
203 Milliarden neue Schulden – und kein Aufschwung in Sicht

Berlin, 29. August 2026. Die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant für 2027 eine Rekordverschuldung: rund 203 Milliarden Euro neue Kredite inklusive der Sondervermögen. Der versprochene Wachstumsschub aber lässt weiter auf sich warten. Vier Ökonomen ziehen laut einem Bericht der Berliner Zeitung eine ernüchternde Zwischenbilanz.
565 Milliarden am Kapitalmarkt – in einem einzigen Jahr
Zu den neuen Schulden kommen rund 362 Milliarden Euro an alten Verbindlichkeiten, die refinanziert werden müssen. Macht summiert 565 Milliarden Euro, die sich der Bund allein 2027 am Kapitalmarkt besorgen muss. Im Kernhaushalt stehen Medienberichten zufolge Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro einer Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro gegenüber.
Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, warnte gegenüber der Berliner Zeitung, die öffentlichen Finanzen drohten „aus dem Ruder zu laufen“. Weil Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen seien, gebe es „keine wirksame Begrenzung der Neuverschuldung mehr“.
Die Zinsfalle schnappt zu
Die Zahlen sind unbarmherzig. Für 2027 kalkuliert der Bund mit Zinsausgaben von 41,9 Milliarden Euro – bis 2030 sollen daraus 80,7 Milliarden Euro werden. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln flösse dann fast jeder fünfte Steuereuro an Gläubiger statt in Schulen, Straßen oder Entlastungen.
Riskant ist auch die Struktur: Rund 200 Milliarden Euro will der Bund im kommenden Jahr über kurzlaufende Papiere mit weniger als zwölf Monaten Laufzeit einsammeln. Steigen die Zinsen weiter, wird ein Großteil davon schon 2028 teurer refinanziert.
95 Prozent verpufft: Wo landet das Geld wirklich?
Besonders unangenehm für die Koalition sind die Zahlen zum 500-Milliarden-Sondervermögen. Nach Berechnungen des ifo-Instituts nahm der Bund daraus 2025 rund 24,3 Milliarden Euro neue Schulden auf – die Investitionen lagen aber nur 1,3 Milliarden Euro über dem Vorjahr. 95 Prozent der zusätzlichen Kredite lösten demnach keine zusätzlichen Investitionen aus.
Das IW Köln kam bereits im November 2025 zu einem ähnlichen Befund: Von 271 Milliarden Euro Krediten bis 2029 dürften bis zu 133 Milliarden nicht in neue Investitionen fließen, sondern in längst geplante Vorhaben und Haushaltslöcher. Ein Sondertopf als Verschiebebahnhof – so lesen es Kritiker.
„Sankt-Nimmerleins-Tag“ – der Satz, der sitzt
Joachim Ragnitz vom ifo-Institut Dresden hält nicht die Schulden selbst für das Problem, sondern deren Verwendung für Zwecke, die kaum Wachstum und damit kaum künftige Steuereinnahmen brächten. Der Wirtschaftsweise Achim Truger wiederum sieht das eigentliche Risiko bei den ungedeckelten Rüstungskrediten: Ein Euro Infrastruktur bringe längerfristig 1,50 Euro Wirtschaftsleistung, ein Euro Militärausgaben nur 50 Cent.
Am schärfsten formuliert es Gunther Schnabl vom Flossbach von Storch Research Institute:
„Wer sich von schuldenfinanzierten Staatsausgaben nachhaltiges Wachstum erhofft, wird darauf bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten.“
Ohne Bürokratieabbau, Deregulierung und niedrigere Steuern und Abgaben, so Schnabl, bleibe auch die Rekordverschuldung wirkungslos. Wer erinnert sich noch an das Versprechen, keine neuen Schulden zu machen?
Für viele Sparer stellt sich damit eine altbekannte Frage: Wie schützt man Vermögen, wenn Staatsschulden und Zinslast schneller wachsen als die Wirtschaft? Physische Edelmetalle gelten seit Jahrhunderten als bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
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