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Chemie-Poker um Evonik: SPD will Steuergeld statt BASF-Deal!

Chemie-Poker um Evonik: SPD will Steuergeld statt BASF-Deal!
Symbolbild: KI-generiert

Der Chemieriese BASF will den Essener Spezialchemiekonzern Evonik schlucken, für rund 10,3 Milliarden Euro. In Nordrhein-Westfalen stemmt sich die SPD dagegen und fordert, dass das Land selbst bei Evonik einsteigt. Bezahlen sollen das am Ende die Steuerzahler.

800 Millionen Euro für die Kontrollmehrheit

Der Plan der SPD-Landtagsfraktion sieht so aus: Das Land soll zusammen mit der RAG-Stiftung, die bereits rund 43 Prozent an Evonik hält, eine Mehrheit von über 50 Prozent sichern. Nach Schätzung der Fraktion würde der Anteilskauf etwa 800 Millionen Euro kosten. Finanziert werden soll er über die landeseigene NRW.Bank.

Auf knapp 18 Millionen Einwohner umgerechnet sind das gut 44 Euro pro Kopf. Das Geld steckt dann in einer Aktie, deren Kurs kein Bürger beeinflussen kann. Ob das ein gutes Geschäft ist, darf man bezweifeln.

SPD-Fraktionschef Jochen Ott verteidigt den Vorstoß mit großen Worten:

„Hier geht es um eine Lebensader des Ruhrgebiets“

In NRW arbeiten mehr als 11.000 Menschen für Evonik. Die Sozialdemokraten befürchten, dass nach einer Fusion Stellen gestrichen und wichtige Bereiche verlagert würden.

Der wichtigste Partner zieht nicht mit

Die RAG-Stiftung finanziert die Folgekosten des Steinkohlebergbaus, etwa das Abpumpen des Grubenwassers. Allein im vergangenen Jahr waren das Medienberichten zufolge gut 300 Millionen Euro. Evonik selbst entstand 2007 aus dem Kohlekonzern RAG.

Ausgerechnet die Stiftung zeigt wenig Lust auf die Pläne der SPD. Laut Berichten wollte ihr Chef Bernd Tönjes den Evonik-Anteil zuletzt eher auf 25,1 Prozent senken. An eine Erholung der europäischen Chemie glaube er kaum noch. Nach einer Sondersitzung des Kuratoriums hielt sich die Stiftung bedeckt. Zuerst sollten die Vorstände der beiden Konzerne miteinander verhandeln.

Auch die schwarz-grüne Landesregierung bleibt vorsichtig. Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte, die eigenständige Entwicklung von Evonik dürfe nicht gefährdet werden. Eine klare Linie ist das nicht.

Wer zahlt, wenn es schiefgeht?

Man stelle sich vor, die Chemiekrise geht weiter und der Evonik-Kurs fällt. Dann verliert das Land entweder Stück für Stück Geld, oder es muss nachschießen. Bei einer Kapitalerhöhung wäre NRW praktisch gezwungen, weiteres Geld nachzuschießen.

Wie so etwas ausgehen kann, zeigt die Commerzbank. Der Bund stützte sie in der Finanzkrise mit 18,2 Milliarden Euro. Bis Ende 2024 flossen nur 13,1 Milliarden Euro an Kapital direkt zurück. Der Bund der Steuerzahler NRW warnt deshalb, ein Einstieg würde die Bürger mit „unkalkulierbaren Risiken“ belasten. Sichere Arbeitsplätze garantiere er trotzdem nicht.

Das wahre Problem heißt Standort Deutschland

Kritiker halten der SPD vor, das eigentliche Problem zu übersehen. Arbeitsplätze hängen an guten Bedingungen für Unternehmen, nicht an Beteiligungen des Staates. Teure Energie, Bürokratie und hohe Abgaben belasten Evonik, egal wem der Konzern gehört. Schon heute sollen bis Jahresende 2.800 Stellen in Deutschland wegfallen.

Laut dem Chemieverband VCI kostet Erdgas hierzulande vier- bis fünfmal so viel wie in den USA. Für die Branche ist Gas Energie und Rohstoff zugleich. Im zweiten Quartal 2026 waren die Anlagen nur zu 71,7 Prozent ausgelastet, so wenig wie seit 1991 nicht mehr. 2025 sank die Produktion um 3,3 Prozent.

Die Chance auf einen Chemie-Champion

Dabei könnte die Fusion sogar helfen. BASF setzte 2025 rund 60 Milliarden Euro um, Evonik 14,1 Milliarden. BASF ist stark in der Grundchemie, Evonik in der lukrativeren Spezialchemie. Gemeinsam könnten sie ihre Anlagen besser auslasten. Im aktuellen ICIS-Ranking liegt BASF mit 70 Milliarden Dollar nur noch knapp vor dem chinesischen Staatskonzern Sinopec mit 66,3 Milliarden Dollar.

BASF bot 22,15 Euro je Aktie, doch der Evonik-Vorstand lehnte ab. Jetzt erwägt BASF Berichten zufolge ein höheres Angebot. Investoren sollen mit einem Preis um 25 Euro rechnen. Die Bürger sollten genau hinschauen, bevor die Politik mit ihrem Geld an der Börse spielt. Wer sein Vermögen unabhängig von solchen Entscheidungen schützen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Depot in Betracht ziehen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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