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Feuer aus in Ueckermünde: Gießerei macht dicht, 300 Jobs weg!

Feuer aus in Ueckermünde: Gießerei macht dicht, 300 Jobs weg!
Symbolbild: KI-generiert

In Vorpommern verliert eine ganze Region ihren industriellen Herzschlag. Am 16. Oktober 2026 hat die Breyden-Gruppe bestätigt, dass sie ihre Eisengießerei in Ueckermünde zum Jahresende schließt. Rund 300 Beschäftigte stehen damit vor dem Nichts, und die Politik hat dem bislang kaum mehr als Appelle entgegenzusetzen.

Strompreise, China, leere Auftragsbücher

Geschäftsführer Sebastian Simon sieht für den Standort nach eigenen Angaben keine tragfähige Zukunft mehr. Energie und Personal seien zu teuer, die Konkurrenz aus China wachse. Hinzu kämen lange Transportwege für Altmetall, also genau den Rohstoff, aus dem in Ueckermünde Gussteile für Fahrzeugbremsen entstehen.

Laut Unternehmensführung war das Werk schon seit Jahresbeginn nicht mehr ausgelastet. Modernisierung und die Suche nach neuen Kunden hätten nicht gereicht. Die Produktion soll nun auf andere Standorte verlagert werden, allen voran ins saarländische Neunkirchen. Dort arbeite die Gruppe günstiger.

Einen bitteren Beigeschmack hat der Zeitpunkt. Regionalen Medienberichten zufolge hatte Breyden die Gießerei erst 2025 übernommen. Rund 15 Monate später kommt nun das Aus.

Empörung in Schwerin, aber wo bleiben die Lösungen?

Mecklenburg-Vorpommerns parteiloser Wirtschaftsminister Wolfgang Blank kritisiert die Entscheidung scharf. Ueckermündes Bürgermeister Tino Spiegelberg, ebenfalls parteilos, verlangt zusammen mit Betriebsrat und IG Metall den Weiterbetrieb. Am 9. Oktober saßen Minister und Bürgermeister mit Simon im Rathaus zusammen. Am 16. Oktober folgte ein weiteres Gespräch in Berlin. Ergebnis: keines.

Über die Rettungsvorschläge wurde laut NDR Stillschweigen vereinbart. Einen Interessenten für eine Übernahme gibt es dem Vernehmen nach bislang nicht.

Hier liegt der eigentliche Skandal. Hohe Strompreise, Abgaben und ein Dickicht aus Bürokratie sind nicht vom Himmel gefallen, sie sind das Ergebnis politischer Entscheidungen in Berlin und Brüssel. Wer erst Standortkosten in die Höhe treibt und anschließend über Werksschließungen klagt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er Teil der Lösung ist oder Teil des Problems. Ein Bürgermeister kann vermitteln. Netzentgelte und Energieabgaben ändern kann er nicht.

Ein Muster, kein Einzelfall

Ueckermünde passt in eine bedrückende Reihe. Medienberichten zufolge schließt die Walzengießerei Coswig nach 134 Jahren, 170 Arbeitsplätze fallen weg. Die Sachsen Guss GmbH musste nach 126 Jahren Insolvenz anmelden. Ausgerechnet die energieintensive Gießereibranche, ein Fundament des deutschen Maschinen- und Fahrzeugbaus, gerät damit immer stärker unter Druck. Und die schwarz-rote Bundesregierung? Sie verteilt Sondervermögen in Milliardenhöhe, während die industrielle Basis Stück für Stück wegbricht.

Sozialplan statt Zukunft

Am härtesten trifft es die Belegschaft. Zunächst bezifferte die IG Metall die unmittelbar Betroffenen auf 283, inzwischen ist von rund 300 Stellen die Rede. Ab dem 21. Oktober wird über einen Sozialplan verhandelt, dabei geht es um Abfindungen, eine Transfergesellschaft und berufliche Alternativen. Die Gewerkschaft riet den Beschäftigten Berichten zufolge, keine Aufhebungsverträge zu unterschreiben. Für den 19. Oktober ist eine weitere Mahnwache angekündigt.

Ein Lichtblick kommt aus dem benachbarten Torgelow. Dort fertigt die Silbitz Group Komponenten für Windkraftanlagen und Schiffsdieselmotoren. Das Unternehmen habe Interesse an Fachkräften aus Ueckermünde signalisiert und verfüge nach eigenen Angaben über Aufträge bis 2030. Wie viele Gießer tatsächlich wechseln können, ist allerdings offen.

Was bleibt, wenn die Öfen erkalten?

Für die strukturschwache Region Vorpommern-Greifswald gehen weit mehr als Arbeitsplätze verloren, nämlich über Jahrzehnte gewachsenes Know-how und regionale Lieferketten. Betriebsrat und IG Metall wollen mit externen Experten noch ein Fortführungskonzept erarbeiten. Ein solches Konzept müsste allerdings die Kostenprobleme lösen und neue Aufträge sichern.

Solidaritätsadressen ersetzen keine wettbewerbsfähigen Energiepreise. Solange Bund und Länder die Standortbedingungen nicht spürbar verbessern, dürfte Ueckermünde nicht die letzte Gießerei sein, in der das Feuer für immer ausgeht.

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