Materialien, eigenes geistiges Eigentum, Forschung — und ausdrücklich der Aufbau eines großen Fachkräftepools. Aus „Make in India" soll „Engineer in India" werden.
Die Zahlen unterfüttern den Anspruch. Laut Angaben der indischen Regierung wurden bislang zwölf Halbleiter-Projekte in sechs Bundesstaaten genehmigt, mit einer Investitionspipeline von umgerechnet mehr als 17 Milliarden Dollar. Drei Werke — Micron, Kaynes Semicon und CG Semi — produzieren in diesem Jahr kommerziell.
Der Haken: Diese Anlagen übernehmen bislach vor allem Montage, Test und Verpackung. Die hochkomplexe Waferfertigung, das eigentliche Herz der Branche, steht noch aus. Genau deshalb setzt Neu-Delhi jetzt auf Design und eigene Chip-Architekturen, wo Berichten zufolge bereits rund 105 Startups gefördert werden.
Der Weckruf der Pandemie
Der Antrieb ist geopolitisch. Die Lieferkettenkrisen der Corona-Jahre legten schonungslos offen, wie abhängig die Weltwirtschaft von einer Handvoll ostasiatischer Fertiger ist. Japan und Singapur haben deshalb ebenfalls milliardenschwere Programme aufgelegt. Als Zielmarke nennt Indien laut Branchenberichten eine Eigenversorgung von 75 Prozent des heimischen Chipbedarfs bis 2030.
Und Deutschland? Eine bittere Bilanz
Der Vergleich mit Europa fällt unangenehm aus. Der EU Chips Act versprach einen Weltmarktanteil von 20 Prozent bis 2030 — der Rechnungshof der EU hatte dieses Ziel bereits als kaum erreichbar kritisiert. Das Prestigeprojekt einer Intel-Großfabrik in Magdeburg wurde nach Medienberichten endgültig begraben, trotz zugesagter Milliardensubventionen.
Was Indien liefert, ist kein Wunder, sondern Ordnungspolitik: schnelle Genehmigungen, klare Anreize, Fokus auf Ingenieursnachwuchs. In Deutschland dagegen ringen Investoren mit Bauzeiten, Strompreisen und Bürokratie. Aus Sicht unserer Redaktion ist das keine Frage der Talente — es ist eine Frage des politischen Willens.
Warum das für Anleger interessant ist
Halbleiter sind längst eine strategische Ressource — und sie sind rohstoffhungrig. Ohne Silber, den besten elektrischen Leiter unter allen Metallen, funktioniert keine moderne Elektronik: Es steckt in Kontakten, Leiterbahnen, Photovoltaik und Elektronikbauteilen. Jede neue Fabrik, ob in Gujarat oder Sachsen, erhöht die industrielle Nachfrage.
Wer die großen Verschiebungen der Weltwirtschaft ernst nimmt, sollte deshalb nicht nur auf Technologiekonzerne blicken. Physische Edelmetalle — Gold als Wertspeicher, Silber zusätzlich als Industriemetall — können als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen dienen, unabhängig von Lieferketten, Subventionsversprechen und politischen Konjunkturen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir erteilen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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