
Drama in der Javasee: Fähre kentert – rund 130 Menschen vermisst

Eine indonesische Passagierfähre mit 243 Menschen an Bord ist in der Nacht zum Sonntag in der Javasee in schweres Wetter geraten und gesunken. Nach Angaben der Rettungsbehörden werden rund 130 Passagiere und Besatzungsmitglieder vermisst. Mindestens sechs Todesopfer wurden geborgen, mehr als 100 Menschen konnten gerettet werden.
Das Schiff, die „Virgo Transport 8“, war am Samstag im Hafen von Surabaya auf Java ausgelaufen. Ziel war Banjarmasin, eine Hafenstadt in der Provinz Süd-Kalimantan auf Borneo. Gegen zwei Uhr Ortszeit riss der Kontakt ab.
Drei Meter hohe Wellen – dann der Notruf
Medienberichten zufolge hatte der Kapitän kurz vor dem Unglück schweren Seegang mit bis zu drei Meter hohen Wellen gemeldet. Anschließend habe er einen Notruf abgesetzt und mitgeteilt, das Schiff bekomme Schlagseite. Kurz darauf sei die Fähre den Behörden zufolge gekentert.
Der Leiter des örtlichen Such- und Rettungsbüros in Banjarmasin, I Putu Sudayana, schilderte vor Journalisten die dramatische Lage im Einsatzgebiet. Selbst große Rettungsschiffe seien dort erheblich gefährdet.
„Es ist extrem riskant für Schiffe.“
Im Einsatz sind laut den Behörden mehrere Schiffe – darunter ein Marineschiff – sowie ein Hubschrauber. Alle Schiffe in der Region wurden aufgefordert, nach Überlebenden Ausschau zu halten. Die letzte bekannte Position lag rund 150 Kilometer von Banjarmasin entfernt.
Verzweifelte Szenen im Hafen von Banjarmasin
Hunderte Angehörige versammelten sich Berichten zufolge am Sonntag im Einsatzzentrum am Trisakti-Hafen. Sie suchten in Passagierlisten und Rettungsprotokollen nach den Namen ihrer Familienmitglieder. Eine Frau brach zusammen, als sie den Namen eines Verwandten auf der Liste entdeckte.
Besonders bitter: Wie viele Menschen tatsächlich an Bord waren, ist unklar. Das Manifest weist 213 Passagiere und 30 Crewmitglieder aus – doch in Indonesien weichen die realen Passagierzahlen häufig von den offiziellen Listen ab. Genau diese Lücke macht jede Suchaktion zum Blindflug.
Ein Archipel, 17.000 Inseln – und ein strukturelles Sicherheitsproblem
Indonesien besteht aus mehr als 17.000 Inseln. Fähren sind dort kein Ausflugsvergnügen, sondern Lebensader: Millionen Menschen nutzen sie als bezahlbares Alltagsverkehrsmittel. Dass es dabei immer wieder zu schweren Unglücken kommt, ist kein Zufall – Beobachter und internationale Berichte führen die Häufung seit Jahren auf mangelhafte Kontrolle der Sicherheitsvorschriften zurück.
Die Bilanz der vergangenen Wochen liest sich wie eine Anklageschrift gegen laxe Aufsicht: Erst im vergangenen Monat wurden mehr als 200 Menschen von einer brennenden Fähre nahe Bali gerettet, ein Mensch starb. Nur knapp zwei Wochen zuvor war die „Mutiara Sentosa 2“ vor Java in Brand geraten – mindestens fünf Tote.
Und das Unglück in der Javasee ereignete sich nur vier Tage nach einer Brandkatastrophe auf einer Fähre auf den Philippinen, bei der nach offiziellen Angaben mindestens 76 Menschen ums Leben kamen.
Ursache offen – Ermittlungen laufen
Die Behörden haben die Unglücksursache bislang nicht bestimmt. Untersucht würden unter anderem das Wetter und mögliche technische Defekte, hieß es. Ob Überladung eine Rolle spielte, ist derzeit offen.
Für die Angehörigen zählt jetzt nur eines: jede Stunde, die verstreicht, verkleinert die Chance, Überlebende im offenen Meer zu finden. Die Suche wurde ausgeweitet – gegen hohe Wellen und gegen die Zeit.
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