
Angst-Zone Potsdam: Jugendbanden schlagen zu, Opfer schweigen

Brandenburgs Landeshauptstadt kommt nicht zur Ruhe. Seit fast zwei Jahren sollen gewaltbereite Jugendgruppen, Medienberichten zufolge meist mit Migrationshintergrund, in Potsdam Raubüberfälle verüben, Menschen verprügeln und Familien einschüchtern. Ende September eskalierte die Lage: An der Stadtgrenze wurden drei Gymnasiasten zusammengeschlagen. Ein 18-Jähriger lag danach mehrere Tage auf der Intensivstation.
Angriff aus dem Nichts
Tatort war Kohlhasenbrück, ein ruhiges Villenviertel im Berliner Ortsteil Wannsee, direkt an der Grenze zu Potsdam. Nach Polizeiangaben hätten sich 15 bis 20 Personen ohne erkennbaren Anlass auf zwei 17-Jährige und einen 18-Jährigen gestürzt. Einer der Jüngeren soll zeitweise bewusstlos gewesen sein. Den Älteren hätten die Angreifer zusätzlich mit dem Kopf gegen ein geparktes Auto geschlagen.
Ein Anwohner sprach gegenüber Medien von versuchter Tötung. Inzwischen sitzen laut Staatsanwaltschaft und Polizei zwei Tatverdächtige im Alter von 15 und 17 Jahren in Untersuchungshaft. Neun weitere Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren seien erkennungsdienstlich behandelt worden. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Wenn die Angst lauter ist als das Recht
Das eigentliche Problem dürfte aber viel tiefer reichen. Einer ausführlichen Recherche des Tagesspiegels zufolge zeigen viele Opfer die Taten gar nicht erst an. Die Täter sollen ihre Ausweise abfotografieren und für den Fall einer Anzeige mit Gewalt gegen die Familie drohen. Die Dunkelziffer könnte deshalb erheblich höher liegen.
Eine Mutter berichtet, ihr Sohn sei mehrfach angegriffen und ausgeraubt worden. Anfangs habe er sich nicht einmal getraut, den Eltern davon zu erzählen. Heute fahre sie ihre Kinder überallhin. Mehrere Eltern schildern außerdem, dass polizeibekannte Verdächtige kurz nach der Festnahme wieder freigekommen seien, während die Opfer monatelang auf ihre Zeugenvernehmung gewartet hätten.
Belagerte Partys, kapitulierende Behörden?
Am Abend vor der Prügelattacke sollen nach Polizeiangaben bis zu 45 Jugendliche versucht haben, eine private Geburtstagsfeier zu stürmen. Sie hätten die Gastgeber bedroht und randaliert, einige sollen das Auto der Familie gestohlen haben. „Die Polizei hat uns gerettet“, sagte ein Betroffener. Am 10. Oktober soll es im Bornstedter Feld zu einem ähnlichen Angriff auf ein Einfamilienhaus gekommen sein. Betroffene vermuten, dass sich die Gruppen über Snapchat verabreden.
Besonders bitter ist ein Fall aus dem Sommer 2025: Der „Club 18“ in der Pietschkerstraße machte dicht. Medienberichten zufolge hätten Gruppen, darunter vor allem Jugendliche syrischer Herkunft, die Sozialarbeiter dort bedroht. Offiziell nannte der Träger Personalmangel als Grund. Betroffene sehen darin eine Kapitulation des Jugendamts.
„Wer schützt mein Kind auf dem Schulweg?“
Diese Frage stellte eine verzweifelte Mutter im August in einem Brief an das Rathaus. Gespräche mit der Schulleitung hätten nichts gebracht, schrieb sie. „Die Täter werden verharmlost.“
Der Innenminister kündigt Härte an
Mitte Oktober reagierte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU). Man müsse klären, „wer das Sagen hat auf Potsdamer Straße und Schulhöfen“. Er schließe Abschiebungen nicht aus und verweise auf den Entzug des Schutzstatus bei Syrern. Seine Botschaft: „Ihr könnt hier nicht machen, was ihr wollt.“ Die Polizei zeigt jetzt mehr Präsenz, außerdem ermittelt eine eigene Gruppe namens „Iuventus“.
Aus Sicht unserer Redaktion kommt das spät, sehr spät. Fast zwei Jahre lang hätten sich Eltern, Schüler und Sozialarbeiter offenbar allein gelassen gefühlt. Die bundesweite Kriminalstatistik meldet Rekordwerte und deutlich mehr Messerangriffe. Für viele Bürger ist das eine Folge jahrelanger Versäumnisse in der Migrations- und Sicherheitspolitik. Was Potsdam jetzt braucht, sind schnelle Verfahren, spürbare Konsequenzen und ein Staat, der seine Bürger schützt. Wenn Kinder nur noch mit dem Elterntaxi sicher nach Hause kommen, ist das ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat.
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