
Friedensgespräche zur Ukraine erneut verschoben – Territorialfrage bleibt ungelöst

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges stocken einmal mehr. Die ursprünglich für Sonntag geplanten Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew in Abu Dhabi wurden kurzfristig auf Mittwoch und Donnerstag verschoben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete die neuen Termine über soziale Medien und betonte dabei die Bereitschaft seiner Regierung zu „substanziellen Gesprächen".
Spannungen zwischen USA und Iran als Störfaktor
Die Verschiebung kommt nicht völlig überraschend. Selenskyj hatte bereits im Vorfeld angedeutet, dass sowohl Datum als auch Ort der Gespräche kurzfristigen Änderungen unterliegen könnten. Als Grund nannte er die aktuellen Entwicklungen im Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, die sich unmittelbar auf den Zeitplan der Verhandlungen auswirken würden. Eine bemerkenswerte Konstellation, die zeigt, wie eng verwoben die geopolitischen Konfliktherde mittlerweile sind.
Die Gespräche in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate werden von Washington vermittelt. Erst am vergangenen Wochenende hatten die Unterhändler beider Kriegsparteien erstmals direkt über den amerikanischen Friedensplan gesprochen. Der russische Gesandte Kirill Dmitriev traf sich zudem am Samstag in Miami mit US-Vertretern. US-Sondergesandter Steve Witkoff bezeichnete die Unterredung als „produktiv und konstruktiv" – ein diplomatischer Euphemismus, der kaum über das Fehlen eines echten Durchbruchs hinwegtäuschen kann.
Der Donbass als unüberwindbare Hürde
Das zentrale Problem bleibt unverändert: die Territorialfrage. Während sich beide Seiten nach Angaben aus Verhandlungskreisen in mehreren Punkten angenähert haben sollen, prallen die Positionen beim Hauptstreitpunkt unversöhnlich aufeinander. Russland fordert einen vollständigen Rückzug der ukrainischen Truppen aus der Region Donezk – eine Forderung, die Kiew kategorisch ablehnt.
„Bislang konnten wir keinen Kompromiss in der Territorialfrage finden, insbesondere was einen Teil der Ostukraine betrifft", räumte Selenskyj ein.
Die ukrainische Regierung betont zwar ihre grundsätzliche Kompromissbereitschaft, zieht jedoch eine klare rote Linie: Zugeständnisse, die die territoriale Integrität des Landes berühren, seien ausgeschlossen. Eine Position, die angesichts der russischen Besatzung weiter Teile des Donbass die Quadratur des Kreises verlangt.
Neutralität gegen Sicherheitsgarantien
Immerhin zeichnen sich in anderen Bereichen Fortschritte ab. Die verhandelten Entwürfe sollen eine Einigung über einen neutralen Status der Ukraine vorsehen – konkret einen Verzicht auf den NATO-Beitritt im Gegenzug für Sicherheitsgarantien und Obergrenzen für die ukrainischen Streitkräfte. Dass punktuelle Übereinkünfte möglich sind, bewies bereits die Ende 2025 vermittelte temporäre Waffenruhe zur Reparatur des Kernkraftwerks Saporischschja.
Doch wie belastbar sind solche Teilerfolge wirklich? Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich erst kürzlich skeptisch und erklärte, er sehe „keine Anzeichen dafür, dass Russland ernsthaft Frieden will". Eine Einschätzung, die angesichts der verhärteten russischen Positionen durchaus ihre Berechtigung hat. Die kommenden Gespräche am 4. und 5. Februar werden zeigen, ob die diplomatischen Bemühungen mehr sind als ein Spiel auf Zeit – oder ob der Krieg in der Ukraine weiterhin ohne absehbares Ende bleibt.












