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Kettner Edelmetalle
18.08.2026
08:58 Uhr
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2,35 Milliarden für Putins Gas: Griechenlands Tanker-Deal fliegt auf

2,35 Milliarden für Putins Gas: Griechenlands Tanker-Deal fliegt auf
Symbolbild: KI-generiert

Es sind Zahlen, die in Brüssel unangenehme Fragen aufwerfen: Schiffe einer griechischen Reederei haben zwischen Januar und Juli 2026 mehr als ein Drittel des Flüssigerdgases aus Russlands größtem LNG-Projekt Yamal transportiert. Der geschätzte Wert der Ladungen, die in EU-Häfen ankamen: rund 2,35 Milliarden Euro. Das geht aus einer Auswertung von Kpler-Daten durch die Umweltorganisation Urgewald hervor, über die die Berliner Zeitung berichtet.

Ein Veto, das Brüssel wochenlang lahmlegte

Rückblende: Im Juli legte Athen das komplette 21. Sanktionspaket der EU auf Eis. Der Grund war kein außenpolitisches Prinzip, sondern eine Ausnahmeregelung für den Transport russischen LNG in Drittstaaten – im Kern zugunsten der heimischen Reederei Dynagas.

Dem Bericht zufolge fuhren die Dynagas zugerechneten Tanker in sieben Monaten 4,14 Millionen Tonnen LNG aus Yamal – 35 Prozent der Gesamtausfuhr des Projekts. 53 von 57 Ladungen landeten demnach in europäischen Häfen. Und während Yamal insgesamt stagnierte, legte der Dynagas-Anteil laut Auswertung um fünf Prozent zu.

Der Flaschenhals heißt Arc7

Warum das mehr ist als eine Fußnote? Weil Russland in der Arktis auf hochspezialisierte Eisbrecher-Tanker der Klasse Arc7 angewiesen ist. Von den 14 Spezialschiffen, die 2026 für Yamal im Einsatz waren, werden laut Urgewald fünf Dynagas zugerechnet. 14 der 15 ursprünglich für Yamal gebauten Arc7-Tanker befinden sich Medienberichten zufolge in westlichem Besitz.

Neue Schiffe lassen sich wegen der Sanktionen gegen Werften und Technologie nicht einfach nachbestellen, erklärt Sanktionsexperte Luke Wickenden vom CREA. Diese Knappheit sei

„das stärkste Druckmittel, das irgendjemand gegenüber dem russischen Gassektor besitzt“

Genau dort, so die Kritik, habe die Ausnahme angesetzt. Urgewald-Sanktionsreferent Sebastian Rötters spricht von einer „skandalöserweise“ durchgesetzten Regelung und wirft der EU vor, sie habe „eines ihrer stärksten Druckmittel“ gegenüber Russlands arktischem LNG-Handel geschwächt.

Athens Gegenargument – und die unbequeme Bilanz

Griechenland hält dagegen: Ein Verbot treffe vor allem europäische Reedereien, Konkurrenten aus Drittstaaten würden einspringen, Russlands Einnahmen blieben unangetastet. Mehrere griechische Politiker sprachen von einem „Schuss ins eigene Bein“. Dynagas verweist auf langfristige Verträge, teils bis 2065 laufend und bereits 2015 geschlossen – lange vor dem Angriff auf die Ukraine.

Die Zahlen zur Gesamtlage sind trotzdem bemerkenswert: 10,89 von weltweit 11,83 Millionen Tonnen Yamal-LNG gingen laut Urgewald an EU-Häfen – 92,1 Prozent, geschätzter Ladungswert 6,64 Milliarden Euro. Die EU-Einfuhren stiegen um 13,9 Prozent, die Asien-Lieferungen brachen um 58,2 Prozent ein. Europa sanktioniert also – und kauft gleichzeitig kräftig ein. Nach der EU-Verordnung soll für russisches LNG erst ab Anfang 2027 ein vollständiges Importverbot greifen.

Brüssel zieht Konsequenzen – aus der eigenen Blockade

Laut Financial Times erwägen EU-Beamte nun, künftige Russland-Sanktionen einzeln oder in kleinen Paketen zu beschließen. Ein Beteiligter sagte demnach, das jüngste Paket könne „das letzte Sanktionspaket“ dieser Art sein. Ein Veto träfe dann nur noch die strittige Einzelmaßnahme.

Für Bürger, die seit 2022 Rekordpreise für Energie zahlen, bleibt ein bitterer Beigeschmack: Wenn nationale Wirtschaftsinteressen die gemeinsame Linie kippen, wirkt die viel beschworene europäische Geschlossenheit vor allem wie ein Verhandlungsgegenstand.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Für Anlageentscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich.

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