
Ausgeladen vor der Premiere: ZDF zieht bei Reichelt die Notbremse!

Das ZDF hat „Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt als Gast für die neue Satire-Show „Journal Deluxe“ von Florian Schroeder wieder ausgeladen. Die erste Folge ist da noch gar nicht gelaufen. Zuerst hatte am Dienstag die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet, Reichelt selbst hat die Absage inzwischen bestätigt. Ausgerechnet ein Format, das auch linke und grüne Gewissheiten aufs Korn nehmen sollte, scheint damit schon vor dem Start den Mut verloren zu haben.
Erst umworben, dann aussortiert
Nach Reichelts Darstellung kam die schriftliche Einladung am 23. September. Drei Tage später habe man ihn auch mündlich angefragt, und zwar für die Premiere der Sendung, die auf Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ folgt. Ausgestrahlt werden soll sie Medienberichten zufolge am 29. Oktober.
Ursprünglich war wohl eine Aufzeichnung am 18. November vorgesehen. Für Reichelt war ein 15-minütiges Einzelgespräch eingeplant. Es sollte um die politische Lage und Kultur in Deutschland nach den Landtagswahlen gehen und darum, welche Rolle „Nius“ im politischen Betrieb spielt. Reichelt sagte nach eigenen Angaben zu. Anfang Oktober kam dann die Absage, ohne Vorwarnung.
Ein Gastgeschenk ohne Abnehmer
Reichelt nannte die Entscheidung „traurig“. Für den Moderator hatte er schon ein Geschenk gekauft, nämlich ein Buch des US-Talkmasters Bill Maher. Maher macht sich seit Jahren gern über das eigene linke Lager lustig. „Jetzt muss ich es wohl jemand anderem schenken“, sagte Reichelt. Auf X legte er nach:
Die Cancel Culture beginnt, bevor die Sendung beginnt.
Die Sache hat eine ironische Seite. Medienberichten zufolge war Schroeder im März 2024 selbst Gast in Reichelts Format „Achtung, Reichelt!“. Den Weg in die Gegenrichtung lässt der Mainzer Sender jetzt offenbar nicht zu.
Floskeln statt einer klaren Antwort
Auf Nachfrage hat das ZDF die Ausladung Berichten zufolge nicht direkt bestätigt. Stattdessen spricht der Sender von einem „mehrstufigen Prozess, in dem Überlegungen nach redaktionellen Gesichtspunkten ausgewertet und überarbeitet werden“. Klarer lässt sich kaum ausdrücken, dass man sich nicht festlegen will.
Auffällig ist der Zeitpunkt. Reichelt wurde berichtet zufolge erst ausgeladen, nachdem die Süddeutsche das Konzept der Show öffentlich gemacht hatte. Darin war ausdrücklich vorgesehen, auch linke und grüne Positionen zu kritisieren. Viele Beobachter dürften sich fragen, ob hier redaktionelle Abwägung den Ausschlag gab oder die Angst vor einem Shitstorm aus der eigenen Blase.
Auf dem Papier mutig, in der Praxis vorsichtig
Laut den Berichten hatte das ZDF durchaus Ehrgeiz. In einer internen Präsentation vom Februar sollen als Wunschgäste unter anderem diese Namen stehen:
- AfD-Chefin Alice Weidel
- die Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz
- Welt-Herausgeber Ulf Poschardt
- der Soziologe Hartmut Rosa
- TĂĽbingens OberbĂĽrgermeister Boris Palmer
- der US-Investor Peter Thiel
Tatsächlich angefragt wurde nach bisherigem Stand nur einer, nämlich Reichelt. Mit den Worten des Senders klingt das ganz anders: Die Show sei „anarchisch, verspielt und zugänglich“. ZDF-Unterhaltungschef Oliver Heidemann nennt das Format eine „Verstärkung unseres erfolgreichen Satire-Ensembles“. Produziert wird es von der externen Firma B28 Produktion, die schon zahlreiche Quiz-, Schlager- und Comedysendungen für die öffentlich-rechtlichen Sender gemacht hat.
Wie breit darf die Meinungsvielfalt sein?
Der Fall reicht über eine einzelne Gästeliste hinaus. Millionen Bürger bezahlen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über den Pflichtbeitrag, ob sie wollen oder nicht. Im Gegenzug dürfen sie ein Programm erwarten, das die ganze Breite der Meinungen in diesem Land abbildet. Dazu gehören auch unbequeme Stimmen.
Ein Satireformat, das seinen ersten echten Gegenpol wieder auslädt, bevor die Kamera läuft, schadet sich selbst. Gute Satire lebt von Reibung. Wenn das ZDF schon vor der Premiere davor zurückschreckt, fragt man sich, wie es dann mit dem „satirischen Biss“ aussieht, den der Sender seinem neuen Moderator bescheinigt.
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