
Chinesischer Journalist seit über 100 Tagen in Haft – weil er die Wahrheit dokumentierte
Es ist eine Geschichte, die das wahre Gesicht totalitärer Regime entlarvt und gleichzeitig als Mahnung für den gesamten Westen dienen sollte: Der unabhängige chinesische Journalist und Fotograf Du Bin sitzt seit Oktober vergangenen Jahres im Pekinger Shunyi-Gefängnis. Sein Vergehen? Er hat dokumentiert, was die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) um jeden Preis verbergen will.
Ein Leben im Dienst der Wahrheit
Du Bin, 54 Jahre alt, wurde im November formal verhaftet. Sein Fall sei inzwischen an die Staatsanwaltschaft zur Prüfung und Anklageerhebung übergeben worden, berichten Personen, die mit dem Vorgang vertraut seien und aus Angst vor Vergeltung anonym bleiben wollten. Der Vorwurf, der gegen ihn erhoben wird, klingt wie aus einem Orwell-Roman: „Streit suchen und Ärger provozieren" – eine bewusst vage formulierte Anklage, die das Regime routinemäßig gegen Dissidenten und Menschenrechtsverteidiger einsetzt.
Besonders brisant: Nachdem die Behörden offenbar nicht genügend Beweise für die ursprüngliche Anklage finden konnten, werde nun ein neuer Vorwurf konstruiert, der angeblich „Staatsführer involviere". Details zu seinem Fall würden unter Berufung auf „Staatsgeheimnisse" selbst seinem Anwalt vorenthalten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – ein Staat, der seinen eigenen Bürgern nicht einmal mitteilt, wofür er sie einsperrt.
Die Gräuel von Masanjia
Du Bins journalistische Arbeit konzentrierte sich auf genau jene dunklen Kapitel, die Peking aus dem kollektiven Gedächtnis tilgen möchte. Bereits 2013 wurde er für 37 Tage inhaftiert – vermutlich wegen eines Dokumentarfilms über die Misshandlungen von Frauen im berüchtigten Arbeitslager Masanjia in der nordchinesischen Stadt Shenyang. In zwei 2014 in Hongkong veröffentlichten Büchern schilderte er die Berichte ehemaliger Insassen über systematische Folter durch Lagerwächter. Die Grausamkeiten, die er dokumentierte, sind kaum in Worte zu fassen: Elektroschocks an den Genitalien weiblicher Falun-Gong-Praktizierender, das Einsperren entkleideter Frauen in Männerzellen.
Falun Gong – eine spirituelle Praxis, die auf Meditation und moralischen Grundsätzen wie Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Nachsicht basiert – wird seit 1999 brutal verfolgt, nachdem die KPCh die wachsende Popularität der Bewegung mit geschätzten 70 bis 100 Millionen Praktizierenden als Bedrohung ihrer Macht einstufte. Was seither geschieht, ist nichts weniger als ein systematischer Vernichtungsfeldzug.
Auf die Frage, warum er ausgerechnet über dieses heikelste aller Themen in China schreibe, antwortete Du Bin 2014 mit entwaffnender Schlichtheit: „Wir sind alle Menschen. Solche unmenschlichen Methoden gegen andere einzusetzen, ist etwas, das ich niemals akzeptieren kann."
Peking – weltweiter Spitzenreiter bei der Inhaftierung von Journalisten
Du Bins Schicksal ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer sich verschärfenden Repression. Zum dritten Mal in Folge führt China die weltweite Rangliste der inhaftierten Journalisten an – ein trauriger Rekord, den das Komitee zum Schutz von Journalisten in seinem jüngsten Jahresbericht bestätigte. Im Februar 2025 verurteilte ein Hongkonger Gericht den Medienunternehmer Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft – unter Anwendung des von Peking aufgezwungenen „Nationalen Sicherheitsgesetzes". Sechs ehemalige Mitarbeiter seiner mittlerweile geschlossenen Zeitung Apple Daily erhielten ebenfalls drakonische Strafen.
In der Provinz Sichuan wurden kürzlich zwei investigative Journalisten festgenommen, die über Korruption lokaler Parteifunktionäre berichtet hatten. Das Muster ist immer dasselbe: Wer die Wahrheit ausspricht, wird zum Staatsfeind erklärt.
Wenn Pressefreiheit zur Farce wird
Du Bin dokumentierte auch das Tiananmen-Massaker vom 3. und 4. Juni 1989, als die KPCh Truppen und Panzer gegen unbewaffnete Studenten einsetzte, die politische Reformen forderten. Dieses Ereignis gehört bis heute zu den am stärksten zensierten Themen in China. Sein Buch „Red Terror: Lenin's Communist Experiment" sollte im Dezember 2020 in Taiwan erscheinen – wenige Tage vor der Veröffentlichung wurde er erneut verhaftet. Wieder lautete der Vorwurf: „Streit suchen und Ärger provozieren."
Human Rights Watch bezeichnete die Anklage gegen Du als Ausdruck der „wachsenden Intoleranz gegenüber Andersdenkenden" unter Xi Jinping. Reporter ohne Grenzen forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf Peking zu erhöhen, um Dus Freilassung zu erwirken.
Eine Mahnung auch für den Westen
Was in China geschieht, sollte auch hierzulande aufhorchen lassen. Denn die schleichende Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit ist kein exklusiv chinesisches Phänomen. Wenn westliche Regierungen – auch die deutsche – zunehmend auf Regulierung von Meinungsäußerungen im Internet setzen, wenn „Hatespeech"-Gesetze immer weiter gefasst werden und wenn kritische Stimmen als „Desinformation" abgestempelt werden, dann bewegen wir uns auf einem Pfad, dessen Ende wir in Peking besichtigen können. Natürlich sind die Dimensionen nicht vergleichbar. Noch nicht. Aber die Richtung stimmt bedenklich.
Du Bin selbst zeigte sich nach seiner zweiten Freilassung im Januar 2021 bemerkenswert gefasst: „Ich bin weder pessimistisch noch habe ich Angst, denn meine Arbeit basiert auf tatsächlichen Ereignissen – alles, was ich getan habe, ist, sie zu dokumentieren." Worte eines Mannes, der mehr Mut beweist als die meisten westlichen Politiker, die sich bei Staatsbesuchen in Peking lieber über Handelsabkommen als über Menschenrechte unterhalten.
Die Frage, die sich stellt, ist unbequem, aber notwendig: Wie lange will die sogenannte freie Welt noch zusehen, wie ein Regime, das den größten Journalistenkerker der Welt betreibt, gleichzeitig als geschätzter Handelspartner hofiert wird? Die Antwort darauf sagt mehr über den Zustand unserer eigenen Demokratien aus, als uns lieb sein dürfte.
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