
Brennende Kirchen, kleingeredet? Tagesschau-Faktencheck unter Beschuss

Ein Altar in Flammen, eine angezĂŒndete Bibel, und die Tagesschau sieht offenbar wenig Grund zur Sorge. In einem am 6. Oktober veröffentlichten Video zieht das ARD-Faktencheck-Format ârabbit holeâ 33 BrandanschlĂ€ge auf deutsche Kirchen im Jahr 2024 in Zweifel. Die Wiener Beobachtungsstelle OIDAC Europe hat diese FĂ€lle dokumentiert und schlĂ€gt nun scharf zurĂŒck.
âTendenziöser Journalismusâ statt Faktencheck?
OIDAC-Direktorin Anja Tang spart nicht mit Kritik. Der Jungen Freiheit sagte sie, der Beitrag sei ein âkrasses Beispiel fĂŒr tendenziösen Journalismusâ. Ein seriöser Faktencheck sei das nicht. Das Video wirke wie âbewusstes Framingâ und erwecke âeher den Anschein von Aktivismusâ.
GegenĂŒber katholischen Medien legte Tang nach. Der Beitrag sei âalles andere als faktischâ, es wĂŒrden nur Fakten erwĂ€hnt, die ins Bild passten. Pikant: Das Wort OSZE komme in dem Video kein einziges Mal vor.
Null gegen 33: Zwei Zahlen, zwei Welten
Die Tagesschau stĂŒtzt sich auf das Bundeskriminalamt. Das habe fĂŒr 2024 âgenau null Brandstiftungenâ mit christenfeindlichem Motiv gezĂ€hlt. Zudem habe die Redaktion bei Polizei und Staatsanwaltschaften zu allen 33 FĂ€llen nachgefragt. Laut Berichten habe keine der 27 antwortenden Dienststellen ein solches Motiv festgestellt. FĂŒr 2025 weise das BKA allerdings vier politisch motivierte Brandstiftungen an Kirchen aus.
Nur werden hier Ăpfel mit Birnen verglichen. OIDAC arbeitet nach der Methode der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Dort gelten mutwillige Angriffe auf GotteshĂ€user wegen ihres Symbolcharakters als Hinweis auf mögliche HasskriminalitĂ€t, auch wenn noch kein TĂ€ter ermittelt ist. Stelle sich ein anderer Hintergrund heraus, fliege der Fall aus der Statistik. Das BKA erfasst dagegen nur politisch motivierte Taten. Was aus anderen Motiven geschieht, taucht dort nicht auf.
Wenn aus dem Altarbrand eine âTischdeckeâ wird
Die Moderatorin betont im Video, die TĂ€ter seien hĂ€ufig Kinder und Jugendliche gewesen. Die SchĂ€den seien oft gering gewesen und vor Ort âals nicht dramatisch wahrgenommenâ worden. Ein Soziologe warnt, Parteien und extreme Gruppen nutzten solche FĂ€lle fĂŒr âpolitische Propagandaâ. Die Moderation deutet an, auch OIDAC wolle Handlungsdruck erzeugen.
Tang hĂ€lt dagegen: Der Sender verharmlose die FĂ€lle schon durch die Wortwahl. Ein Brandanschlag auf einen Altar werde zum âAnzĂŒnden einer Tischdeckeâ, eine angezĂŒndete Bibel zum âangekohlten Buchâ. In einer ThĂŒringer Kirche soll ein Feuer im Altarraum SchĂ€den von mehreren zehntausend Euro verursacht haben. Und das Alter der TĂ€ter? Das lasse nach OIDAC-Auffassung keinen Schluss auf ihr Motiv zu.
âSelbsternanntâ? Ein Etikett mit Beigeschmack
Auch die Bezeichnung als âselbsternannte Beobachtungsstelleâ stöĂt Tang sauer auf. OIDAC dokumentiert seit rund 20 Jahren Ăbergriffe auf Christen in Europa. Die Organisation geht auf eine Initiative der ĂVP-Politikerin Gudrun Kugler zurĂŒck und arbeitet nach eigenen Angaben mit der OSZE zusammen. Zur Fairness gehört aber auch: Laut Medienberichten stĂŒtzt sie sich teils auf Presseberichte und Erstmeldungen.
Der Trend spricht eine deutliche Sprache
Wie man einzelne BrĂ€nde auch bewertet: Die Entwicklung ist alarmierend. Laut OIDAC stieg die Zahl christenfeindlicher Straftaten in Deutschland von 135 im Jahr 2022 auf 277 im Jahr 2023. Das ist ein Plus von 105 Prozent. FĂŒr 2024 nennt die Bundesregierung 111 politisch motivierte Angriffe auf Kirchen, rund 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Europaweit zĂ€hlte OIDAC 2024 insgesamt 94 BrandanschlĂ€ge auf Kirchen. Kein Land kam auf mehr als Deutschland mit 33 FĂ€llen.
FĂŒr viele BĂŒrger sind Kirchen weit mehr als GebĂ€ude: Sie sind Heimat, Geschichte und Fundament unserer Werte. Wer monatlich 18,36 Euro Rundfunkbeitrag zahlt, darf deshalb Ausgewogenheit erwarten statt Belehrung. WĂŒrde ein gebĂŒhrenfinanzierter Sender bei Angriffen auf andere GotteshĂ€user ebenso schnell auf Tischdecken und junge TĂ€ter verweisen? Diese Frage stellen sich gerade viele Beitragszahler.
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