
Epstein-Komplizin mit deutschem Presseausweis: Wie kam Maxwell an ein Verdi-Dokument?

Die neu veröffentlichten Ermittlungsakten des US-Justizministeriums im Fall Jeffrey Epstein fördern immer neue Verstrickungen zutage – und nun führt eine Spur direkt nach Deutschland. Ghislaine Maxwell, die zu zwanzig Jahren Haft verurteilte Komplizin des berüchtigten Sexualstraftäters, verfügte offenbar über einen internationalen Presseausweis, der von der Deutschen Journalisten-Union (DJU) innerhalb der Gewerkschaft Verdi ausgestellt wurde. Ein Dokument, das eigentlich nur hauptberuflichen Journalisten vorbehalten sein sollte.
Ein Presseausweis für eine verurteilte Menschenhändlerin
In den sogenannten Epstein-Files findet sich eine Kopie eines Presseausweises der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ), ausgestellt auf den Namen Marion Ghislaine Noèlle Maxwell. Als ausstellende Organisation ist unmissverständlich „dju in Verdi, Germany" vermerkt. Das Dokument war bis September 2017 gültig – also zu einer Zeit, als Maxwell längst im Zentrum eines der größten Missbrauchsskandale der jüngeren Geschichte stand.
Die brisante Frage, die sich nun aufdrängt: Wie gelangte eine Frau, deren journalistische Tätigkeit öffentlich nicht bekannt ist, an ein solches Dokument? Die DJU vergibt internationale Presseausweise ausschließlich an Mitglieder, die eine hauptberufliche journalistische Tätigkeit nachweisen können. Wurde hier geschlampt? Oder steckt mehr dahinter?
Verdi versteckt sich hinter dem Datenschutz
Die Reaktion der Gewerkschaft auf diese Enthüllung ist bezeichnend für den Umgang deutscher Institutionen mit unbequemen Wahrheiten. Ein zuständiger Bereichsleiter bei Verdi erklärte zwar, dass Anträge und Tätigkeitsnachweise „jeweils genau geprüft" würden, und er gehe davon aus, dass „entsprechende Unterlagen beigebracht wurden". Doch dann folgt der entscheidende Satz: Die Antragsunterlagen seien aus Datenschutzgründen nur zeitlich begrenzt gespeichert und inzwischen vernichtet worden.
Wie praktisch! Da wird also ein Presseausweis ausgestellt, der Zugang zu sensiblen Bereichen und internationalen Organisationen ermöglicht – und die Nachweise für die Berechtigung werden einfach geschreddert? Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Praxis bei allen Antragstellern so gehandhabt wird, oder ob hier besonders gründlich aufgeräumt wurde.
Der Ausweis als Identitätsnachweis in den USA
Bekannt wurde der Presseausweis überhaupt nur, weil Maxwell ihn 2018 in den USA als Identitätsnachweis nutzte. Bei der Anmietung eines Postfachs in einer UPS-Filiale in Boston legte sie das deutsche Dokument vor. FBI-Ermittler stellten später eine Kopie sicher, die nun in den veröffentlichten Akten auftaucht. Ein internationaler Presseausweis einer deutschen Gewerkschaft – verwendet von einer Frau, die später wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung junger Frauen verurteilt werden sollte.
Die Internationale Journalisten-Föderation schweigt
Die Internationale Journalisten-Föderation ließ Anfragen zu dem Fall unbeantwortet. Auf ihrer Website preist sie den internationalen Presseausweis als „Anerkennung Ihres Engagements für ethische Standards" an. Ethische Standards und Ghislaine Maxwell – zwei Begriffe, die wohl kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Die Ironie dieser Selbstbeschreibung ist angesichts der aktuellen Enthüllungen kaum zu überbieten.
Der Sumpf reicht tiefer als gedacht
Ghislaine Maxwell ist die Tochter des britischen Medienunternehmers Robert Maxwell, der Anfang der 1990er-Jahre zeitweise Miteigentümer des Berliner Verlags war. Die Verbindungen nach Deutschland sind also keineswegs neu. Ihr Vater galt als schillernde Figur mit Geheimdienstkontakten – ein Erbe, das offenbar auch auf die Tochter übergegangen sein könnte.
Die heute 64-jährige Maxwell gilt als zentrale Figur im Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein. In den kommenden Tagen soll sie vor einem Ausschuss des US-Kongresses aussagen. Man darf gespannt sein, welche weiteren Namen dabei fallen werden – und ob auch deutsche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft oder Medien ins Schwitzen geraten.
Deutsche Zurückhaltung bei den Epstein-Files
Es fällt auf, dass deutsche Medien und Politik bei den Epstein-Enthüllungen auffallend zurückhaltend agieren. Während in den USA und anderen Ländern die Akten intensiv durchforstet werden, herrscht hierzulande weitgehend Schweigen. Liegt es daran, dass man fürchtet, was noch alles ans Licht kommen könnte? Die Verdi-Verbindung ist möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs, der tief in deutsche Institutionen hineinreicht.
Die Forderung nach einer umfassenden Aufklärung auch in Deutschland wird lauter. Es wäre an der Zeit, dass auch hierzulande ein Untersuchungsausschuss prüft, welche Verbindungen zwischen dem Epstein-Netzwerk und deutschen Akteuren bestanden. Das deutsche Volk hat ein Recht darauf zu erfahren, wer in diesem widerlichen Sumpf mitgewatet ist.

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