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Flucht nach Florida: Hat Washington Bolsonaro den Weg geebnet?

Flucht nach Florida: Hat Washington Bolsonaro den Weg geebnet?
Symbolbild: KI-generiert

US-Außenminister Marco Rubio bestreitet, dass die USA dem unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro bei der Ausreise geholfen haben. Am Samstag sagte er vor Journalisten in Atlanta, die US-Regierung sei an keinem der Schritte direkt beteiligt gewesen. Präsident Donald Trump legt derweil nach: Bolsonaro dürfe so lange bleiben, wie er wolle.

„Wir haben nichts erleichtert“

Rubio ließ es nicht bei einem knappen Dementi. Washington habe nichts erleichtert, so der Minister sinngemäß. Man habe lediglich die Nachricht erhalten, dass Bolsonaro in den USA angekommen sei. Er habe bereits früher ein US-Visum besessen, und der Präsident habe entschieden, ihn einreisen zu lassen.

Bemerkenswert ist das Wort „direkt“. Wer genau hinhört, merkt: Eine Beteiligung schließt Rubio damit nicht aus, er zieht nur eine Linie. Der Weg ins Exil verlief Medienberichten zufolge über Argentinien und Ecuador, von Guayaquil ging es per Privatjet nach Miami. Seine Frau und die beiden Töchter begleiteten ihn.

Trump: „Die Wahl war eine Schande“

Trump selbst hält mit seiner Sicht nicht hinter dem Berg. In einem auf X verbreiteten Video sagte er, ein Treffen mit Bolsonaro sei nicht geplant. Dieser sei aber „sehr schäbig“ behandelt worden.

„He can stay here as long as he wants. The election was a disgrace.“

Vor Reportern ging der Präsident noch weiter. Er habe keine Partei ergriffen, doch das Ganze habe nach einer weiteren manipulierten Wahl ausgesehen, ein „schreckliches Bild für die Welt“. Belege für eine Fälschung legte Trump nicht vor.

Zwei Stunden, die ein Land spalten

Am 25. Oktober hatte Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva die Stichwahl gewonnen. Laut Wahlgericht kam er auf 51,8 Prozent und lag damit knapp 4,4 Millionen Stimmen vor Bolsonaro. Dabei hatte der Herausforderer die erste Runde noch mit 47 zu 45 Prozent für sich entschieden.

Bolsonaros Anwälte wollen das Ergebnis annullieren lassen. Grund für den Vorstoß ist eine Entscheidung von Verfassungsrichter Cristiano Zanin, der die Wahllokale landesweit zwei Stunden länger öffnen ließ. Beantragt hatte das Lula, nachdem es in São Paulo und Salvador Berichte über Probleme mit Wählerbussen gegeben hatte. Bolsonaros Lager hatte wegen Starkregen selbst eine regionale Verlängerung gefordert.

Der Vorwurf aus Bolsonaros Lager: Die Verlängerung sei uneinheitlich umgesetzt worden, und das Wahlgericht habe die Wahlbeobachter seiner Partei aus dem gesicherten Auszählungsraum entfernt. Analysten halten eine Annullierung laut Medienberichten trotzdem für kaum realistisch. In den zusätzlichen zwei Stunden seien weniger als 35.000 Stimmen abgegeben worden.

Geldwäsche-Vorwürfe und ein einbehaltener Pass

Ausgereist war Bolsonaro, obwohl ihn die Justiz aufgefordert hatte, seine Pässe abzugeben. Die Anordnung kam Berichten zufolge von Richter Alexandre de Moraes und betrifft ein eigenes Ermittlungsverfahren: Die Bundespolizei prüft mutmaßliche Korruption und Geldwäsche. Die Ermittler hielten Bolsonaro für fluchtgefährdet. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Die Parallelen zum Vater sind kaum zu übersehen. Auch Jair Bolsonaro reiste nach seiner Niederlage gegen Lula 2022 in die USA. Später wurde er wegen eines mutmaßlichen Putschplans zu 27 Jahren Haft verurteilt. Lula bezeichnete die Ausreise des Sohnes Medienberichten zufolge als „beschämenden Akt“.

Diplomatische Eiszeit zwischen Washington und Brasília

Die Affäre fällt in eine ohnehin frostige Phase. Trump hatte Bolsonaro im Mai im Weißen Haus empfangen und ihn im Juni öffentlich gelobt. Im Juli verweigerte Lulas Regierung zwei Beamten des US-Außenministeriums die Visa, weil man eine Einflussnahme auf die Wahl befürchtete. Washington wies das zurück: Es sei um Routinegespräche über Wahlintegrität, Religions- und Meinungsfreiheit gegangen.

In den USA werfen 30 demokratische Abgeordnete und Senator Bernie Sanders der Regierung vor, mit Zöllen, Sanktionen und Druck die Beziehungen zu Brasilien zu gefährden. Die Trump-Regierung verweist ihrerseits auf eine einjährige Untersuchung des US-Handelsbeauftragten. Diese sei zu dem Ergebnis gekommen, dass brasilianische Maßnahmen den US-Handel belasten.

Klar ist: Der Fall Bolsonaro ist längst kein rein brasilianisches Drama mehr. Er wird zur Machtprobe zwischen Washington und der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Wie sie ausgeht, kann niemand seriös vorhersagen.

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22.06.2026
9 Min.

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