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Europas Gas-Heuchelei: Vierter Yamal-Tanker steuert dänische Werft an

Europas Gas-Heuchelei: Vierter Yamal-Tanker steuert dänische Werft an
Symbolbild: KI-generiert

Nur wenige Tage nachdem US-Präsident Donald Trump ein schärferes Sanktionsgesetz gegen Russlands Energiegeschäft unterzeichnet hat, liegt schon der nächste arktische LNG-Tanker vor der dänischen Werft Fayard. Laut Daten des Schiffsdatenanbieters MarineTraffic ankert die „Nikolay Yevgenov“ nahe der Zufahrt zur Werft. Es wäre bereits das vierte Schiff für Russlands Yamal-LNG-Projekt, das dort seit Ende Juni gewartet wird.

Washington erhöht den Druck

Am 18. September setzte Trump seine Unterschrift unter den „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act“. Das Gesetz zielt ausdrücklich auch auf Yamal LNG. Der Präsident muss innerhalb von 30 Tagen, also bis zum 18. Oktober, und danach alle 180 Tage prüfen, ob bestimmte Akteure die Kriterien für Sanktionen erfüllen.

Dazu zählt der kontrollierende Anteilseigner des Projekts. Das ist der russische Konzern Novatek mit 60 Prozent. Wie viel Spielraum Trump danach noch bleibt, ist unter Sanktionsrechtlern Berichten zufolge umstritten. Er kann zudem aus nationalem Interesse eine Ausnahme gewähren, müsste sie dem Kongress aber schriftlich begründen.

Eines ist wichtig: Die „Nikolay Yevgenov“ ist nicht sanktioniert, und die Wartung ist nach geltendem Recht zulässig. International gehaltene Tanker fallen nicht automatisch unter US-Sanktionen, nur weil sie russisches Gas transportieren. Washington könnte einzelne Schiffe aber künftig entsprechend einstufen.

Eisbrecher für Putins Gas-Geschäft

Der Tanker fährt unter der Flagge der Bahamas. Die Reederei Seapeak hält nach eigenen Angaben 50 Prozent daran und hat das Schiff bis Dezember 2045 an Yamal Trade verchartert. Auf dem Papier ist es also nicht russisch. In der Praxis ist es für zwei Jahrzehnte an Moskaus Arktis-Projekt gebunden.

Die Schiffe der Arc7-Klasse sind speziell für das Eis gebaut. Mit ihnen erreicht Russland das Terminal im sibirischen Sabetta auch im tiefsten Winter und kann das ganze Jahr über exportieren. Vor der „Nikolay Yevgenov“ waren schon diese drei Schiffe bei Fayard:

  • „Rudolf Samoylovich“ (Ende Juni)
  • „Georgiy Brusilov“ (Juli)
  • „Boris Davydov“ (Ende August)

Um welche Größenordnung es geht, zeigt die „Boris Davydov“. Nach ihrem vorigen Werftaufenthalt im September 2023 soll sie laut einer Auswertung der Organisation Urgewald auf Basis von Kpler-Daten 50 Ladungen mit 3,65 Millionen Tonnen LNG transportiert haben. Der Marktwert lag demnach bei rund 1,91 Milliarden Euro. Das sind allerdings weder Staatseinnahmen Russlands noch Gewinne der Reederei.

Brüssel und Washington gehen getrennte Wege

Nach Einwänden Griechenlands, dessen Reedereien einen Teil der Arc7-Flotte betreiben, schuf die EU im 21. Sanktionspaket eine Übergangsregel. Europäische Firmen dürfen russisches LNG aus bestehenden Verträgen unter bestimmten Bedingungen weiter in Drittstaaten bringen. Sanktioniert Washington Novatek, könnten Reedereien, Banken, Versicherer, Werften und Käufer trotzdem in die Schusslinie geraten, obwohl sie nach EU-Recht legal handeln.

Für Fayard läuft die Zeit ohnehin ab. Ab dem 1. Januar 2027 soll die EU solche Wartungen verbieten. Die Werft kündigte an, schon in diesem Jahr auszusteigen, nannte aber kein Datum.

Empörung mit doppeltem Boden

Im Juli forderten 105 Abgeordnete aus 17 Ländern die Werft in einem offenen Brief auf, keine Arc7-Tanker mehr anzunehmen:

„Hier geht es um die Sicherheit Europas, die Glaubwürdigkeit Dänemarks und die Solidarität mit der Ukraine“

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen nannte die Arbeiten „völlig unverständlich“. Fayard hält dagegen: Man habe keine Geschäftsbeziehungen zu Russland und warte weder sanktionierte Schiffe noch die Schattenflotte. Solange Europa selbst Gas aus Yamal kaufe, müssten die Tanker aus Sicherheits- und Umweltgründen gewartet werden. „Wir richten uns nach den Entscheidungen, die Sie als Politiker treffen“, erklärte das Unternehmen.

Einen besonders ironischen Beigeschmack hat die Sache trotzdem. Am 3. September beauftragte ausgerechnet die dänische Beschaffungsbehörde dieselbe Werft mit der Reparatur der Fregatte „Esbern Snare“, für rund 1,71 Millionen Kronen. Kopenhagen kritisiert die Werft also öffentlich und bezahlt sie gleichzeitig. Aus Sicht unserer Redaktion passt das zu einer europäischen Energiepolitik, die Moral predigt, aber weiter russisches Gas kauft und am Ende die Unternehmen für die eigenen Widersprüche verantwortlich macht.

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