
Abschiedsvorstellung in New York: Baerbock verteidigt die UNO – und empfiehlt sich gleich selbst
Es gibt Interviews, die mehr über den Interviewten aussagen als über das Thema. Das Gespräch, das die scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, kurz vor Ablauf ihrer einjährigen Amtszeit der Süddeutschen Zeitung gewährte, gehört zweifellos in diese Kategorie. Der Weltzustand? Angeblich eine Phase harter machtpolitischer Auseinandersetzungen. Die eigene Rolle darin? Nach eigener Darstellung eine beruhigende. Man habe, so Baerbock, dazu beigetragen, dass nicht alle in Angst und Schrecken verfielen, wenn – Zitat – die «lauten Jungs» dem Rest der Welt ihre Agenda diktieren wollten.
Die «lauten Jungs» und die stille Selbstinszenierung
Man muss diesen Satz zweimal lesen, um seine ganze Tragweite zu erfassen. Eine deutsche Politikerin, die als Außenministerin wenig Ruhmreiches hinterließ, deutet ihre Amtszeit an der Spitze eines Gremiums ohne Durchsetzungsmacht zur therapeutischen Mission um. Nicht Verträge, nicht Waffenstillstände, nicht durchgesetztes Recht – sondern das Verhindern von Angst und Schrecken. Ein Amt, das im Kern aus Sitzungsleitung und Repräsentation bestand, wird rückblickend zur globalen Beruhigungsübung verklärt.
Als eigentliche Stärke der Vereinten Nationen benennt Baerbock die formale Gleichberechtigung aller 193 Mitgliedstaaten. Im Plenum wiege die Stimme des Pazifikstaates Vanuatu so schwer wie jene der Vereinigten Staaten oder Deutschlands. Ein hübscher Gedanke – nur beschreibt er präzise das Grundproblem. Denn wenn Beschlüsse ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Substanz, militärische Fähigkeit oder Beitragszahlungen zustande kommen, dann erklärt sich auch, weshalb die Resolutionen der Generalversammlung im Maschinenraum der Weltpolitik kaum ein Ventil bewegen.
Reformen ja, Neubau niemals
Immerhin räumt Baerbock Reformbedarf ein. Forderungen, die Organisation grundlegend neu zu errichten, weist sie jedoch zurück: Diese Vereinten Nationen könne man nie wieder nachbauen. Wer das verlange, habe den Kern der Institution nicht verstanden – die UNO sei ohnehin nie für einfache Zeiten gebaut worden. Ein Argument, das man in Berlin gut kennt: Was existiert, darf nicht angetastet werden, weil es sonst nicht mehr existiert. Der klassische Reflex einer politischen Klasse, die Institutionen mit Ergebnissen verwechselt.
Die größte Schwäche liege im Sicherheitsrat – am ständigen Veto vor allem zweier permanenter Mitglieder, die selbst an Kriegen beteiligt seien.
Diese Analyse ist nicht falsch. Nur führt sie geradewegs zur Frage, wozu ein Apparat mit rund 40.000 Bediensteten, weit verstreuten Sonderorganisationen und einem Milliardenbudget taugt, wenn die zentrale Entscheidungsinstanz seit Jahrzehnten blockiert ist. Der Vorwurf gegen Donald Trumps «Board of Peace» – dort habe eine einzige Person das Vetorecht allein – trifft ins Ziel und geht doch am Punkt vorbei: Ein Gremium, das durch Vetos ohnehin gelähmt ist, verliert seine moralische Autorität nicht erst durch Konkurrenz, sondern durch eigene Wirkungslosigkeit.
«American alone» – oder doch nur europäische Wunschprojektion?
Besonders bemerkenswert ist Baerbocks Diagnose, «America first» entpuppe sich in der UNO faktisch als «American alone». Das ist ein hübsches Wortspiel, aber eine gewagte Behauptung. Denn Washington bleibt Hauptzahler, Sicherheitsgarant Europas und wirtschaftlicher Schwergewichtler. Isoliert ist eher jener Kontinent, der jahrzehntelang moralische Belehrung exportierte, während er Energieversorgung, Wehrfähigkeit und industrielle Basis verspielte. Deutschland betreibt Außenpolitik zunehmend als Haltungsübung – die harte Währung der Diplomatie aber sind Interessen und Handlungsfähigkeit.
Die Frauenquote als abschließende Bewerbungsmappe
Zum Schluss folgt, was folgen musste: die Forderung, an der Spitze der Vereinten Nationen müsse künftig eine Frau stehen. Nach acht Jahrzehnten könne eine Institution, die acht Milliarden Menschen vertrete, dies kaum noch anders erklären. Wer sich dabei angesprochen fühlen soll, dürfte sich jeder Leser selbst zusammenreimen. Bemerkenswert ist eher, was in dieser Argumentation vollständig fehlt: Kompetenz, Verhandlungsgeschick, außenpolitische Bilanz. Es zählt das Merkmal, nicht die Leistung – und genau diese Logik hat westliche Institutionen in den vergangenen Jahren nicht stärker, sondern schwächer gemacht.
Was bleibt, ist eine Abschiedsvorstellung, die vor allem eines belegt: Wenn Politik zur Selbstbeschreibung wird, wird sie beliebig. Und während in New York über Symbolik und Quoten debattiert wird, kämpfen Bürger in Deutschland mit Inflation, Rekordschulden, einer schrumpfenden Industrie und einer Sicherheitslage, die viele nicht mehr wiedererkennen. Vertrauen entsteht nicht durch Rhetorik. Es entsteht durch Ergebnisse – und wer daran zweifelt, dass Regierungen und Institutionen diese liefern, denkt bei der Vermögenssicherung längst in Substanz statt in Versprechen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in Zeiten schwindenden Vertrauens in Institutionen ihren Wert stets bewahrt und gehören als solides Fundament in jedes breit gestreute Portfolio.
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