
Fed-Protokoll: Wie gespalten ist die US-Notenbank wirklich?

Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, veröffentlicht die US-Notenbank Federal Reserve um 14 Uhr Ortszeit (20 Uhr deutscher Zeit) das Protokoll ihrer September-Sitzung. Damals hatte sie die Leitzinsen zum ersten Mal seit 2023 angehoben, und zwar einstimmig. Die spannende Frage lautet jetzt: Wie viel Streit verbirgt sich hinter dem 12:0-Votum?
Einstimmig beschlossen, intern uneins
Am 16. September hob die Fed den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Die Begründung: Die Inflation solle so schneller wieder ins Ziel gebracht werden. So weit die offizielle Version.
Die eigenen Projektionen der Notenbanker passen allerdings nur bedingt zu dieser Einigkeit. Im Mittel rechnen sie bis Jahresende mit einem Zins von 4,1 Prozent, also mit einer weiteren Erhöhung. Ihre Prognose für die PCE-Inflation 2026 hoben sie von 3,6 auf 3,7 Prozent an. Für 2027 gehen die Erwartungen weit auseinander:
- Acht Teilnehmer erwarten mindestens zwei weitere Zinserhöhungen.
- Sechs rechnen mit genau einer.
- Vier gehen sogar von Zinssenkungen aus.
Einig wirkt dieses Gremium nicht.
Die Daten haben die Fed überholt
Das Protokoll gibt einen Stand wieder, den die Wirklichkeit inzwischen weitgehend überholt hat. In den drei Wochen seit der Sitzung kamen mehrere Konjunkturdaten heraus, die die Notenbanker bei ihrer Entscheidung noch nicht kannten. Sie zeigen fast alle in dieselbe Richtung.
Die PCE-Inflation lag im Jahresvergleich bei 3,4 Prozent, die Kernrate bei 3,0 Prozent. Beide Werte blieben unter den Prognosen. Beim Arbeitsmarkt fiel das Ergebnis deutlich schlechter aus: Statt der erwarteten rund 90.000 neuen Stellen entstanden im September nur 29.000. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent.
Gleichzeitig steigen die Preise in der Wirtschaft weiter. Der Preisindex der ISM-Industrieumfrage kletterte auf 77,9 Punkte, im Dienstleistungssektor erreichte er mit 74,0 den höchsten Stand seit vier Jahren. Das Wachstum lässt nach, die Preise steigen weiter. Dafür gibt es einen Begriff, den an der Wall Street niemand gern ausspricht: Stagflation.
Notenbanker treten auf die Bremse
Mehrere Fed-Vertreter haben ihren Ton bereits geändert. Medienberichten zufolge sehen John Williams und Philip Jefferson keinen Grund, weitere Zinserhöhungen zu überstürzen. Gouverneurin Michelle Bowman habe erklärt, sie würde 2026 lieber ganz auf weitere Schritte verzichten. An den Terminmärkten sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober laut CME FedWatch von 36 auf zuletzt unter 20 Prozent.
Worauf Beobachter jetzt achten
Namen nennt das Protokoll nicht. Es arbeitet mit festen Mengenwörtern wie „einige“, „mehrere“, „viele“ oder „die meisten“, aus denen sich die Mehrheitsverhältnisse ablesen lassen. Wenn „viele“ Notenbanker Sorgen um den Arbeitsmarkt geäußert haben, steht dahinter eine eigene Fraktion. Besonders aufmerksam achten Analysten auf das Wort „Versicherung“. Eine Zinserhöhung, die nur als Absicherung gedacht war, bleibt häufig die einzige.
Die nächsten Termine stehen fest: Am 14. Oktober folgen die US-Verbraucherpreise, am 28. Oktober die nächste Zinsentscheidung. Neue Projektionen gibt es erst im Dezember.
Gold trotzt der Zinswende
Für Edelmetall-Anleger ist die Lage aufschlussreich. Nach der Lehrbuchmeinung belasten steigende Zinsen den Goldpreis, weil das Metall keine Zinsen abwirft. Medienberichten zufolge notiert Gold trotz der Zinserhöhung über 4.000 US-Dollar je Unze. Zudem sollen die Notenbanken allein im zweiten Quartal 2026 rund 289 Tonnen gekauft haben. Nach den schwachen Arbeitsmarktdaten legte der Goldpreis weiter zu.
Der Grund liegt auf der Hand. Eine Notenbank, die gegen hartnäckige Inflation ankämpft und zugleich eine schwächere Konjunktur fürchtet, steckt in der Zwickmühle. Hebt sie die Zinsen weiter an, droht die Rezession. Hält sie still, verliert der Dollar weiter an Kaufkraft. Für Sparer heißt das: Auf die Geldpolitik allein sollten sie sich nicht verlassen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen einen Teil dieser Unsicherheit abfedern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.












