
Brüssels nächster Vorstoß im Kaukasus: Von der Leyen umgarnt Armenien – während Moskau die Zähne fletscht

Es ist ein Schauspiel, das man inzwischen auswendig kennt: Kaum hat sich in einem ehemaligen Sowjetstaat eine pro-westliche Stimmung breitgemacht, eilt die Brüsseler Spitze herbei, um die Saat des EU-Beitritts zu gießen. Diesmal trifft es Armenien, jenes kleine christliche Land im Kaukasus, das zwischen den Mühlsteinen geopolitischer Großmacht-Ambitionen zerrieben zu werden droht. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant nach Berichten von Politico bereits in der kommenden Woche eine Reise nach Eriwan – es wäre ihr zweiter Besuch binnen weniger als zwei Monaten.
Ein Wahlsieg als Einladung an Brüssel
Anlass des Brüsseler Eifers ist der Wahlerfolg von Ministerpräsident Nikol Paschinjan, dessen Partei Anfang dieses Monats die Parlamentswahlen für sich entschied. Paschinjan selbst sprach von einem „historischen Sieg“, der Armeniens „Ewigkeit und Entwicklung“ sichern werde – große Worte, wie man sie aus dem Mund eines Politikers erwartet, der gerade ein Mandat gewonnen hat. Zugleich versprach er, den Kurs der Annäherung an den Westen fortzusetzen, ohne dabei die Beziehungen zu Russland gänzlich abzubrechen. Ein Spagat, der in der harten Realität der Kaukasus-Politik selten lange gutgeht.
Die EU-Delegation soll hochkarätig ausfallen. Mit von der Partie ist nach den Berichten auch Erweiterungskommissarin Marta Kos – ein deutliches Zeichen, dass Brüssel hier nicht nur freundliche Visitenkarten austauschen, sondern Pflöcke einschlagen möchte. Ein anonymer EU-Beamter ließ sich mit den salbungsvollen Worten zitieren, der Besuch solle Armenien signalisieren: „Europa ist für euch da.“
„Wir haben gesehen, wie das Land unter intensivem und beständigem Druck Russlands steht; ein Besuch würde ein starkes Signal der Unterstützung senden“, soll ein an der Reise beteiligter EU-Funktionär erklärt haben.
Das altbekannte Drehbuch
Wer die letzten Jahre verfolgt hat, dem kommt dieses Muster verdächtig vertraut vor. Ob in Georgien, in der Ukraine oder in Moldau – stets wiederholt sich das gleiche Ringen zwischen Brüssel und Moskau um Einfluss in den ehemaligen Sowjetrepubliken. Armenien droht nun zum nächsten Schauplatz dieses Tauziehens zu werden. Und der Kreml hat die Botschaft durchaus vernommen.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, schoss prompt zurück. Die Parlamentswahlen seien, so behauptete sie, in einer „Atmosphäre beispiellosen Drucks auf die Opposition und westlicher Einmischung, in erster Linie durch die EU“, abgehalten worden. Man mag von russischer Propaganda halten, was man will – doch die Frage, wie viel echte Souveränität ein Kleinstaat behält, wenn ihn die Brüsseler Bürokratie umarmt, ist durchaus berechtigt. Brüssel verkauft Annäherung gerne als Geschenk; allzu oft entpuppt sie sich als goldener Käfig.
Russland als enttäuschter Schutzpatron
Die Wurzeln der armenischen Westorientierung liegen tiefer, als es die schöne Brüsseler Erzählung vermuten lässt. Über Jahre hinweg war Armenien fester Bestandteil der von Russland geführten Sicherheitsallianz OVKS. Doch seit 2024 hat das Land seine Teilnahme eingefroren – aus tiefer Enttäuschung darüber, dass Moskau die ethnischen Armenier während der aserbaidschanischen Übernahme Bergkarabachs im Jahr 2023 im Stich ließ. Das christliche Armenien fühlte sich von seinem einstigen Schutzpatron verraten, während das besser ausgerüstete, muslimisch geprägte Aserbaidschan vollendete Tatsachen schuf.
Aus diesem Vertrauensbruch erwächst nun die pro-westliche Hinwendung. Doch ob die Hände, die sich aus Brüssel ausstrecken, verlässlicher sind als jene aus Moskau, bleibt abzuwarten. Die EU hat in ihrer Geschichte selten bewiesen, dass sie in einer echten Krise militärisch oder strategisch standhaft an der Seite ihrer Partner steht. Versprechungen und Gipfeltreffen gibt es im Überfluss – belastbare Garantien sind eine andere Sache.
Ein gefährliches Spiel mit ungewissem Ausgang
Für die armenische Bevölkerung steht viel auf dem Spiel. Eingeklemmt zwischen einem erzürnten Russland, einem siegreichen Aserbaidschan und einer EU, die vor allem ihre eigenen geopolitischen Ambitionen verfolgt, balanciert das kleine Land auf einem schmalen Grat. Von der Leyens zweiter Besuch innerhalb so kurzer Zeit zeigt, wie sehr Brüssel den Moment nutzen will – doch wer die Geschichte des Kaukasus kennt, weiß, dass dort schon viele westliche Versprechen im Sande verlaufen sind.
In unsicheren Zeiten wie diesen, in denen geopolitische Bruchlinien quer durch Europa und seine Nachbarschaft verlaufen, zeigt sich einmal mehr der Wert beständiger Werte. Während Bündnisse zerbrechen, Allianzen wackeln und politische Versprechen ihre Halbwertszeit oft nicht überleben, behalten physische Edelmetalle wie Gold und Silber ihre Funktion als zeitloser Anker der Vermögenssicherung. Sie kennen keine diplomatischen Stimmungsschwankungen und keine zerbrechenden Koalitionen – ein Gedanke, der gerade in geopolitisch turbulenten Zeiten als sinnvolle Beimischung eines breit gestreuten Vermögens an Bedeutung gewinnt.
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