
Flug-Flaute in Deutschland: 300.000 Flüge weg, Europa hebt ab!

An deutschen Flughäfen haben die Airlines seit 2019 mehr als 35 Millionen Sitzplätze aus den Flugplänen genommen. Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hervor, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet. Im übrigen Europa wächst der Luftverkehr, nur Deutschland verliert den Anschluss an die Welt.
Minus 18 Prozent: Die Zahlen hinter dem Absturz
Laut der Analyse trifft der Rückgang alle 26 relevanten Verkehrsflughäfen der Republik. Seit 2019 hätten die Fluggesellschaften 473 regelmäßige Verbindungen gestrichen und nur 349 neue eingeführt. Hinzu kommt, dass viele wichtige Strecken nur noch seltener bedient werden.
Unterm Strich sank die Zahl der Flüge von 1,7 Millionen auf weniger als 1,4 Millionen. Das sind 300.000 Flüge weniger, ein Einbruch um 18 Prozent. Neben Österreich und Island ist Deutschland dem Bericht zufolge eines von nur drei Ländern Europas, in denen die Zahl der Flüge auch im ersten Halbjahr 2026 weiter gesunken ist. Anderswo wächst der Markt teils zweistellig.
Hauptstadt ohne Anschluss
Am härtesten traf es den BER. Der Hauptstadtflughafen hat laut BDL im Vergleich zur Zeit vor Corona 28 Prozent seiner Flüge verloren. Direktverbindungen etwa nach Turin und Singapur gibt es nicht mehr. Dazu kommt der weitgehende Rückzug von Ryanair. Der Billigflieger hatte angekündigt, seine Berliner Basis mit sieben Flugzeugen zu schließen. Medienberichten zufolge will er im Winterflugplan 2026/27 bundesweit rund 700.000 Sitze weniger anbieten, ein Minus von zehn Prozent.
Auch die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland schrumpfen deutlich. Zulegen konnten nur einige kleine Regionalflughäfen.
Der Staat als Kostentreiber
Den Grund sieht die Branche klar beim Staat. Steuern und Gebühren auf Flüge hätten sich seit 2019 verdoppelt und lägen weit über dem Niveau der Nachbarländer. Der BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang findet deutliche Worte:
„Deutschlands Regionen verlieren massiv an Konnektivität. Vor allem die Anbindung an die Wirtschaftsmetropolen Europas hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich verschlechtert.“
Lang verlangt, Steuern und Gebühren zu halbieren, zum Beispiel durch die ersatzlose Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Diese Steuer hatte die schwarz-gelbe Regierung 2011 eingeführt, um den Haushalt zu sanieren. Die Ampel erhöhte sie im Mai 2024 noch einmal. Schwarz-Rot hat diese Erhöhung zum 1. Juli 2026 zurückgenommen. Seitdem fallen auf der Kurzstrecke wieder 13,03 Euro pro Fluggast an statt 15,53 Euro. Der Branche ist das viel zu wenig. Sie fordert seit Langem Entlastungen von rund zwei Milliarden Euro im Jahr.
Wenn der Flughafen zum Standortnachteil wird
Die Wirtschaft schlägt Alarm. Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, sagt, internationale Verbindungen seien entscheidend dafür, wo sich Unternehmen ansiedeln und investieren. Firmen müssten ihre Kunden erreichen und selbst erreichbar sein. Auch die Luftfracht werde wichtiger.
„Das Problem wird verschärft durch den Umstand, dass der Wegfall vieler Inlandsflüge nicht durch ein adäquates Angebot an Alternativen auf der Schiene kompensiert wird.“
Wer schon einmal in einem überfüllten ICE mit Verspätung gesessen hat, versteht das sofort. Die Politik hat Inlandsflüge jahrelang madig gemacht, aber die versprochene Alternative auf der Schiene fehlt bis heute. Auch Verbände aus Tourismus und Messewirtschaft fordern nun, dass die Politik handelt.
Das CDU-Präsidium hat ein Papier, aber noch keine Lösung
Das CDU-Präsidium hat diese Woche ein Positionspapier beschlossen. Darin verlangt es, die Flugsicherungsgebühren und die Luftverkehrsteuer bald auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Ob und wann die Bundesregierung das umsetzt, ist völlig offen.
Für einen Industriestandort ist das ein Armutszeugnis: Während die Nachbarn um Airlines werben, erklärt eine Kanzlerpartei erst, dass sie den Luftverkehr „retten“ will. Wer die Regionen weiter vom Netz nimmt, schwächt am Ende vor allem den Mittelstand.
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