
Anti-AfD-Bus im Unterricht: Eltern in MV proben den Aufstand

In der mecklenburgischen Kleinstadt Laage ist ein Streit eskaliert, der weit über den Schulhof hinausreicht. Der Kampagnen-Bus „Adenauer SRP+“ des „Zentrums für politische Schönheit“ (ZPS) soll am „Recknitz Campus“ Station gemacht haben – mitten im laufenden Schulbetrieb. Eine Elterninitiative wehrt sich nun schriftlich bei der Schulleitung, die AfD kündigt eine Kleine Anfrage im Landtag an.
„Gezielt in den Sozialkundeunterricht einbezogen“
Nach Informationen, die einem Medienbericht zugrunde liegen, schildern die Eltern in ihrem Brief einen bemerkenswerten Vorgang. Schüler hätten übereinstimmend berichtet, das Fahrzeug sei aktiv in den Unterricht eingebunden worden.
„Lehrkräfte forderten die Jugendlichen im Unterrichtskontext explizit dazu auf, den Bus aufzusuchen und sich dort informieren, beziehungsweise beraten zu lassen.“
Ein Schulsprecher habe den Vorgang auf Nachfrage weder bestätigt noch dementiert. Die Eltern sehen darin einen Verstoß gegen den Beutelsbacher Konsens – jenes Fundament der politischen Bildung, das seit 1976 gilt und Schulen zu Ausgewogenheit verpflichtet.
Was der Beutelsbacher Konsens verlangt
Zwei Kernsätze prägen ihn: das Überwältigungsverbot – kein Lehrer darf Schülern eine Meinung aufdrängen – und das Kontroversitätsgebot. Was in Wissenschaft und Politik umstritten ist, muss auch im Klassenzimmer umstritten bleiben.
Der Bus des ZPS ist alles andere als neutral. In dem Fahrzeug waren Medienberichten zufolge Darstellungen führender AfD-Politiker wie Alice Weidel, Tino Chrupalla und Björn Höcke in Häftlingskleidung zu sehen; die Gruppe selbst bewirbt das Gefährt als mobile Sammelstelle von „Beweisen“ für ein AfD-Verbot.
Kein Einzelfall – die Bustour läuft bundesweit
Laage ist nur die jüngste Station. In Niedersachsen beschäftigte derselbe Bus im Mai 2026 den Landtag: Schüler seien während des Unterrichts in das Fahrzeug geführt worden, kritisierte die AfD-Fraktion und sprach von einseitiger Werbung für ein Parteiverbot.
Kultusministerin Julia Hamburg (Grüne) verteidigte die Einsätze damals und erklärte, der Beutelsbacher Konsens bedeute keine Pflicht zur Wertneutralität; die Inszenierung sei zwar „offenkundig streitbar“, aber eine künstlerische Darstellung. Ein CDU-Abgeordneter mahnte in der Aussprache, die Antwort auf Polarisierung könne nicht noch mehr Polarisierung sein.
AfD fordert Aufklärung – Ministerium unter Druck
Der AfD-Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern, Enrico Schult, wurde deutlich: „Diese Leute haben an unseren Schulen nichts verloren.“ Er wolle vom Bildungsministerium unter Leitung von Simone Oldenburg (Linkspartei) wissen, wie oft und wo das ZPS in dem Bundesland an Schulen aufgetreten sei und wer den Auftritt genehmigt habe.
Das ZPS sorgt seit Jahren für Schlagzeilen: 2017 mit einer Nachbildung des Holocaust-Mahnmals neben dem Privathaus Björn Höckes, 2018 mit der umstrittenen Aktion „Soko Chemnitz“, 2021 mit einer Scheinfirma, über die bestellte AfD-Wahlflyer nach eigener Darstellung entsorgt statt verteilt wurden. Am Tag nach Laage stand der Bus laut Berichten in Neubrandenburg – der Wunschplatz direkt neben einem AfD-Bürgerfest sei von den Behörden nicht genehmigt worden.
Warum das Thema so brisant ist
Aus Sicht unserer Redaktion geht es hier nicht um eine Partei, sondern um ein Prinzip: Die staatliche Schule gehört allen Steuerzahlern – und schuldet ihren Schülern Argumente statt fertiger Urteile. Wer Vierzehnjährige in einen Kampagnenbus schickt, mutet ihnen eine Inszenierung zu, keine Debatte.
Bleibt die Frage, die viele Eltern umtreibt: Wer kontrolliert eigentlich, was im Namen der „Demokratiebildung“ ins Klassenzimmer rollt?
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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