
Gas-Rätsel um Staatskonzern Sefe: Woher kommt das Milliarden-LNG?

Der bundeseigene Gasimporteur Sefe hat sich beim Rohstoffriesen Trafigura 150 Terawattstunden Erdgas fĂĽr fĂĽnf Jahre gesichert. Die Lieferungen beginnen am 1. November 2026, abgesichert teilweise durch eine Garantie des Bundes. Nur: Woher das Gas eigentlich stammt, will der Berliner Konzern nicht sagen.
Ein Deal, der Fragen aufwirft
30 Terawattstunden pro Jahr soll Trafigura liefern. Das klingt nach Versorgungssicherheit, nach Planbarkeit, nach einem Staat, der seine Hausaufgaben macht. Doch auf Nachfrage bleibt Sefe auffallend wortkarg.
Medienberichten zufolge teilte das Unternehmen lediglich mit, das Erdgas stamme „überwiegend aus dem globalen Portfolio von Trafigura“. Zu einzelnen Herkunftsländern mache man keine Angaben. Immerhin eines sei klar: Gas russischen Ursprungs sei „vertraglich ausgeschlossen“.
Auch Terminals, Pipelines oder Transportwege bleiben im Dunkeln. Übergeben werde das Gas an einem europäischen Hub, heißt es. Für den Steuerzahler, dem dieser Konzern letztlich gehört, ist das eine dürre Auskunft.
Das Prinzip „virtueller Handelspunkt“
Was steckt hinter der Formel vom „europäischen Hub“? Gas muss dabei nicht zwingend an einem bestimmten deutschen LNG-Terminal anlanden. Händler übertragen Mengen an virtuellen Handelspunkten – das physische Gas fließt über verschiedenste Leitungen und Terminals ins europäische Netz.
Anders gesagt: Auf dem Papier ist die Herkunft sauber, im Rohr vermischt sich alles. Genau deshalb wäre mehr Transparenz wünschenswert.
Hinweise liefern immerhin Trafiguras eigene Unterlagen. Der Händler verfügt demnach über langfristige LNG-Verträge mit den US-Produzenten Cheniere und Freeport sowie Abnahmevereinbarungen mit Oman LNG, Petronas aus Malaysia und Brunei Energy. Ob Gas aus diesen Quellen bei Sefe landet, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Wer ist Trafigura?
Der 1993 gegründete Konzern mit Sitz in Singapur gehört neben Vitol, Gunvor und Glencore zu den vier großen unabhängigen Handelshäusern im LNG-Geschäft. Nach eigenen Angaben handelte Trafigura 2025 rund 39,6 Millionen Tonnen Gas und LNG. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert und gehört mehr als 1400 Beschäftigten und Führungskräften.
Der Bund steht wieder mit im Risiko
Für das Geschäft hat Trafigura einen fünfjährigen Kredit über 1,5 Milliarden Dollar aufgenommen. Neun Banken sind beteiligt, die staatliche KfW-IPEX-Bank koordiniert. Ein Teil ist über eine sogenannte UFK-Garantie des Bundes abgesichert – ein Instrument, das die Beschaffung strategischer Rohstoffe gegen wirtschaftliche und politische Risiken schützen soll.
Wie hoch der garantierte Anteil ist? Darüber schweigt Trafigura. Zum Vergleich: Beim Vorgängergeschäft 2022 sicherte der Bund laut damaligen Bankangaben 80 Prozent eines Drei-Milliarden-Dollar-Kredits ab.
Das Erbe der Energiekrise
Sefe ist ein Kind des Notstands. Als ehemalige Gazprom Germania wurde der Konzern 2022 verstaatlicht und mit einer KfW-Kreditlinie von bis zu 13,8 Milliarden Euro gestützt. Der erste Trafigura-Vertrag startete am 1. November 2022 mit rund 23 TWh jährlich – der neue erhöht die Menge um etwa 30 Prozent.
Parallel baut Sefe sein Portfolio aus. Erst am Montag meldete der Konzern einen 20-Jahres-Vertrag mit dem kanadischen Projekt Ksi Lisims LNG: ab den frühen 2030er-Jahren eine Million Tonnen jährlich. Pikant: Diese Mengen sind nicht für Deutschland reserviert und könnten auch anderswo verkauft werden.
Fazit: Sicherheit mit Fragezeichen
Die Lehre aus 2022 ist bitter. Deutschland hat sich jahrzehntelang von einem einzigen Lieferanten abhängig gemacht – und dafür teuer bezahlt. Heute setzt Berlin auf globale Händler und flüssiges Gas aus Übersee. Das ist breiter gestreut, aber auch teurer und undurchsichtiger.
Wer mit Staatsgarantien hantiert, schuldet den Bürgern Klarheit. Ein „globales Portfolio“ ist keine Antwort – sondern eine Ausrede, die man bei einem Unternehmen in Bundesbesitz nicht einfach hinnehmen sollte.
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