
Eskalation im Nahen Osten: Wird Ramstein zur Zielscheibe iranischer Raketen?
Was noch vor wenigen Monaten als undenkbares Szenario galt, rückt mit beängstigender Geschwindigkeit in den Bereich des Möglichen: Der Krieg zwischen dem Iran und den USA könnte Deutschland erreichen – und zwar über den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann Teheran seine Vergeltungslogik auf europäischen Boden ausweitet.
Diplomatisches Donnerwetter in Berlin
Am Dienstag wurde der iranische Botschafter Madschid Nili ins Auswärtige Amt einbestellt – ein Schritt, der in der Diplomatie als eine der schärfsten Maßnahmen unterhalb des Abbruchs diplomatischer Beziehungen gilt. Der Anlass: Irans massive Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Militärbasen im Irak, in Kuwait, Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Außenministerium verurteilte die Attacken als „willkürlich und unverhältnismäßig" und forderte das iranische Regime „unmissverständlich" auf, seine Angriffe einzustellen.
Doch was nützen starke Worte gegen ballistische Raketen? Botschafter Nili zeigte sich erwartungsgemäß unbeeindruckt und verwies auf Artikel 51 der UN-Charta – das Recht zur Selbstverteidigung. Die israelisch-amerikanischen Angriffe verstießen gegen das Völkerrecht, so die iranische Position. Die Maßnahmen Teherans seien lediglich „legitime Selbstverteidigung".
Trumps verhängnisvolles Lob für Merz
Besonders brisant ist ein Detail, das in der öffentlichen Debatte bislang erstaunlich wenig Beachtung findet. US-Präsident Donald Trump lobte Bundeskanzler Friedrich Merz bei dessen Washington-Besuch ausdrücklich dafür, dass Deutschland die Amerikaner „landen" lasse. Was als freundliche Geste unter Verbündeten daherkam, dürfte in Teheran als klare Bestätigung gewertet worden sein: Ramstein ist eine zentrale Drehscheibe für amerikanische Militäroperationen im Nahen Osten.
Und genau hier liegt das Problem. Wenn der Iran die Doktrin verfolgt, dass Angriffe auf US-Militärbasen weltweit zur „Selbstverteidigung" gehören, dann steht Ramstein zwangsläufig auf der Liste potenzieller Ziele. Das Argument der Bundesregierung, die Amerikaner agierten auf deutschem Boden quasi „exterritorial", dürfte die iranische Führung kaum beeindrucken. Eine Rakete kennt keine juristischen Feinheiten – sie schlägt ein, wo sie einschlägt. Physisch. Auf deutschem Boden.
Der Angriff auf die Türkei als Warnsignal
Dass dies keine bloße Theorie ist, bewies der Iran am Mittwoch auf erschreckende Weise. Eine iranische ballistische Rakete wurde von einem NATO-Abwehrsystem in der türkischen Grenzregion abgefangen. Trümmerteile fielen in der Provinz Hatay auf eine freie Fläche – Verletzte gab es glücklicherweise keine. Wohin die Rakete ursprünglich hätte einschlagen sollen, blieb zunächst unklar. Der Verdacht liegt nahe, dass der NATO-Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der südtürkischen Provinz Adana das Ziel gewesen sein könnte, wo rund 1.500 US-Militärangehörige stationiert sind.
Die Türkei – wohlgemerkt ein Land, das sich im Konflikt eigentlich neutral verhält und sich lange um diplomatische Lösungen bemühte. Wenn Teheran nicht einmal vor Angriffen auf neutrale NATO-Partner zurückschreckt, was hält das Regime dann davon ab, Ramstein ins Visier zu nehmen?
Opposition warnt – Regierung schweigt
Während die Bundesregierung sich in diplomatischen Floskeln ergeht, werden die Warnungen aus der Opposition deutlicher. Die Linken-Außenpolitikerin Lea Reisner forderte den Bundeskanzler auf, Deutschland nicht länger als „logistische Drehscheibe für völkerrechtswidrige Kriege herzugeben". BSW-Chef Fabio De Masi ging noch weiter und verlangte, Merz solle – wie Spanien es bereits getan habe – die Nutzung deutscher Militärbasen für diesen Krieg untersagen.
Man mag von Linken und BSW halten, was man will. Doch in einem Punkt haben sie recht: Die Sicherheit der deutschen Bevölkerung muss an erster Stelle stehen. Es ist eine Sache, ein verlässlicher NATO-Partner zu sein. Es ist eine ganz andere, das eigene Land sehenden Auges zum Kriegsschauplatz werden zu lassen, ohne dass der Deutsche Bundestag jemals darüber abgestimmt hätte.
Die unbequeme Wahrheit
Friedrich Merz steht vor einem Dilemma, das er sich teilweise selbst eingebrockt hat. Die enge Anbindung an Washington, die er als Stärke verkauft, könnte sich als fatale Schwäche erweisen. Deutschland hat weder die militärischen Kapazitäten, sich gegen iranische Langstreckenraketen zu verteidigen, noch die politische Unabhängigkeit, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Die Bundesrepublik ist, ob sie es wahrhaben will oder nicht, längst Partei in einem Krieg, den sie nicht gewählt hat.
Was wir jetzt bräuchten, wäre eine Regierung, die deutsche Interessen konsequent vertritt – statt sich als willfähriger Juniorpartner Washingtons in einen Konflikt hineinziehen zu lassen, dessen Konsequenzen die Bürger dieses Landes tragen müssten. Doch danach sieht es derzeit leider nicht aus. Stattdessen erleben wir einmal mehr, wie deutsche Außenpolitik zwischen Vasallentreue und Hilflosigkeit changiert. Die Zeche zahlt am Ende, wie immer, der deutsche Steuerzahler – und im schlimmsten Fall mit mehr als nur Geld.

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