
„Antifa-Woche“ in Wolfsburg: IG Metall mischt NS-Gedenken und Asyl

Die IG Metall Wolfsburg startet an diesem Samstag, 7. November, ihre inzwischen 22. „Antifa-Woche“. Bis zum 13. November will die Gewerkschaft in der VW-Stadt an die Verbrechen der NS-Diktatur erinnern. Doch das Programm geht über das Gedenken hinaus: Auch die deutsche Asylpolitik kommt auf den Tisch.
Ein Gedenken, das jeden Respekt verdient
Ein Teil des Programms ist über jeden Zweifel erhaben. Zum Auftakt legt die Gewerkschaft am Mahnmal für die NS-Zwangsarbeiter auf dem Wolfsburger Sara-Frenkel-Platz einen Kranz nieder. Laut Programm spricht dort neben Gewerkschaftsvertretern auch Oberbürgermeister Dennis Weilmann. Danach redet der Historiker Maik Ullmann über gesellschaftliche Spaltung, gerechte Teilhabe und demokratischen Zusammenhalt.
Am Sonntag folgt eine Gedenkfeier an den Kindergräbern in Rühen. Dort betrieb das damalige Volkswagenwerk ab Juni 1944 ein sogenanntes „Kinderlager“ für die Säuglinge von Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa. Nach Angaben des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge starben dort bis Kriegsende 274 Kinder, weil sie verwahrlosten und kaum versorgt wurden. An allen drei Standorten des werkseigenen „Ausländerkinder-Pflegeheims“ kamen nach historischen Darstellungen mindestens 365 Kinder ums Leben. Es ist eines der finstersten Kapitel der Wolfsburger Geschichte.
Weitere Termine: Am Dienstag zeigt ein Kino bei freiem Eintritt das Drama „Nürnberg“ über die Kriegsverbrecherprozesse. Am Donnerstag ist eine Führung über das frühere KZ-Außenlager Laagberg geplant. Den Schluss macht am Freitag eine Kranzniederlegung an der Kindergedenkstätte in Velpke.
Vom KZ-Außenlager zum Asylrecht
Am Mittwoch, 11. November, schlägt der „Arbeitskreis Antifa“ der Gewerkschaft dann den Bogen in die Gegenwart. Der interaktive Abend trägt den Titel „Willkommen? Es kommt darauf an.“ Laut Ankündigung soll es um das deutsche Asylrecht gehen und um die Erfahrungen von Menschen, „die davon betroffen sind“.
Flávio Benites, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg, beschreibt das Ziel so:
„Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Dialog und vom respektvollen Umgang miteinander.“
Man wolle Erinnerungsarbeit leisten, aktuelle Fragen aufgreifen und Menschen ins Gespräch bringen. Das klingt gut. Kritiker dürften aber fragen, ob die Verbindung zwischen dem Massensterben von Säuglingen im NS-Staat und der heutigen Asyldebatte angemessen ist. Wer beides in eine Woche packt, riskiert, dass die Verbrechen von damals relativiert werden. Und er stellt ganz nebenbei jede Forderung nach einer strengeren Migrationspolitik in ein trübes Licht.
Ein Begriff mit dunkler Geschichte
Auch der Name der Woche ist umstritten. Die historische „Antifaschistische Aktion“ gründete die KPD im Jahr 1932. Sie kämpfte nicht nur gegen die Nationalsozialisten, sondern auch gegen die demokratischen Kräfte der Weimarer Republik, darunter die von Sozialdemokraten getragene „Eiserne Front“. KPD-Chef Ernst Thälmann nannte diese nach der stalinistischen Sozialfaschismus-These eine „Terrororganisation des Sozialfaschismus“. In der Sowjetunion und später in der DDR war der Antifaschismus Staatsdoktrin. Er diente als Werkzeug der Herrschaft.
Der Verfassungsschutz unterscheidet allerdings genau. Eine bundesweit organisierte „Antifa“ gebe es nicht. Antifaschismus könne ein demokratisches Grundprinzip sein, aber auch ein linksextremistischer Kampfbegriff. Gewaltorientierte Autonome rechtfertigten unter Parolen wie „Antifa heißt Angriff“ Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Körperverletzungen. Warum eine große Gewerkschaft ausgerechnet dieses Etikett wählt, bleibt ihr Geheimnis.
Und die Arbeitsplätze?
Die Prioritäten wirken seltsam. Volkswagen hat Ende 2024 vereinbart, in Deutschland bis 2030 mehr als 35.000 Stellen abzubauen. Die deutsche Industrie verliert seit Jahren an Boden, unter anderem wegen hoher Energiepreise, viel Bürokratie und hoher Abgaben. Gleichzeitig läuft die Tarifrunde: Die dritte Verhandlung für die Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen endete am Freitag in Hannover ohne Ergebnis.
Viele Beschäftigte bei VW und den Zulieferern dürften vor allem eine Frage haben: Ist mein Arbeitsplatz noch sicher? Eine Gewerkschaft, die ihre Mitglieder politisch zusammenbringen will, sollte zuerst darauf eine Antwort haben. Das Gedenken an die Opfer bleibt dabei Pflicht. Politische Erziehung im Namen der Arbeitnehmer gehört eher nicht zu ihren Aufgaben.
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