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Diesel-Notstand: Kann ausgerechnet Indien Europa 2027 retten?

Diesel-Notstand: Kann ausgerechnet Indien Europa 2027 retten?
Symbolbild: KI-generiert

Der Welt geht der Diesel aus, und die Hoffnung kommt aus Neu-Delhi. Indiens Ölminister Hardeep Singh Puri kündigte am Dienstag am Rande einer Branchenkonferenz in Goa an, die staatlichen Raffinerien würden ihre jährliche Diesel-Kapazität um mindestens 15 Millionen Tonnen ausbauen. Schon 2027 könnte das den ausgetrockneten Märkten von den USA bis nach Europa spürbar Luft verschaffen.

Zwei Kriege, zu wenige Raffinerien

Wie angespannt die Lage ist, zeigt ein Vorgang, den vor Kurzem kaum jemand für möglich gehalten hätte. Die Vereinigten Staaten beziehen wieder Diesel aus Russland, und das Medienberichten zufolge zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren. US-Präsident Donald Trump hatte den Deal mit Wladimir Putin selbst verkündet, nach eigenen Angaben ging es um mehr als 300.000 Tonnen. Kiew reagierte empört. Berlin dagegen hält an den Sanktionen fest.

Die Ursache liegt auf der Hand. Der Ukraine-Krieg und der Krieg rund um den Iran haben Raffinerien lahmgelegt, also genau die Anlagen, die Rohöl zu Benzin, Kerosin und Diesel verarbeiten. Diesel ist das Arbeitspferd der Wirtschaft: Ohne ihn stehen Traktoren, Fabriken und Lkw-Flotten still.

Europas hausgemachte Abhängigkeit

Für Europa ist die Krise zu einem guten Teil selbst verschuldet. Im Zuge der Energiewende wurden Raffineriekapazitäten über Jahre politisch gewollt abgebaut. Was als Klimaschutz verkauft wurde, rächt sich jetzt. Der Kontinent hängt umso stärker am Tropf von Importen aus Übersee.

Sollten die beiden Kriege irgendwann enden, könnten die Raffinerien in den betroffenen Regionen ihre Produktion wieder hochfahren. Aber wann wird das sein? Und wie lange dauert es dann noch? Darauf kann niemand seriös eine Antwort geben. Verlässlicher erscheint der Blick nach Asien, vor allem nach Indien.

Indiens Raffinerie-Offensive in Zahlen

Puri gab sich selbstbewusst:

„Wir werden in der glücklichen Lage sein, nicht nur für uns selbst, sondern für die ganze Welt zu raffinieren.“

Laut Daten des Analysehauses Kpler hat Indien in diesem Jahr Russland überholt und ist zum zweitgrößten Diesel-Exporteur der Welt aufgestiegen. Die Konzernchefs der Branche nannten folgende Ausbaupläne:

  • Indian Oil Corp: Ab dem kommenden Jahr bis zu 9 Millionen Tonnen mehr Diesel pro Jahr. Dazu wird die Rohölverarbeitung in drei Raffinerien um über 17 Millionen Tonnen erweitert.
  • Hindustan Petroleum Corp: Rund 4 Millionen Tonnen zusätzlich, sobald die neue Raffinerie in Rajasthan (9 Millionen Tonnen Jahreskapazität) voll läuft.
  • Numaligarh Refinery: Die Tochter der Oil India Ltd. steigert ihre Produktion auf etwa 3 Millionen Tonnen.
  • Bharat Petroleum Corp: Ab 2028 rund 1,5 Millionen Tonnen zusätzlich.

Schon heute produziert das Land weit mehr, als es selbst verbraucht. In der ersten Hälfte des im April gestarteten Geschäftsjahres verließen nach Angaben des Ölministeriums 59 Millionen Tonnen Diesel die indischen Raffinerien, im Inland wurden aber nur etwa 46 Millionen Tonnen verbraucht. Die gesamte Raffineriekapazität soll von rund 267 auf 300 Millionen Tonnen pro Jahr steigen und in einigen Jahren sogar 400 Millionen Tonnen erreichen.

Der Westen als Bittsteller

Entwarnung gibt es trotzdem nicht. Die US-Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass das Angebot bis 2027 knapp bleibt. Der Ölanalyst Mukesh Sahdev von XAnalysts bringt die Verschiebung der Kräfte auf den Punkt: Indiens Raffineriekapazität werde zu seinem strategischen Vorteil.

Was das für Deutschland heißt, ist unbequem. Ein Industrieland, das früher selbst raffiniert hat, wartet jetzt auf Tanker aus Asien. Jeder Engpass landet am Ende an der Zapfsäule, auf der Speditionsrechnung und im Supermarktregal. Teure Energie heizt die Inflation an und frisst Ersparnisse auf. Viele Bürger setzen deshalb zusätzlich auf physisches Gold und Silber. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen haben sich die Metalle über Jahrhunderte als Schutz gegen Kaufkraftverlust bewährt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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