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29.10.2026
19:08 Uhr
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Flucht im Privatjet: Wer Flávio Bolsonaro den Weg nach Miami ebnete

Flucht im Privatjet: Wer Flávio Bolsonaro den Weg nach Miami ebnete
Symbolbild: KI-generiert

Ein Gerichtsverbot, eine nächtliche Grenzbrücke und ein Gulfstream-Jet für rund 140.000 US-Dollar: Brasiliens unterlegener Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro ist am Mittwoch mit seiner Familie in Miami gelandet, obwohl ihm die Justiz die Ausreise verboten hatte. Medienberichten zufolge führen die Spuren der Fluchthilfe bis ins Umfeld von Donald Trump und Javier Milei.

Ein Verbot, das niemand durchsetzte

Am Sonntag hatte Bolsonaro die Stichwahl gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren, knapp mit 48,2 zu 51,8 Prozent. Kurz darauf untersagte ihm der Oberste Gerichtshof die Ausreise und ordnete die Abgabe seiner Pässe an. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Geldwäsche und illegale Kapitaltransfers ermittelt, unter anderem im Zusammenhang mit der Finanzierung eines Films über seinen Vater.

Jair Bolsonaro, der frühere Präsident, sitzt seit November 2025 eine 27-jährige Haftstrafe ab. Verurteilt wurde er wegen der Planung eines Staatsstreichs nach der Wahl 2022. Der Name Bolsonaro steht in Brasilien damit für eine Familie, die mit der eigenen Justiz kaum noch Frieden findet.

Die Spur nach Washington

Organisiert haben sollen die Flucht laut Wall Street Journal Trumps langjähriger Berater Jason Miller und Bolsonaros Bruder Eduardo. Miller war 2016 Wahlkampfsprecher Trumps, gründete die Plattform Gettr und gilt Berichten der Folha de S.Paulo zufolge seit Jahren als Verbindungsmann zwischen Trump und dem Bolsonaro-Clan. Eduardo lebt seit Anfang 2025 in Florida. Nach Angaben von CNN Brasil wurde er im Juni 2026 zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, im Oktober ordnete das Oberste Gericht seine Festnahme an.

Trump persönlich soll der Einreise zugestimmt haben, Außenminister Marco Rubio habe die Visavergabe eingeleitet. Am Ende stand eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr. Ein humanitäres Visum für jemanden, der vor Ermittlungen im eigenen Land ausweicht? Kritiker dürften darin eher politische Gefälligkeit als Asylrecht erkennen.

Ein Jet wartet, ein Berater wacht

Die argentinische Zeitung La Nación rekonstruierte den Ablauf. Ein namentlich unbekannter US-Vermittler buchte am Montag bei der Chartergesellschaft Baires Fly kurzfristig eine Gulfstream G400 und zahlte im Voraus. Die Maschine stand ab Montagnacht in Puerto Iguazú bereit, wartete aber über 24 Stunden, weil die Passagiere nicht erschienen.

Erst am Dienstag um 22.50 Uhr überquerte Bolsonaro die Tancredo-Neves-Brücke nach Argentinien, argentinischen Angaben zufolge mit einem italienischen Reisepass. Kurz nach Mitternacht hob der Jet ab. Er flog über Paraguay, Bolivien und Peru nach Guayaquil in Ecuador, ohne brasilianischen Luftraum zu berühren. Gegen 9.25 Uhr landete er in Miami-Opa Locka.

Mileis Vertrauter im Zwielicht

Laut Wall Street Journal und Clarín soll Mileis enger Berater Santiago Caputo den Ablauf von Puerto Iguazú aus überwacht haben. Ein Polizeiprotokoll soll ihn bei einer Fahrzeugkontrolle in der Provinz Misiones erfasst haben. Caputo bestreitet, dort identifiziert worden zu sein. Baires Fly wird zudem in einem Korruptionsverfahren um die Behindertenbehörde Andis erwähnt, ein mit der Firma verbundener Unternehmer gehört zu den Beschuldigten. Die Fluggesellschaft selbst wird nicht beschuldigt.

Der Exil-Anführer und die offene Rechnung

In Miami bezeichnete sich Bolsonaro zunächst als rechtmäßigen Wahlsieger, später als „Führer Brasiliens“. Die Opposition gegen Lula wolle er künftig aus den USA anführen. Dabei hatte seine eigene Liberale Partei das Ergebnis schon am Montag anerkannt. Ein Oppositionsführer, dem die eigene Partei nicht folgt, wirkt reichlich verloren.

In Argentinien prüft inzwischen die Staatsanwaltschaft die Durchreise, ausgelöst durch eine Anzeige der Abgeordneten Marcela Pagano. Die Einwanderungsbehörde erklärt, die Papiere seien gültig gewesen und es habe keine internationale Fahndung vorgelegen. Ungeklärt bleibt die wichtigste Frage: Wer hat die 140.000 Dollar bezahlt? Den Namen auf der Rechnung will Baires Fly nur auf Anordnung der Justiz herausgeben.

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