
80 Millionen Euro verbrannt: Chemie-Aus in Leuna kostet 440 Jobs

Am Sonntag lief die Frist ab, am Montag erfuhr es die Belegschaft: Für die insolvente Leuna Polyamid GmbH im mitteldeutschen Chemiepark Leuna hat sich kein Investor gefunden. 440 Beschäftigte stehen vor dem Aus – obwohl das Land Sachsen-Anhalt zuvor knapp 80 Millionen Euro Steuergeld in den Notbetrieb gepumpt hatte.
Produziert wird nach Unternehmensangaben noch bis Ende September. Danach soll die Anlage binnen 15 bis 20 Tagen heruntergefahren werden. Der vollständige Rückbau dürfte Jahre dauern.
Vom Weihnachts-Insolvenzantrag zum Totalverlust
Die Kette der Ereignisse liest sich wie ein Lehrstück über den Zustand des deutschen Industriestandorts. Die deutschen Töchter der belgischen Domo-Chemicals-Gruppe stellten Medienberichten zufolge bereits am 25. Dezember Insolvenzantrag. Weil ein abruptes Abschalten der Anlagen als Gefahr für Menschen und Umwelt galt, ordnete das Land den Weiterbetrieb an – auf Kosten des Steuerzahlers.
Sachsen-Anhalts Umwelt- und Energieminister Armin Willingmann (SPD) rechnet nach Berichten über eine Sitzung des Umweltausschusses mit rund 79,5 Millionen Euro für diese Ersatzvornahme. Von dem Geld werde man nicht viel wiedersehen, wird er zitiert. Eine Alternative habe es nicht gegeben – ein Chemiewerk schalte man nicht ab, indem man den Schlüssel umdrehe.
Zwei Monate – dann war auch die Auffanggesellschaft pleite
Zum 1. April übernahm die neu gegründete Leuna Polyamid GmbH, getragen von Infra Leuna und Leuna Harze. Schon nach zwei Monaten musste sie im Juni selbst Zahlungsunfähigkeit anmelden. Als Gründe nannte das Unternehmen explodierte Rohstoff- und Energiepreise, schwache Nachfrage und Billigimporte aus China.
Geschäftsführer Martin Naundorf sieht die Substanz nicht als das Problem. Kunden, Markt und Perspektive für auskömmliches Wirtschaften seien vorhanden gewesen:
„Uns hat lediglich die Liquidität gefehlt.“
Es habe niemanden gegeben, der zwei Wochen Marktflaute aushalte oder auf Lager produzieren könne. Zur Stimmung im Betrieb sagte er der Nachrichtenagentur, er trage Verantwortung für 440 Leute und deren Familien – „Schön ist anders“.
Wenn ein Baustein fällt, wackelt der ganze Verbund
Chemieparks funktionieren wie ein Uhrwerk: Benzol kommt aus der TotalEnergies-Raffinerie, technische Gase von Linde, das Caprolactam aus Leuna wird von anderen zu Polyamid-6 weiterverarbeitet. Naundorf befürchtet Auswirkungen auf den gesamten Standort und die Chemieregion Mitteldeutschland. Besonders heikel: die Ammoniak-Logistik, auf die weitere Firmen angewiesen sind.
IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier nannte das Aus laut Bericht „bitter“, warnte aber vor Panik: Der Standort mit über 15.000 Beschäftigten in mehr als hundert Unternehmen gehe nicht unter. Mit Chinas Kostenstrukturen könne die deutsche Chemie jedoch nicht mithalten.
Rechnung ohne Ergebnis
Aus Sicht unserer Redaktion ist Leuna kein Betriebsunfall, sondern die Quittung einer Energiepolitik, die Gas und Strom für die Grundstoffindustrie zum Luxusgut gemacht hat. Erst kündigte Dow die Schließung von Anlagen in Schkopau und des Crackers in Böhlen für Ende 2027 an, jetzt fällt das größte Werk in Leuna. Subventionen ersetzen keine wettbewerbsfähigen Energiepreise – sie kaufen nur Zeit, teuer bezahlt vom Bürger.
Wer sein Vermögen gegen die Folgen einer schrumpfenden Industriebasis und wachsender Staatsschulden absichern will, kommt an Sachwerten kaum vorbei. Physisches Gold und Silber gelten seit Generationen als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich selbst informieren.
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