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ARD spielt Klassenkampf: Merz als „Juristensohn“ gegen Arbeiterkind Bas

ARD spielt Klassenkampf: Merz als „Juristensohn“ gegen Arbeiterkind Bas
Symbolbild: KI-generiert

Gebührenfinanziertes Fernsehen mit klarer Rollenverteilung: In der ARD-Sendung „Konfrontation“, die am Montagabend im Ersten lief, hat Moderator Markus Feldenkirchen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als „behüteten Juristensohn aus dem Hochsauerland“ bezeichnet. Den Kontrast dazu bildete die ehemalige SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas, die er als Kind einfacher Verhältnisse in Szene setzte. Brisant ist das vor allem deshalb, weil Bas selbst den Kanzler ausdrücklich in Schutz nahm.

Ein Jahr Begleitung, ein Rücktritt mittendrin

Medienberichten zufolge hat Feldenkirchen die SPD-Politikerin rund ein Jahr lang begleitet: im Berliner Regierungsviertel, bei der Rentenkommission, in den Duisburger Sozialsiedlungen ihrer Kindheit. Dann kam der Bruch. Im Oktober trat Bas überraschend als Ministerin und Parteivorsitzende zurück.

Als Grund nannte sie die Trauer um ihre an Krebs verstorbene Stieftochter, aber auch öffentliche Angriffe, die nach ihren Worten auch vom Koalitionspartner gekommen seien. Der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten hatte sie zuvor als „nicht mehr tragbar“ bezeichnet. Die Union wies den Vorwurf zurück, sie habe sich unfair verhalten. Ins Ministerium rückte Alexander Schweitzer nach.

„Jetzt ist viel Wut da“

Feldenkirchen fragte Bas, warum so viele Arbeiter, früher die treuesten SPD-Wähler, inzwischen zur AfD gewechselt seien. Ihre Antwort fiel knapp aus:

„Jetzt ist viel Wut da. Die SPD ist nicht mehr präsent.“

Früher seien die Sozialdemokraten auch in Duisburg überall vor Ort gewesen und hätten sich um die Alltagssorgen der Menschen gekümmert, sagte Bas. Wahlniederlagen und Parteiaustritte hätten diese Präsenz jedoch geschwächt. Die Partei müsse wieder an die Basis zurück.

Die Analyse wirkt ehrlich, greift aber zu kurz. Müssen die Wähler gehen, damit die Partei verschwindet, oder verschwindet die Partei, weil sie an den Wählern vorbei regiert? Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 kam die SPD auf 16,4 Prozent und damit auf ihr schlechtestes Ergebnis seit über einem Jahrhundert. Mit fehlenden Infoständen allein lässt sich das kaum erklären.

Oben gegen unten: das Drehbuch der ARD

Zwischen den Interviewpassagen liefen Szenen aus Bas' Privatleben. Sie erzählte von Geldsorgen in der Familie, vielen Umzügen und Phasen, in denen die Familie von Sozialleistungen lebte. Daraus zog Feldenkirchen einen Vergleich, der hängen bleibt:

„Mit der Herkunft von Friedrich Merz, dem behüteten Juristensohn aus dem Hochsauerland, hat ihre rein gar nichts gemeinsam.“

Er legte noch nach: Es mache einen Unterschied, ob man „qua Herkunft von oben auf die Gesellschaft blickt oder von unten“. Kritiker sehen darin weniger Journalismus als eine Erzählung vom Klassenkampf, finanziert über den Rundfunkbeitrag von 18,36 Euro im Monat. Den zahlt übrigens auch der Facharbeiter im Sauerland, der bei der Wahl CDU angekreuzt hat.

Die Hauptperson spielt nicht mit

Ausgerechnet Bas lieferte keine Munition. Auf die Frage, ob Merz sie persönlich angegriffen habe, sagte sie: „Von ihm persönlich nicht. Wir hatten eigentlich immer ganz gute Gespräche.“ Die Frau, die als Gegenbild zum Kanzler dienen sollte, hielt sich also nicht an das Drehbuch.

Aufstieg durch Leistung statt Herkunftsmoral

Dabei steckt in Bas' Lebenslauf eine Geschichte, die keine Opferrolle braucht. Sie hat einen Hauptschulabschluss, machte eine Lehre bei den Duisburger Verkehrsbetrieben, wurde später Bundestagspräsidentin und schließlich Ministerin. Das ist Aufstieg durch Fleiß. Ein Beweis für starre Klassenschranken ist es nicht.

Und wer die Herkunft eines Menschen zum Maßstab seines politischen Blicks macht, verlässt das Feld der Sachkritik. An Merz lässt sich vieles kritisieren, etwa das 500-Milliarden-Sondervermögen, obwohl er solide Finanzen versprochen hatte. Ob der Vater Richter war, gehört nicht dazu. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Sendung vor allem, wie bereitwillig Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks politische Konflikte zu einem Gefühl von „die da oben“ gegen „wir hier unten“ umdeuten. Zum gesetzlichen Auftrag der Ausgewogenheit passt das schlecht.

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