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22.10.2026
16:59 Uhr
KI-generiert

Abgesang auf Gold? Warum ein Trendfolger jetzt auf Ă–l und Weizen setzt

Abgesang auf Gold? Warum ein Trendfolger jetzt auf Ă–l und Weizen setzt
Symbolbild: KI-generiert

Gold und Silber seien keine verlässlichen Inflationsbremsen, sagt Tim Pickering, Präsident und Investmentchef des kanadischen Vermögensverwalters Auspice Capital Advisors. In einem Interview mit dem Fachportal Kitco News riet er Anlegern, stattdessen breit in Rohstoffe zu investieren, denn die Welt stehe erst am Anfang eines jahrzehntelangen „Superzyklus“. Das klingt nach einer Kampfansage an die Edelmetalle. Wer genauer hinschaut, findet allerdings etwas ganz anderes.

Gold im Gegenwind: Die Fakten

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Medienberichten zufolge ist der Goldpreis seit seinem Rekordhoch im Januar um mehr als 25 Prozent gefallen. Am Donnerstag stand die Feinunze bei rund 4.159 Dollar. Silber hatte am 29. Januar ein Allzeithoch von gut 121 Dollar erreicht und wurde seitdem ungefähr halbiert.

Pickering macht vor allem die Zinsen dafür verantwortlich. Gold reagiere ausgerechnet dann empfindlich auf steigende Renditen, wenn die Verbraucher unter hohen Preisen litten. Als Beispiel nennt er die Jahre 2020 bis 2022: Damals kletterte die US-Inflation auf 9 Prozent, den höchsten Wert seit vier Jahrzehnten, während Gold nicht vom Fleck kam.

„Gold ist kein Allheilmittel. Es ist nur ein Diversifizierer.“

Was der Kritiker verschweigt

Ein Blick auf die Zeitachse stellt das Argument allerdings in ein anderes Licht. Im Herbst 2022, am vermeintlichen Tiefpunkt des „gescheiterten Inflationsschutzes“, kostete die Unze ungefähr 1.650 Dollar. Heute sind es selbst nach dem schweren Rückschlag noch mehr als 4.100 Dollar. Gold schützt nicht in jedem einzelnen Quartal, aber auf lange Sicht hat es Kaufkraft bewahrt. Genau dafür kaufen Sparer es.

AuĂźerdem urteilt Pickering nach eigener Aussage nicht ĂĽber die Fundamentaldaten. Sein Fonds folgt Kursentwicklungen. Er halte derzeit kein Gold und Silber, weil die Preise fallen, und nicht, weil er von den Metallen nichts halte.

„Ich liebe die Fundamentaldaten von Silber.“

Dazu passen die aktuellen Marktdaten: Für 2026 erwartet der Branchenverband Silver Institute Medienberichten zufolge ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen. Es wäre das sechste Defizitjahr in Folge.

Superzyklus: Drei Motoren gleichzeitig

Bei seiner eigentlichen These klingt Pickering deutlich optimistischer. Er sieht die Welt erst „sechs Jahre in einem Zyklus von mehr als 20 Jahren“. Angetrieben werde dieser Zyklus von drei Kräften:

  • die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern,
  • die weltweite Energiewende,
  • der explosionsartig steigende Bedarf an KI-Rechenzentren.

Gleichzeitig sei jahrelang zu wenig in neue Minen und Förderanlagen investiert worden. Hohe Zinsen verschärften dieses Problem noch. Der Ölpreis liegt bei rund 100 Dollar je Barrel, und der Konflikt um die Straße von Hormus könnte nach Pickerings Einschätzung über teureren Dünger ab 2027 auch die Lebensmittelpreise antreiben.

Sein Rohstoffportfolio umfasst zwölf Märkte. Derzeit setzt es auf steigende Preise bei Ölprodukten, Kupfer, Mais, Sojabohnen, Weizen, Baumwolle und Zucker.

Ein Detail, das man kennen sollte

Auspice hat außerdem den Index für einen kürzlich aufgelegten ETF entwickelt, der S&P-500-Aktien mit Terminkontrakten kombiniert. Wer für Rohstoff-Futures wirbt, hat also ein geschäftliches Interesse daran. Das muss die Analyse nicht entwerten, aber Anleger sollten es bei der Einordnung im Kopf behalten.

Inflation bleibt, das Vertrauen schwindet

Bemerkenswert ist Pickerings Prognose für die Notenbanken. Er rechnet nicht damit, dass sie eine schwere Rezession riskieren, um die Teuerung auf zwei Prozent zu drücken. Inflationsraten von drei bis vier Prozent würden zum Normalfall. Für deutsche Sparer heißt das: Ihr Geld verliert Jahr für Jahr spürbar an Wert. Mit Schuldenpaketen in Milliardenhöhe trägt Berlin aus Sicht von Kritikern wenig dazu bei, diese Entwicklung zu bremsen.

„Man hat keine Angst vor normaler Inflation. Man hat Angst vor Stagflation.“

Wenn die Inflation dauerhaft erhöht bleibt, die Staatsverschuldung steigt und die Geldpolitik höhere Preise stillschweigend hinnimmt, ist das genau die Lage, für die physisches Gold und Silber gedacht sind. Ein kurzfristiger Kursrückgang ändert daran wenig. Physische Edelmetalle bleiben aus unserer Sicht eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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