
Comeback in Berlin: Nord-CDU schickt Merkel in die Bundesversammlung!

Angela Merkel kehrt auf die große politische Bühne zurück, wenn auch nur für einen Tag. Wie die „Welt“ berichtet, hat die CDU Schleswig-Holstein die Altkanzlerin auf Platz eins ihrer zwölfköpfigen Liste für die Bundesversammlung gesetzt. Dort wird am 30. Januar 2027 der nächste Bundespräsident gewählt.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Personalie selbst als der Weg dorthin. Er erzählt viel über den Zustand der Union im Osten der Republik.
Gastrecht beim Nachbarn
Eigentlich wäre Merkels Heimatlandesverband Mecklenburg-Vorpommern zuständig gewesen. Über dessen Ticket saß sie schon 2022 in der Bundesversammlung, damals ebenfalls bereits als Kanzlerin außer Dienst. Diesmal geht das nicht mehr. Die CDU ist im Schweriner Landtag schlicht nicht mehr vertreten.
Die CDU-Fraktion in Kiel stellt das in einer Pressemitteilung als nachbarschaftliche Geste dar:
„Nach dem Ausscheiden der CDU-Fraktion aus dem Schweriner Landtag haben wir als Nachbarn die Benennung von Frau Merkel daher gerne und aus voller Überzeugung übernommen.“
Die formale Wahl der Delegierten gilt als Formsache. In der Versammlung verfügt Merkel dann über eine von 1260 Stimmen.
Historisches Debakel im Nordosten
Hinter der freundlichen Formulierung steckt ein politisches Erdbeben. Bei der Landtagswahl am 20. September 2026 kam die CDU laut amtlichem Endergebnis auf gerade einmal 4,9 Prozent. Das ist ein Minus von 8,4 Punkten. Medienberichten zufolge verpasste die Partei damit erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in einen Landtag.
Stärkste Kraft wurde die AfD mit 38,2 Prozent vor der SPD mit 35,5 Prozent. Laut Wählerwanderungsanalysen verlor die Union rund 32.000 Stimmen an die AfD. Ausgerechnet das Bundesland, in dem Merkel jahrzehntelang ihren Wahlkreis hatte, hat der CDU also den Rücken gekehrt.
Ist es da Zufall oder schon Symbolik, dass die Partei gerade jetzt die Frau ins Schaufenster stellt, deren Kurs viele frühere Stammwähler bis heute für den Beginn der Entfremdung halten? Für Kritiker wirkt die Nominierung jedenfalls wie ein Signal, dass zumindest Teile der Union die eigene Ära Merkel noch immer nicht kritisch aufgearbeitet haben.
Promi, Ministerin, Ministerpräsident
Die übrige Kieler Liste liest sich wie eine Mischung aus Glanz und Parteiapparat:
- Platz 1: Altkanzlerin Angela Merkel
- Platz 2: Ex-Handballnationalspieler Patrick Wiencek
- Platz 3: Bundesbildungsministerin Karin Prien
- Platz 4: Ministerpräsident Daniel Günther
Die restlichen Plätze gehen an Christdemokraten aus dem Land. Besonders wichtig war der Fraktion offenbar ein Detail: Der Vorschlag sei „auch dieses Mal wieder paritätisch besetzt“. Die Geschlechterquote ist also eingehalten. Ob das die enttäuschten Wähler im Nachbarland zurückholt, darf man bezweifeln.
Noch kein Kandidat in Sicht
Das eigentliche Drama spielt ohnehin woanders. Frank-Walter Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten, und einen gemeinsamen Nachfolgekandidaten der Koalition gibt es drei Monate vor der Wahl noch immer nicht. Die CSU wirbt mit Nachdruck für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die auch über Parteigrenzen hinweg Zuspruch erhalten habe.
Die CDU und insbesondere Bundeskanzler Friedrich Merz wollen der Schwesterpartei dem Bericht zufolge aber nicht einfach nachgeben. Große Teile der CDU sperren sich daher, ohne selbst einen Namen zu nennen. So sieht Führung derzeit aus: Man weiß, wen man nicht will, aber nicht, wen man stattdessen will.
Für die Bürger bleibt ein schaler Eindruck. Während die Union im Osten ihre Basis verliert und sich in Berlin über das höchste Staatsamt streitet, feiert sie in Kiel die Rückkehr einer Altkanzlerin. Merkel wird im Januar im Plenarsaal sitzen. Wen sie dort wählen wird, weiß bislang niemand, wohl nicht einmal ihre eigene Partei.
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