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08.08.2025
05:43 Uhr

Europas Sehnsuchtsorte ersticken am Massentourismus – Ist das der Preis unserer Wohlstandsgesellschaft?

Venedig versinkt nicht nur im Meer, sondern auch in Touristenmassen. Hallstatt wird von Selfie-Jägern überrannt. Mallorca ächzt unter Millionen von Besuchern. Was einst als kultureller Austausch und wirtschaftlicher Segen galt, entpuppt sich zunehmend als Fluch für Europas schönste Orte. Die erschreckende Bilanz: Drei Viertel aller Touristen drängen sich auf gerade einmal vier Prozent der verfügbaren Fläche.

Wenn aus Gastfreundschaft Abwehr wird

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Spanien steuert auf über 100 Millionen Besucher zu – bei gerade einmal 47 Millionen Einwohnern. Mallorca empfängt jährlich 13,5 Millionen Touristen, während dort weniger als eine Million Menschen leben. In Hallstatt kommen auf 750 Einwohner über eine Million Besucher. Diese Verhältnisse würden jeden noch so gastfreundlichen Menschen an seine Grenzen bringen.

Besonders pikant: Während die Politik von wirtschaftlichem Aufschwung schwärmt, greifen verzweifelte Anwohner zu kreativen Protestformen. Auf Mallorca stellten Aktivisten gefälschte Warnschilder vor Quallen und Steinschlag auf, um Touristen von Stränden fernzuhalten. In Barcelona drehten genervte Bürger kurzerhand Wegweiser um, um die Besuchermassen in die Irre zu führen. Ist das die neue Form des Widerstands gegen eine Politik, die lieber Tourismusrekorde feiert als die Lebensqualität ihrer Bürger zu schützen?

Die Monetarisierung der Schönheit

Venedig kassiert Eintrittsgelder von Tagestouristen und nahm damit über fünf Millionen Euro ein. Die Schweizer Gemeinde Iseltwald verlangt fünf Franken für einen Holzsteg, der durch eine koreanische Netflix-Serie berühmt wurde – 244.000 Franken kamen so zusammen. In den Dolomiten kostet der Zugang zum Instagram-tauglichen Aussichtspunkt Seceda mittlerweile fünf Euro.

„Wir bekommen das Ganze nur in den Griff, wenn man die Zufahrt zur Landesstraße beschränkt", sagt Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz. Ein Hilferuf, der zeigt, wie verzweifelt die Lage vielerorts ist.

Die Ironie dabei: Diese Maßnahmen lösen das Grundproblem nicht. Die Gassen bleiben überfüllt, die Einheimischen genervt, das authentische Leben verschwindet. Stattdessen entsteht eine Art Disneyland-Europa, wo man für jeden Schritt zur Kasse gebeten wird.

Wenn Wohnraum zum Luxus wird

Besonders dramatisch zeigt sich die Krise auf dem Wohnungsmarkt. In Barcelona will man bis 2028 die Vermietung von Ferienwohnungen komplett verbieten – ein verzweifelter Versuch, bezahlbaren Wohnraum für Einheimische zu retten. Auf Mykonos können sich Griechen keinen Urlaub mehr leisten, geschweige denn dort wohnen. Die Beschäftigten im Tourismussektor finden keine Bleibe, weil alles an zahlungskräftige Urlauber vermietet wird.

Die Politik des Wegschauens

Italiens Tourismusministerin Daniela Santanchè behauptet allen Ernstes, es gebe kein Problem mit „Overtourism". Eine Aussage, die angesichts der Realität wie blanker Hohn klingt. Während Politiker die Tourismuseinnahmen feiern, zahlen die Bürger den wahren Preis: Verlust der Heimat, explodierende Lebenshaltungskosten, zerstörte Natur.

Die Färöer-Inseln zeigen mit ihrem GPS-gesteuerten Tourismuskonzept immerhin kreative Ansätze. Doch sind solche Maßnahmen wirklich die Lösung? Oder behandeln sie nur Symptome einer fehlgeleiteten Wachstumspolitik, die Quantität über Qualität stellt?

Der Preis des Instagram-Tourismus

Am norwegischen Geirangerfjord riskieren Touristen für das perfekte Selfie ihr Leben. In den Alpen wandern Menschen in Sneakers auf 2.500 Meter Höhe, als ginge es zum Stadtbummel. Die sozialen Medien haben eine neue Art von Tourist geschaffen: oberflächlich, respektlos, nur auf der Jagd nach dem nächsten Like.

Diese Entwicklung ist symptomatisch für eine Gesellschaft, die Erlebnisse nur noch durch die Smartphone-Kamera wahrnimmt. Statt echter Begegnungen und authentischer Erfahrungen zählt nur noch die Inszenierung für die digitale Selbstdarstellung.

Zeit für radikale Lösungen?

Die bisherigen Maßnahmen gleichen dem Versuch, einen Waldbrand mit der Gießkanne zu löschen. Vielleicht ist es Zeit für radikalere Schritte: Kontingentierung von Besucherzahlen, drastische Erhöhung der Übernachtungssteuern, komplette Sperrung überlasteter Orte während der Hochsaison.

Doch solange die Politik lieber Tourismusrekorde feiert als nachhaltige Konzepte zu entwickeln, wird sich wenig ändern. Die Verantwortung liegt auch bei uns allen: Müssen wir wirklich jeden Instagram-Hotspot abklappern? Ist es nicht sinnvoller, weniger bekannte Orte zu entdecken und damit zur Entlastung beizutragen?

Europa steht am Scheideweg: Entweder wir finden einen Weg zu nachhaltigem, respektvollem Tourismus, oder wir opfern unsere schönsten Orte auf dem Altar des Massentourismus. Die Zeit für halbherzige Lösungen ist vorbei. Es braucht mutige Entscheidungen – und Politiker, die den Mut haben, auch unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen. Sonst werden unsere Enkel nur noch in Geschichtsbüchern lesen können, wie schön Europa einmal war, bevor es zum Freizeitpark verkam.

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