
Anleihe-Alarm: Deutsche Staatsschulden werden zum teuersten Vergnügen seit 15 Jahren

Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen: Die Renditen deutscher Staatsanleihen haben ein Niveau erreicht, das man zuletzt vor eineinhalb Jahrzehnten sah – im Jahr 2011, mitten in den Wirren der europäischen Schuldenkrise. Was auf den ersten Blick nach dröger Fachmaterie für Kapitalmarktexperten klingt, ist in Wahrheit ein Alarmsignal für jeden deutschen Steuerzahler. Denn steigende Anleiherenditen bedeuten eines: Der Staat, der wie kaum ein anderer auf Pump lebt, muss künftig deutlich mehr für seine Schulden bezahlen.
Explodierende Energiepreise und die alte Bekannte: die Inflation
Was treibt die Renditen nach oben? Es sind die stark gestiegenen Energiepreise und wachsende Inflationserwartungen, die den Markt in helle Aufregung versetzen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte um drei Basispunkte auf 3,21 Prozent. Die Anleger spekulieren bereits munter auf weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank – bis zum Jahresende sind gleich zwei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte fest eingepreist.
Man reibt sich die Augen: Erst vor wenigen Jahren wurde uns eine Ära des billigen Geldes und der Nullzinsen als das neue Normal verkauft. Und nun? Nun holt uns die Realität ein. Die Notenbanken, die jahrelang mit ihrer Geldschwemme die Vermögenspreise aufgebläht und die Sparer enteignet haben, stehen vor den Trümmern ihrer eigenen Politik.
Die EZB im Wartemodus – oder doch die Überraschung?
Vor dem Zinsentscheid der EZB am Donnerstag herrscht Rätselraten. Trotz des kräftigen Sprungs bei den Ölpreisen rechnen viele Beobachter damit, dass die Zentralbank ihren Einlagensatz zunächst bei 2,25 Prozent belassen werde. Der Grund: Man wolle sich Zeit verschaffen, um die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran besser einordnen zu können.
„Die erneute Eskalation im Nahen Osten und die in Europa schneller steigenden Gaspreise als Ölpreise dürften dafür sorgen, dass sich die geldpolitisch restriktiven Stimmen im EZB-Rat weiter durchsetzen“, so ein Devisenstratege der ING.
Ganz vom Tisch sei eine Zinserhöhung jedoch nicht, hieß es. Eine „überraschende Zinserhöhung“ sei „nicht völlig auszuschließen“. Man ahnt: Die Währungshüter tappen selbst im Nebel und wissen nicht so recht, wohin die Reise geht.
Wer die Zeche zahlt
Für Deutschland ist diese Entwicklung besonders brisant. Ausgerechnet jetzt, da die Große Koalition unter Kanzler Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur durchs Parlament gepeitscht und die Klimaneutralität bis 2045 sogar im Grundgesetz verankert hat, werden die Schulden teurer. Man erinnere sich: Friedrich Merz hatte im Wahlkampf noch versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Ein Versprechen, das schneller verpuffte als eine Wunderkerze im Regen.
Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei den Anleiherenditen bedeutet Milliarden an zusätzlichen Zinslasten – finanziert durch die Steuern und Abgaben kommender Generationen. Wer glaubt, dass diese Rechnung ohne Folgen für den Bürger aufgeht, der glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann.
Was bleibt dem Anleger?
Während Staatsanleihen zum Spielball geopolitischer Krisen und einer erratischen Geldpolitik werden, während die Inflation weiter an der Kaufkraft nagt, gewinnt eine uralte Wahrheit erneut an Gewicht: Physisches Gold und Silber kennen kein Gegenparteirisiko. Sie brauchen keine Notenbank, die über ihren Wert entscheidet, und keinen überschuldeten Staat, der für ihre Rückzahlung geradestehen müsste. In Zeiten, in denen selbst als sicher geltende Bundesanleihen ins Wanken geraten, kann eine Beimischung echter Edelmetalle in ein breit gestreutes Portfolio ein solides Fundament der Vermögenssicherung bilden.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für etwaige Verluste übernehmen wir keine Haftung.

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