
Förder-Zickzack beim Hausbau: Droht 2027 das nächste Chaos?

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) gibt beim Förderprogramm für klimafreundliche Neubauten im Effizienzhausstandard 55 überraschend mehr Geld. Die Bau- und Wohnungswirtschaft freut sich über Planungssicherheit. Die gilt allerdings nur bis Silvester. Danach könnte Bauherren eine gefährliche Lücke drohen.
Erst „Beeilt euch!“, dann doch mehr Geld
Keine zehn Tage vor dieser Kehrtwende hatte die Ministerin Medienberichten zufolge noch erklärt, an zusätzliche Mittel sei nicht zu denken. Wer bauen wolle, solle sich beeilen. Am 9. Oktober kam dann die Wende: Der Bund stocke die sogenannte EH55-Plus-Förderung auf, teilte das Ministerium mit.
Eine genaue Summe nannte das Haus nicht. Die Wohnungswirtschaft rechnet mit rund 250 Millionen Euro. Das kommt zu den ursprünglich eingeplanten 800 Millionen hinzu, die wegen der hohen Nachfrage noch vor Jahresende aufgebraucht gewesen wären. Laut Fachberichten lagen im September nur noch 69 Millionen Euro im Topf.
Was das Programm bietet und was es verlangt
Gefördert werden Neubau und Ersterwerb von Gebäuden, die nur 55 Prozent der Energie eines Standardhauses verbrauchen. Der Haken: Die Wärme muss vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen. Öl- und Gasheizungen sind ausgeschlossen.
- Zinsverbilligte KfW-Kredite bis 100.000 Euro je Wohneinheit
- Seit 2. März 2026 ab 1 Prozent effektiv (zehn Jahre Laufzeit und Zinsbindung)
- Pflicht: gültige Baugenehmigung bei Antragstellung
- Anträge längstens bis 31. Dezember 2026, solange Mittel reichen
Nach Angaben des Ministeriums wurden seit dem Start im Dezember 2025 rund 52.100 Wohnungen mit einem Kredit- und Zuschussvolumen von etwa 4,9 Milliarden Euro gefördert (Stand: 5. Oktober). Hubertz spricht von einem Erfolg.
Die Uhr tickt: 1. Januar 2027
Eigentlich sollte das Programm schon Ende Juni auslaufen. Dann wurde es verlängert, jetzt kommt binnen weniger Monate die zweite Rettung. Ein Fördersystem, das sich von einer Notoperation zur nächsten hangelt: Sieht so die versprochene Verlässlichkeit aus?
Anfang 2027 will das Ministerium seine Programme neu ordnen und vereinfachen. Schon im Koalitionsvertrag von Union und SPD stand ein neues, übersichtlicheres Fördersystem. Wann genau was gelten soll, ist aber offen. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe warnt vor einer Förderlücke ab dem 1. Januar. Er fordert, EH55 Plus weiterlaufen zu lassen, bis im Sommer 2027 die neue „Zwei-Programme-Welt“ startet.
Déjà-vu vom Januar 2022
In der Baubranche weckt das ungute Erinnerungen. Im Januar 2022 stoppte die damalige Ampel-Regierung die KfW-Neubauförderung praktisch über Nacht. Zahlreiche Anträge hingen in der Luft, Finanzierungen gerieten ins Wanken. Viele Bauherren trauen staatlichen Zusagen seitdem deutlich weniger.
Planungssicherheit sieht anders aus
Kein Haus entsteht in drei Monaten. Familien, die Eigentum schaffen wollen, müssen über Jahre kalkulieren können. Eine Förderpolitik nach Kassenlage hilft ihnen nicht. Ausgerechnet diese Regierung hatte mehr Übersichtlichkeit versprochen. Dass sie nun erneut ein Förder-Durcheinander riskiert, halten viele Beobachter für ein Armutszeugnis.
Das Muster ist bekannt: Der Staat setzt Anreize, ändert die Regeln und bessert dann hektisch nach. Wer sein Vermögen langfristig plant, sollte sich nicht allein auf politische Zusagen verlassen. Sinnvoll sind auch Werte, die unabhängig von Haushaltsentscheidungen Bestand haben. Physisches Gold und Silber können dafür eine Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Finanzierungs-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Prüfen Sie Förderbedingungen und Anlageentscheidungen bitte selbst oder lassen Sie sich fachlich beraten. Für Ihre Entscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.
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