
Gas-Schock vor dem Winter: Preis explodiert, Speicher halb leer!

Der europäische Gaspreis ist zurück auf Krisenniveau. Am Montag kletterte der maßgebliche Terminkontrakt TTF über 97 Euro je Megawattstunde und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 2022. Gleichzeitig beginnt die Heizperiode, und die deutschen Gasspeicher sind so schwach gefüllt wie lange nicht.
Plus 215 Prozent: Gas zieht dem Öl davon
Allein in den vergangenen acht Wochen hat sich Gas um fast 30 Euro verteuert. Noch deutlicher wird der Anstieg im größeren Rahmen. Als im März der Krieg zwischen den USA und dem Iran ausbrach, kostete die Megawattstunde gerade einmal 33 Euro.
Seitdem hat der TTF-Preis um rund 215 Prozent zugelegt. Der europäische Ölpreis stieg im selben Zeitraum um 55 Prozent, was angesichts dieser Zahlen schon fast harmlos wirkt. Händler halten die Knappheit beim Gas also für weit gefährlicher als beim Öl. Zur Einordnung: Im August 2022, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, schoss der Preis kurzzeitig auf über 300 Euro.
Volle Heizungen, halbleere Speicher
Das Timing ist denkbar schlecht. Die Temperaturen fallen, Millionen Haushalte drehen die Heizung auf, und die Nachfrage steigt kräftig. Zugleich kaufen Importeure aus Asien große Mengen Flüssiggas auf dem Weltmarkt. Europa steht deshalb bei den LNG-Tankern in direkter Konkurrenz zu zahlungskräftigen Abnehmern.
Deutschland trifft das besonders. Die heimischen Speicher sind derzeit nur zu 61,48 Prozent gefüllt, vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 75,39 Prozent. Das sind 14 Prozentpunkte weniger, und zwar ausgerechnet vor dem Winter. Die deutschen LNG-Terminals, die nach 2022 mit großem politischem Aufwand gebaut wurden, sind laut den Angaben derzeit nur zu 36 Prozent ausgelastet.
Der Februar als Warnung
Im vergangenen Februar sanken die Füllstände auf ein Tief von 20,5 Prozent. Startet man nun mit deutlich weniger Reserve in die kalte Jahreszeit, bleibt kaum Puffer. Außerdem lassen sich Speicher nie ganz leeren: Ein paar Prozentpunkte sind nötig, um beim Ausspeichern einen Mindestdruck zu halten. Schon ein etwas härterer Winter könnte die Versorgung eng machen.
Berlin hat spät reagiert. Medienberichten zufolge wies Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor rund vier Wochen den bundeseigenen Importeur SEFE an, zusätzliches Gas einzukaufen. Die Menge soll jedoch nur etwa drei Prozent der Speicherkapazität betragen. Kritiker sehen darin eher eine symbolische Geste als eine echte Vorsorge.
Pulverfass Hormus
Auch die Geopolitik verschärft die Lage. Mehreren Berichten zufolge will US-Präsident Donald Trump erst die Zwischenwahlen in der kommenden Woche abwarten und danach den Iran erneut massiv angreifen, weil ein Angriff vor der Wahl Stimmen kosten könnte. Bestätigt ist das nicht. Die Märkte rechnen dieses Szenario trotzdem schon ein.
Entscheidend ist die Straße von Hormus. Bricht der Krieg wieder offen aus, könnten deutlich weniger oder gar keine Tanker mehr durch die Meerenge fahren. Davon hängt vor allem Katar ab, einer der weltweit wichtigsten LNG-Lieferanten. Je wahrscheinlicher eine Eskalation wird, desto stärker steigt der Gaspreis.
Die jemenitischen Huthis haben die Spannungen in den vergangenen Wochen zusätzlich angeheizt, vor allem gegenüber Saudi-Arabien. Am Montag reisten zwar Gesandte aus Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan in den Iran. Ähnliche Vermittlungsversuche gab es in den vergangenen Monaten aber mehrfach, und sie brachten keine greifbaren Ergebnisse.
Fazit: Wer vorsorgt, schläft ruhiger
Die Lage zeigt, wie verwundbar die Energieversorgung des Industriestandorts Deutschland weiterhin ist. Teure Energie belastet Haushalte, setzt die ohnehin geschwächte Industrie unter Druck und kann die Inflation erneut antreiben. Wer sein Erspartes gegen solche Schocks absichern will, sollte die Krisenwährungen Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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