
Atomdeal ohne Sicherheitsnetz: Wie Trump Saudi-Arabien den Weg zur Bombe ebnet

Es ist ein Vorgang, der die alteingesessene Riege der Nichtverbreitungs-Diplomaten in Washington in kalten Schweiß tauchen dürfte: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat einem saudischen Programm zur Urananreicherung offenbar grünes Licht gegeben – und zwar ohne jene Schutzmechanismen, die bislang als heiliger Gral der amerikanischen Atompolitik galten. Das berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf einen ihm vorliegenden Vertragsentwurf.
Ein Deal, der die Landkarte des Nahen Ostens neu zeichnen könnte
Worum geht es konkret? Washington signalisiert seine Unterstützung für Riads ziviles Atomprogramm. Doch der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Die Dokumente – darunter das obligatorische sogenannte „123-Abkommen" samt Sicherheitsprotokollen – warten noch auf die Unterschrift des Präsidenten. Und, so heißt es von ungenannten Beamten, sie seien dem Kongress bislang gar nicht erst vorgelegt worden. Die Vermutung liegt nahe: aus Angst vor parteiübergreifendem Widerstand.
Man muss kein Prophet sein, um die zeitliche Brisanz zu erkennen. Der Kongress könnte nach den November-Wahlen an eine demokratische Mehrheit fallen – und damit wäre Trumps außenpolitische Agenda in dieser Frage womöglich blockiert. Wer hier von reiner Zufälligkeit spricht, dürfte auch an den Weihnachtsmann glauben.
Kronprinz mit großen Plänen
Kronprinz Mohammed bin Salman und seine Berater drängen seit Jahren auf ein Abkommen, das dem Königreich die Anreicherung von Uran gestattet. Man verfüge, so die Argumentation aus Riad, über gewaltige Reserven. Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman brachte es im vergangenen Jahr auf eine bemerkenswert selbstbewusste Formel:
„Wir werden es anreichern, wir werden es verkaufen und wir werden ‚Yellowcake' produzieren."
Yellowcake – jenes gelbliche Uran-Konzentrat, das zwischen Abbau und Anreicherung steht. Ein Wort, das in den Ohren jedes Rüstungskontrollexperten wie eine Alarmglocke klingen muss.
Der nukleare Schutzschirm und die pakistanische Verbindung
Besonders pikant: Saudi-Arabien hatte, nur wenige Tage nachdem Israel Hamas-Unterhändler in Katar angriff, einen Verteidigungspakt mit Pakistan unterzeichnet – dem einzigen Atomwaffenstaat der muslimischen Welt, dessen Arsenal auf rund 170 Sprengköpfe geschätzt wird. Beide Seiten beschrieben das Abkommen so, dass es „sämtliche militärischen Optionen" umfasse. Man darf das getrost übersetzen: auch die nukleare.
Ein ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter formulierte den Kalkül gegenüber Middle East Eye recht unverblümt. Die Idee, den Amerikanern ihren Schutzschirm über das Königreich zu spannen, könne durchaus einem Zweck dienen – nämlich die Saudis aus dem pakistanischen Einfluss herauszuziehen.
Wenn Sicherheitsstandards zur Verhandlungsmasse werden
Der eigentliche Skandal aber liegt im Verzicht auf die üblichen Kontrollmechanismen. Bei anderen Atomabkommen – etwa mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit Marokko oder Dutzenden europäischen und asiatischen Staaten – knüpften die USA ihre Zusammenarbeit an eine klare Bedingung: kein Anreichern von Uran, keine Wiederaufbereitung. Die Emirate unterzeichneten 2009 sogar das sogenannte Zusatzprotokoll, das der Internationalen Atomenergiebehörde erweiterten Zugang zu Anlagen, Daten und nicht deklarierten Standorten gewährt.
Genau dieses Zusatzprotokoll fehlt im saudischen Fall offenbar. Der Vertragsentwurf lässt Raum für künftige Anreicherung – ein Türspalt, durch den, wenn man nicht aufpasst, eines Tages eine Bombe passen könnte.
Diplomatie als Geschäftsmodell
Trump macht das Geschäftemachen zum Herzstück seiner Außenpolitik, selbst wenn er dabei mit den traditionellen Bedenken des Washingtoner Establishments in Konflikt gerät. Man kann diesen pragmatischen Ansatz durchaus schätzen – doch wenn es um nukleare Anreicherung im ohnehin brodelnden Nahen Osten geht, verbietet sich jede Leichtfertigkeit. Wer den Geist einmal aus der Flasche gelassen hat, bekommt ihn nicht wieder hinein.
Für Europa und insbesondere für Deutschland sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Während die hiesige Politik sich in Symbolthemen verliert und die eigene Energieversorgung mutwillig demontiert, entscheiden sich anderswo Machtfragen von historischer Tragweite. Ein weiterer Atomstaat in einer der explosivsten Regionen der Welt – das ist keine ferne Fantasie mehr, sondern eine Frage der Unterschrift.
Der Wert beständiger Sachwerte in unsicheren Zeiten
In einer Welt, in der geopolitische Spannungen zunehmen und ganze Regionen in nukleare Wettrüsten abzugleiten drohen, gewinnt eine alte Erkenntnis neue Aktualität: Wahrer Wert liegt in Beständigem. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrtausende hinweg Krisen, Kriege und Währungsumbrüche überdauert. Sie kennen keine politischen Winkelzüge und keine unerfüllten Wahlversprechen. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen können sie ein Fundament der Stabilität bilden – gerade dann, wenn die Weltlage einmal mehr aus den Fugen zu geraten droht.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen sollten stets auf Grundlage eigener, sorgfältiger Recherche getroffen werden. Jeder Anleger trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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