
Datenhunger aus Peking: China baut, Europa verwaltet den Stillstand!

Fast 90 Rechenzentren in einer einzigen Stadt, ein ganzer Industriepark in nur zwei Jahren: Im nordchinesischen Ulanqab, am Rand der Wüste Gobi, entsteht gerade einer der größten Daten-Hubs der Welt. Während in den USA und Europa über jeden neuen Serverstandort gestritten wird, macht Peking Tempo. Dem Westen droht im KI-Wettlauf der Anschluss verloren zu gehen.
Eine Wüstenstadt wird zur Server-Metropole
Ulanqab in der Inneren Mongolei hat weniger als zwei Millionen Einwohner und liegt rund 350 Kilometer nordwestlich von Peking. Medienberichten zufolge wuchs dort der Bayin-Big-Data-Industriepark innerhalb von gerade einmal zwei Jahren aus dem Boden. Auf den Gebäuden prangen große Namen der chinesischen Tech-Branche, etwa Huawei, die Videoplattform Kuaishou und der Dienstleister VNET.
Hinter dem Boom steht ein Masterplan. Seit 2022 verfolgt Peking die Strategie „Eastern data, Western compute“. Acht nationale Rechen-Hubs und zehn Cluster sollen die stromhungrige Rechenarbeit in den dünn besiedelten, land- und energiereichen Westen verlagern. Die Datenverarbeitung bleibt dagegen im dicht bevölkerten Osten.
Zwei Gigawatt auf 20 Fußballfeldern
Ein Vorzeigeprojekt ist der Galaxy Campus des Energiekonzerns Envision. Auf einer Fläche von mehr als 20 Fußballfeldern sollen dort schrittweise bis zu 2 Gigawatt Leistung entstehen. Die erste Bauphase sei bereits komplett ausgebucht. Bis zu 80 Prozent des Stroms fließen direkt aus Windparks, das öffentliche Netz wird dabei teilweise umgangen. Ein „Zero-Water“-Kühlsystem auf Basis von Industriealkohol soll zusammen mit dem kühlen Klima den Wasserverbrauch drastisch senken.
Der Energiehunger ist gewaltig, aber China hat vorgesorgt. Zwischen 2022 und 2025 baute das Land so viel zusätzliche Kraftwerkskapazität auf, wie die USA Ende 2025 insgesamt besaßen. Allein im ersten Halbjahr 2026 sei so viel überschüssiger Wind- und Solarstrom verpufft, dass er Mexiko ein Jahr lang hätte versorgen können. Dieser Überschuss soll künftig in die Serverhallen wandern.
Milliarden, aber noch kein Sieg
Peking will in den kommenden fünf Jahren 560 Milliarden Dollar in Informationsinfrastruktur stecken. Chinesische Konzerne verdoppeln ihre Investitionen in diesem Jahr auf rund 139 Milliarden Dollar. Das ist allerdings nur ein Fünftel dessen, was US-Konzerne ausgeben. Laut einer Stanford-Untersuchung verfügten die USA im vergangenen Jahr über etwa zehnmal so viele KI-Rechenzentren. Der Engpass bleibt der Zugang zu Hochleistungschips.
Ganz ohne Risiko ist der Boom also nicht. Wie der US-Sender CNN berichtet, könnten manche Projekte als „Geister-Rechenzentren“ enden, weil Hardware oder Kunden fehlen. Einige Standorte im Westen liegen zudem zu weit entfernt für Anwendungen im Osten, bei denen es auf Millisekunden ankommt. Peking setzt trotzdem voll auf KI, denn schon heute nutzen mehr als 700 Millionen Chinesen entsprechende Anwendungen.
Europa: Netze am Limit, Genehmigungen auf Eis
Und Europa? Dort sieht die Lage düster aus. In Großbritannien sind neue Netzanschlüsse teilweise ausgesetzt, in Deutschland und den Niederlanden werden sie rationiert, in Irland nur unter Auflagen vergeben oder ganz gestoppt. Zwischen Januar und April 2026 wurden über 70 Projekte abgelehnt oder beschnitten, mehr als im gesamten Jahr 2025. Investitionen von rund 42 Milliarden Dollar sollen sich verzögert haben oder ganz geplatzt sein.
Schottland legte Genehmigungen für Hyperscale-Zentren auf Eis, Dänemark schob sie ans Ende der Warteschlange. Spanien verlangt 80 Prozent Ökostrom. Dazu kommen die Strompreise, die Europa für Investoren zunehmend unattraktiv machen. Deutschland mit seinen Spitzentarifen trifft das besonders hart.
Die Folge: Europas Anteil an der weltweiten Rechenzentrumskapazität dürfte von heute rund 13 Prozent bis 2030 auf etwa 10 Prozent schrumpfen. Brüssel träumt trotzdem von einer Verdreifachung binnen fünf bis sieben Jahren. Realistisch ist das kaum. Solange Netze verwaltet statt ausgebaut werden und Energie Luxus bleibt, dürfte die digitale Zukunft woanders entstehen. Für den Industriestandort Deutschland ist das ein Alarmsignal, das man in Berlin endlich hören sollte.
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