
Epstein-Skandal erreicht Trumps Kabinett: Republikaner fordert Kopf des Handelsministers
Die Schatten der Vergangenheit holen die amerikanische Politik ein – und diesmal trifft es einen der engsten Vertrauten von Präsident Donald Trump. Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie hat in einer bemerkenswerten Wendung den Rücktritt von US-Handelsminister Howard Lutnick gefordert. Der Grund: mutmaßliche Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, die weit über das hinausgehen sollen, was Lutnick bisher eingeräumt hat.
Brisante Dokumente werfen unbequeme Fragen auf
Die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten zeichnen ein verstörendes Bild. Lutnick, der milliardenschwere Finanzunternehmer und heutige Handelsminister, taucht darin mehrfach auf. Besonders brisant: E-Mails aus dem Jahr 2012 sollen belegen, dass Lutnick gemeinsam mit seiner Familie einen Besuch auf Epsteins berüchtigter Privatinsel Little St. James geplant haben soll. Eine weitere Nachricht deutet darauf hin, dass dieser Besuch tatsächlich stattgefunden hat.
Little St. James – von Einheimischen nur als „Pädophileninsel" bezeichnet – galt als Zentrum von Epsteins Missbrauchsring, dem über Jahre hinweg unzählige junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Der Multimillionär hatte aus New York heraus ein perfides Netzwerk betrieben, bevor er 2019 unter mysteriösen Umständen in seiner Gefängniszelle starb.
Lutnicks Erklärungen widersprechen den Dokumenten
Was die Angelegenheit für den Handelsminister besonders heikel macht: Seine öffentlichen Aussagen scheinen im direkten Widerspruch zu den nun aufgetauchten Dokumenten zu stehen. Noch im vergangenen Jahr hatte Lutnick in einem Podcast behauptet, er habe bereits 2005 entschieden, mit dieser „widerlichen Person" nie wieder in einem Raum sein zu wollen. Die Akten legen jedoch nahe, dass geschäftliche Verbindungen zwischen beiden Männern noch Jahre nach Epsteins erster Verurteilung im Jahr 2008 bestanden haben sollen.
„Wenn man den Informationen aus den Akten Glauben schenkt, war Lutnick auf der Privatinsel des Multimillionärs und hatte geschäftliche Beziehungen zu ihm – Jahre nach dessen Verurteilung."
So formulierte es Massie gegenüber dem Sender CNN. Der Republikaner warf Lutnick vor diesem Hintergrund unverblümt vor, gelogen zu haben. Der Handelsminister habe viele Fragen zu beantworten, doch „offen gesagt sollte er dem Präsidenten das Leben leichter machen und einfach zurücktreten".
Geschäftliche Verstrickungen in New York
Die Verbindungen zwischen Lutnick und Epstein gingen offenbar über bloße Bekanntschaft hinaus. Beide Männer waren in New York Nachbarn gewesen. Laut der „New York Times" sollen sie zudem gemeinsam in dasselbe Privatunternehmen investiert haben. Der Sender CBS News berichtet von geschäftlichen Verbindungen, die auch nach Epsteins Verurteilung fortbestanden haben sollen.
Ein Vertreter des Handelsministeriums versuchte die Wogen zu glätten und erklärte, Lutnick und seine Frau hätten nach 2005 „nur sehr begrenzte" Kontakte zu Epstein gehabt. Doch diese Formulierung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Was genau bedeutet „sehr begrenzt"? Und warum überhaupt noch Kontakte zu einem verurteilten Sexualstraftäter?
Großbritannien als mahnendes Beispiel
Massie, der gemeinsam mit dem demokratischen Abgeordneten Ro Khanna die Gesetzesinitiative zur Veröffentlichung der Epstein-Akten angestoßen hatte, zog einen aufschlussreichen Vergleich: „Wenn das Großbritannien wäre, wäre er schon längst weg." Tatsächlich hatte der Epstein-Skandal auf der anderen Seite des Atlantiks bereits zu mehreren personellen Konsequenzen im Umfeld der Labour-Regierung geführt.
Die Frage, die sich nun stellt, ist eindeutig: Werden in den Vereinigten Staaten andere Maßstäbe angelegt? Oder wird die Trump-Administration den unbequemen Fragen ausweichen, solange es politisch opportun erscheint? Die Geschichte lehrt uns, dass solche Skandale selten von alleine verschwinden. Sie haben die unangenehme Eigenschaft, immer wieder an die Oberfläche zu drängen – meist dann, wenn es am wenigsten gelegen kommt.
Ein Skandal mit Ansage
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten im Dezember und Januar hatte bereits für erhebliche Unruhe gesorgt. Dass nun ausgerechnet ein Mitglied des Trump-Kabinetts in den Fokus gerät, dürfte dem Weißen Haus alles andere als gelegen kommen. Die reine Nennung in den Dokumenten ist zwar kein Beweis für Fehlverhalten – doch die Häufung der Hinweise und die offensichtlichen Widersprüche zu Lutnicks eigenen Aussagen machen eine Aufklärung unumgänglich.
Es bleibt abzuwarten, ob Präsident Trump seinen Handelsminister fallen lässt oder ob er an ihm festhält. Eines jedoch steht fest: Der Epstein-Skandal ist noch lange nicht ausgestanden. Und die amerikanische Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wer in diesem dunklen Kapitel welche Rolle gespielt hat.

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