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Kettner Edelmetalle
04.01.2026
19:17 Uhr

Deutsche Bahn im freien Fall: Nur noch 60 Prozent der Züge kommen pünktlich

Was einst als Rückgrat der deutschen Mobilität galt, verkommt zusehends zum Sinnbild des nationalen Niedergangs. Die Deutsche Bahn hat für das Jahr 2025 einen neuen historischen Tiefstand bei der Pünktlichkeit verkündet – und die Zahlen sind so erschreckend wie bezeichnend für den Zustand dieses Landes.

Ein Absturz mit Ansage

Gerade einmal 60,1 Prozent der Fernverkehrszüge erreichten im vergangenen Jahr ihr Ziel mit weniger als fünf Minuten Verspätung. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: Vier von zehn Zügen schaffen es nicht einmal, diese großzügig bemessene Toleranzgrenze einzuhalten. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 62,5 Prozent, vor einem Jahrzehnt bei immerhin 74,4 Prozent. Der Trend zeigt unerbittlich nach unten, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Besonders pikant erscheint dabei die Definition von „Pünktlichkeit", die das Unternehmen zugrunde legt. Ein Zug gilt erst dann als verspätet, wenn er mehr als fünf Minuten nach Plan eintrifft. In Japan oder der Schweiz würde man über solche Maßstäbe nur müde lächeln – dort gelten Züge bereits bei einer Minute Verzögerung als unpünktlich. Würde man deutsche Standards an internationale Maßstäbe anlegen, sähe die Bilanz noch weitaus verheerender aus.

Marode Infrastruktur als Dauerzustand

Die Gründe für das Desaster sind seit Jahren bekannt: Eine völlig heruntergewirtschaftete Infrastruktur, überlastete Knotenpunkte und ein Investitionsstau, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Während andere Länder ihre Schienennetze modernisierten und ausbauten, wurde in Deutschland gespart, verschoben und vertagt. Die Quittung dafür erhalten nun täglich Millionen von Pendlern und Reisenden.

Ein Bahnsprecher erklärte gegenüber der Presse, dass „über Nacht keine Wunder zu erwarten" seien. Eine bemerkenswert ehrliche Einschätzung, die allerdings die Frage aufwirft, warum man jahrelang genau solche Wunder versprochen hat. Die Deutsche Bahn starte nun „in eine neue Phase: leistungsstärker, verlässlicher und entschlossen, die Qualität für die Fahrgäste dauerhaft und spürbar zu verbessern." Wer solche Phrasen noch ernst nimmt, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

Neue Chefin, alte Probleme

Im Oktober 2025 übernahm Evelyn Palla den Chefposten bei der Bahn. Ihre Aufgabe gleicht der Quadratur des Kreises: Bis 2029 sollen mindestens 70 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich fahren. Ein Ziel, das angesichts der aktuellen Entwicklung geradezu utopisch anmutet. Die neue Bahnchefin selbst räumt ein, dass zunächst der „fallende Trend stabilisiert" werden müsse, um eine „Talsohle zu erreichen". Von dort aus solle es dann aufwärts gehen.

Doch was bietet Palla den geplagten Fahrgästen als Sofortmaßnahme an? Bessere Toilettenverfügbarkeit, sauberere WCs, zuverlässigere Bahnbistros und mehr Sicherheit in den Bahnhöfen. Man reibt sich verwundert die Augen: Statt grundlegender Verbesserungen beim Kerngeschäft – dem pünktlichen Transport von Menschen – sollen funktionierende Toiletten und verfügbare Brötchen die Gemüter beruhigen. Es ist, als würde man einem Patienten mit gebrochenem Bein ein Pflaster auf die Stirn kleben.

Milliarden ohne Wirkung?

Für das Jahr 2026 stehen der Bahn Rekordinvestitionen von 23 Milliarden Euro zur Verfügung. Eine gewaltige Summe, die jedoch Fragen aufwirft: Wo sind die Milliarden der vergangenen Jahre versickert? Warum hat sich trotz stetig steigender Investitionen die Situation kontinuierlich verschlechtert? Es drängt sich der Verdacht auf, dass das Problem nicht allein im Geldmangel liegt, sondern in strukturellen Defiziten, die mit noch so großen Summen nicht zu beheben sind.

„Jetzt ist es aber Zeit für einen Neuanfang", verkündet die neue Bahnchefin optimistisch. Doch wie viele Neuanfänge hat dieses Unternehmen bereits ausgerufen? Wie viele Reformprogramme wurden gestartet, wie viele Strategiewechsel vollzogen – ohne dass sich die Lage für die Kunden spürbar verbessert hätte?

Ein Spiegelbild des Landes

Die Deutsche Bahn ist längst mehr als nur ein Verkehrsunternehmen. Sie ist zum Symbol geworden für den schleichenden Verfall deutscher Infrastruktur, für Bürokratie, Ineffizienz und politisches Versagen. Während man sich in Berlin mit ideologischen Debatten beschäftigt und Milliarden in fragwürdige Projekte pumpt, verfällt das Fundament, auf dem dieses Land einst seinen Wohlstand aufgebaut hat.

Die Bürger haben längst mit den Füßen abgestimmt. Wer es sich leisten kann, weicht auf das Auto aus oder nimmt gleich das Flugzeug. Die viel beschworene Verkehrswende, die Deutschland zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz machen sollte, scheitert an der simplen Tatsache, dass die Alternative zum Individualverkehr schlicht nicht funktioniert. Wie soll man Menschen davon überzeugen, auf die Bahn umzusteigen, wenn jede zweite Fahrt zum Glücksspiel wird?

Es bleibt die bittere Erkenntnis: Deutschland, einst weltweit bewundert für seine Ingenieurskunst und Präzision, schafft es nicht mehr, Züge pünktlich fahren zu lassen. Ein Armutszeugnis für eine Nation, die sich noch immer als führende Industriemacht versteht – und dabei zusehen muss, wie selbst grundlegende Infrastruktur zerfällt.

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