
Britischer Ex-Minister soll brisante Finanzdaten an Epstein weitergegeben haben
Ein politisches Erdbeben erschüttert derzeit das Vereinigte Königreich: Peter Mandelson, einst mächtiger Kabinettsminister unter Labour-Premierminister Gordon Brown, steht im Zentrum eines Skandals, der die Grundfesten des britischen Establishments ins Wanken bringt. Der Mann, der erst im vergangenen September wegen seiner Verbindungen zu Jeffrey Epstein seinen Posten als designierter US-Botschafter räumen musste, soll während der globalen Finanzkrise 2008/2009 hochsensible Regierungsinformationen an den mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäter und Finanzier weitergeleitet haben.
Explosive Dokumente enthüllen systematischen Informationsfluss
Die vom US-Justizministerium im Rahmen der sogenannten Epstein-Akten freigegebenen Dokumente zeichnen ein erschreckendes Bild. Mandelson, damals als Wirtschaftsminister einer der einflussreichsten Politiker Großbritanniens, soll vertrauliche Regierungsdokumente direkt an Epstein weitergeleitet haben – und das ausgerechnet in einer Zeit, als die Weltfinanzmärkte am Abgrund standen.
Die Liste der mutmaßlich weitergegebenen Informationen liest sich wie ein Handbuch für Insiderhandel: Ein vertrauliches Regierungsdokument über geplante Vermögensverkäufe im Wert von 20 Milliarden Pfund. Interne Diskussionen über Änderungen bei Bankerboni. Details eines bevorstehenden Euro-Rettungspakets – einen Tag vor dessen öffentlicher Bekanntgabe. Und als wäre das nicht genug, soll Mandelson sogar vorgeschlagen haben, dass der JPMorgan-Chef den britischen Finanzminister "mild bedrohen" solle.
Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein
Besonders pikant erscheint eine E-Mail-Korrespondenz vom Mai 2010: Epstein fragte Mandelson, ob er ein 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket für die Eurozone bestätigen könne. Der Minister soll geantwortet haben, die Ankündigung erfolge noch am selben Abend. Am nächsten Tag informierte er Epstein offenbar vorab über den bevorstehenden Rücktritt von Premierminister Brown.
"Wir arbeiteten auf der Basis von Vertrauen, was uns erlaubte, Ideen frei zu diskutieren. Ich bin angewidert von diesem Vertrauensbruch, der vermutlich dazu diente, Epstein die Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen."
Diese Worte stammen von Nick Butler, damals Sonderberater von Brown, dessen vertrauliche Notizen ebenfalls an Epstein weitergeleitet wurden. Butler erwägt nun, Anzeige zu erstatten.
Finanzielle Verflechtungen werfen weitere Fragen auf
Die Enthüllungen haben auch die finanziellen Beziehungen zwischen Mandelson und Epstein wieder ins Rampenlicht gerückt. Dokumente deuten darauf hin, dass Epstein insgesamt 75.000 Dollar auf Bankkonten überwies, deren Begünstigter Mandelson gewesen sein soll. Zusätzlich soll Epstein im September 2009 weitere 10.000 Pfund an Mandelsons Partner – heute sein Ehemann – überwiesen haben, angeblich zur Finanzierung eines Osteopathie-Kurses.
Ein ehemaliger Berater bezeichnete Mandelsons Verhalten gegenüber dem Guardian als "verräterisch" und sprach von einem tiefen Gefühl des Betrugs bei all jenen, die während der Finanzkrise rund um die Uhr gearbeitet hatten.
Politische Konsequenzen und juristische Ermittlungen
Premierminister Keir Starmer hat eine Untersuchung durch den Kabinettssekretär angeordnet und Mandelson zum Rücktritt aus dem House of Lords aufgefordert. Die Scottish National Party und Reform UK haben Mandelson wegen Amtsmissbrauchs bei der Polizei angezeigt. Die Metropolitan Police bestätigte den Eingang mehrerer Anzeigen und prüft derzeit, ob die Schwelle für strafrechtliche Ermittlungen erreicht ist.
Starmer selbst gerät zunehmend unter Druck. Seine Entscheidung, Mandelson zum US-Botschafter zu ernennen, wirft ernsthafte Fragen über sein politisches Urteilsvermögen auf. Mandelson hat mittlerweile seine Labour-Parteimitgliedschaft niedergelegt.
Ein historischer Präzedenzfall?
Die Entfernung eines Peers aus dem House of Lords wäre ein beispielloser Vorgang in der modernen britischen Geschichte. Der letzte vergleichbare Fall ereignete sich während des Ersten Weltkriegs, als einige Peers, die mit Britanniens Feinden sympathisierten, ihre Titel verloren. Für eine solche Maßnahme wäre ein neues Gesetz erforderlich.
Dieser Skandal offenbart einmal mehr die tiefen Verflechtungen zwischen politischen Eliten und fragwürdigen Finanzkreisen. Während normale Bürger für weitaus geringere Vergehen strafrechtlich verfolgt werden, scheinen sich die Mächtigen in einem Netz aus Privilegien und gegenseitigen Gefälligkeiten zu bewegen, das sie lange Zeit vor jeder Konsequenz schützte. Die Frage bleibt: Wird diesmal tatsächlich Gerechtigkeit geschehen, oder versickert auch dieser Skandal im Sumpf des politischen Establishments?












