
650.000 Liter Diesel: Googles Notstrom-Monster in Kronstorf

In Kronstorf bei Linz entsteht auf 50 Hektar bestem Ackerland Googles erstes Rechenzentrum in Österreich. Im Vollausbau soll die Anlage bis zu 500 Megawatt ziehen — so viel wie ein mittleres Donaukraftwerk liefert. Was in den Hochglanz-Pressetexten fehlt: das Rückgrat der Notstromversorgung besteht aus Dieselgeneratoren in industriellem Maßstab.
Vom „Googlhupf“ zur Großbaustelle
Im April posierte Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) noch mit einem eigens gebackenen „Googlhupf“ vor den Kameras und sprach von Tradition und Innovation. Inzwischen rollen die Bagger.
Die gewerberechtliche Genehmigung ist rechtskräftig, Beschwerden gab es nach Angaben der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land keine. Die Notstromanlagen wurden im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung gleich mitbewilligt — dimensioniert für etwa die doppelte Leistung der ersten Baustufe. Der Vollausbau ist also von Anfang an eingepreist.
Die Rechnung, die niemand aufmacht
Ein Fachblog hat nachgerechnet, was 500 Megawatt Notstrom technisch bedeuten. Als Arbeitspferd solcher Anlagen gilt der Caterpillar C175-20, ein V20-Diesel mit 105,8 Litern Hubraum und bis zu 4 Megawatt Standby-Leistung. Laut Herstellerdatenblättern schluckt ein einzelnes Aggregat bei Volllast rund 1.039 Liter pro Stunde.
Der Analyse zufolge wären damit rechnerisch rund 125 Aggregate nötig, mit üblicher Redundanz eher 140 bis 150. Der Verbrauch: etwa 130.000 Liter Diesel — pro Stunde. Für fünf Stunden Notbetrieb wären es rund 650.000 Liter. Das entspräche dem Inhalt von über 210 Heizöltanks eines Einfamilienhauses.
Und die Logistik? Ein ADR-Tankwagen fasst rund 33.000 Liter. Rechnerisch müsste alle 15 Minuten ein Tanklaster anrollen — über die Steyrer Landesstraße, nicht über eine Autobahn. Bei einem mehrtägigen Blackout wären das fast 100 Fuhren am Tag. Ob im echten Ernstfall überhaupt noch Tankwagen fahren, steht in keinem Bescheid.
Monatlicher Lärm statt theoretischem Ernstfall
Entscheidend ist ein Detail, das gerne untergeht: Solche Aggregate laufen nicht nur im Blackout. Behördlich vorgeschriebene Testläufe finden regelmäßig statt, meist monatlich. Selbst mit Schallschutzhauben liegen die Pegel dem Bericht zufolge deutlich über den Richtwerten für Wohngebiete.
Dazu kommt die Abgasfracht. Der Berechnung nach würden 125 gleichzeitig laufende Großdiesel über 100.000 Kubikmeter Abgas pro Minute ausstoßen — mit einer NOx-Fracht im Tonnenbereich. In der UVP werden die Generatoren dennoch wie eine Nebenanlage behandelt.
Wasser, Strom, Boden — und der Bürger zahlt
Der Widerstand vor Ort wächst. Medienberichten zufolge liegt die bisher bewilligte Ausbaustufe bei rund 150 Megawatt; genehmigt wurde zudem eine Kühlwassereinleitung von bis zu 99 Litern pro Sekunde beziehungsweise 5,8 Millionen Litern täglich — erwärmt in die Enns. Über 200 Menschen demonstrierten bereits gegen das Projekt.
Bemerkenswert ist der Kontrast: Während dem Bürger der Verbrennermotor, die Ölheizung und der Fleischkonsum als Klimasünde vorgehalten werden, genehmigen dieselben Behörden eine Dieselflotte in Kraftwerksgröße — für einen US-Konzern. Kritiker sehen darin eine Doppelmoral, die das Vertrauen in die Energiepolitik weiter untergräbt.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Kronstorf exemplarisch, wie „grüne Digitalisierung“ in der Praxis funktioniert: Der Strom ist knapp, der Boden versiegelt, das Wasser verplant — und im Ernstfall rettet ausgerechnet der Diesel die Server. Wer sein Vermögen gegen die Folgen einer zunehmend widersprüchlichen Energie- und Wirtschaftspolitik absichern will, findet in physischen Edelmetallen seit Jahrhunderten eine krisenfeste Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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