
Audi geht nach Georgia: Doch die Rechnung kommt aus Berlin!
Audi-Chef Gernot Döllner hat am Samstag auf einer Wahlkampfbühne von US-Präsident Donald Trump verkündet, dass die VW-Tochter ihr erstes eigenes Werk in den USA baut. Rund vier Milliarden Dollar sollen in den Bundesstaat Georgia fließen. In Deutschland ist seitdem die Empörung groß. Die eigentliche Frage stellt dabei kaum jemand: Warum lohnt sich Ingolstadt nicht mehr?
200.000 Autos für Amerika, Stellenabbau für Deutschland
Medienberichten zufolge sollen im neuen Werk künftig bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen. Rund 4.500 neue Jobs könnten entstehen. Trump bekommt damit kurz vor den Midterms ein Geschenk, wie es ein Wahlkampfmanager nicht besser hätte bestellen können.
In der Heimat sieht die Lage düster aus. Bis Ende 2029 sollen an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm bis zu 7.500 Stellen gestrichen werden. Weitere Einschnitte sind nicht ausgeschlossen. Laut einem Bericht des Handelsblatts dürfte Ingolstadt in diesem Jahr nur rund 325.000 Autos produzieren. Ausgelegt ist das Werk auf 450.000.
Scham, Schande, Peinlichkeit: Die Empörungswelle rollt
Die schärfste Kritik kommt von der Arbeitnehmerseite. VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo sagte in einem internen Interview, wer gesehen habe, wie Döllner aktiver Teil dieser Trump-Veranstaltung geworden sei, müsse vor „Scham im Boden versinken“. IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte den Auftritt „höchst peinlich“. Die SPD-Verkehrspolitikerin Isabel Cademartori sprach von einer „Schande“ und einem „neuen Tiefpunkt für den VW-Konzern“. Medienberichten zufolge soll der Auftritt zudem gegen konzerninterne Richtlinien verstoßen haben.
Bemerkenswert ist allerdings: Selbst Cavallo räumt ein, dass ein US-Werk betriebswirtschaftlich sinnvoll sein könne. Der Marktanteil von Volkswagen in den USA sei zu gering, die Zölle kosteten Milliarden. Grünes Licht im Aufsichtsrat werde es aber erst geben, wenn die Folgen für alle Standorte geklärt seien:
„Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht.“
Audi-Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer hatte schon im vergangenen Jahr klargestellt, solange die deutschen Werke nicht ausgelastet seien, müsse der Vorstand mit dem Betriebsrat gar nicht über ein Werk im Ausland reden.
Neckarsulm unter Druck – und auch Porsche?
Der Autoexperte Frank Schwope warnte gegenüber der Bild, der Neubau gefährde „tendenziell Arbeitsplätze in Deutschland“. Er befürchte, dass Modelle abwandern könnten, „sodass deutsche Werke überflüssig werden“. Besonders gefährdet sehe er Neckarsulm mit seinen 15.000 Beschäftigten. Falls künftig auch Porsche-Modelle in Georgia gebaut würden, könnte es nach seiner Einschätzung auch dort Jobs kosten.
Der eigentliche Fehler liegt nicht in Ingolstadt
Die Empörung hat einen blinden Fleck. Anders als BMW und Mercedes-Benz besitzt Audi bisher kein eigenes Werk in den USA. Deshalb fällt auf jedes dort verkaufte Auto der volle Zoll an. Dazu kommt ein Heimatstandort, der mit seinen Kosten jede Kalkulation zur Qual macht.
Und Audi steht damit nicht allein. Laut der Studie „German Economic Pulse 2026“ haben 17 Prozent der befragten Firmen seit Januar 2025 Produktion, Investitionen oder zentrale Funktionen ins Ausland verlagert oder einen solchen Schritt beschlossen. Bei großen Unternehmen sind es 39 Prozent. Nach dem Energiewende-Barometer der DIHK beschäftigen sich rund 40 Prozent der Industriebetriebe mit einer Verlagerung, bei großen Industrieunternehmen sogar rund 60 Prozent.
Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer nannte schon im Mai „vier große Plagen“: hohe Steuern, hohe Sozialabgaben, steigende Energiekosten und immer mehr Bürokratie. Gegen sie helfe nur eine dringende Strukturreform.
Reformen im Schneckentempo
Kritiker werfen der Regierung von Friedrich Merz vor, diese Reformen viel zu langsam anzugehen. Beim Bürgergeld wurden Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe versprochen. Nach bisherigen Berechnungen bleibt davon kaum etwas übrig, langfristig drohen sogar Mehrkosten. Gleichzeitig laden das 500-Milliarden-Sondervermögen und die gesetzlich festgeschriebene Klimaneutralität 2045 kommenden Generationen neue Lasten auf.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Werk in Georgia deshalb kein Verrat eines einzelnen Managers. Es ist ein Warnsignal. Kapital und Arbeitsplätze gehen dorthin, wo sie willkommen sind. Solange Berlin das nicht begreift, werden weitere Unternehmen abwandern. Wer sein Vermögen in solchen Zeiten absichern will, setzt zunehmend auf Werte, die keinem Standort gehören, zum Beispiel physisches Gold und Silber als Beimischung zu einer breit gestreuten Anlage.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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