
Geisterschiff vor Teneriffa: Wie das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ zum schwimmenden Hochrisikoort wurde

Eine Kreuzfahrt, die als Traum begann, endet als gesundheitspolitischer Albtraum auf hoher See. Das niederländische Kreuzfahrtschiff „Hondius“ darf die Kanareninsel Teneriffa nicht regulär anlaufen. Stattdessen muss es vor der Küste vor Anker gehen – ein schwimmender Quarantänebereich, den niemand an Land haben möchte. Drei Tote, mehrere Infizierte, ein dänischer Rückkehrer in häuslicher Isolation: Die Bilanz des Hantavirus-Ausbruchs liest sich wie das Drehbuch eines Katastrophenfilms.
Anlegeverbot statt Hafenromantik
Der Regionalpräsident der Kanaren, Fernando Clavijo, gab nach einem Treffen mit der spanischen Gesundheitsministerin in Madrid bekannt, dass das Schiff lediglich vor der Küste Teneriffas ankern dürfe. Eine klare Ansage – und eine, die in Zeiten politisch korrekter Zurückhaltung erfrischend deutlich ausfällt. Clavijo hatte sich bereits zuvor mit Nachdruck dagegen gewehrt, die „Hondius“ überhaupt zur Inselgruppe weiterfahren zu lassen. Sein Vorschlag: Die Passagiere hätten bereits in Kap Verde, dem ursprünglichen Ziel der Kreuzfahrt, von Bord gehen sollen. Doch auch die kapverdischen Behörden verweigerten dem Schiff die Anlegeerlaubnis. So irrte der Ozeanriese tagelang mit rund 150 Menschen an Bord vor Westafrika umher, bevor er schließlich Kurs auf Teneriffa nahm.
Evakuierung im Kleinformat
Die Passagiere sollen nun per Boot oder kleinem Schiff vom Kreuzfahrtschiff abgeholt und unmittelbar zum Flughafen Teneriffa Süd transportiert werden. Clavijo betonte mit Nachdruck, dass kein Passagier das Schiff verlassen werde, bevor die Flugzeuge am Flughafen einsatzbereit seien. Eine logistische Operation, die an militärische Präzision erinnert – und die zeigt, wie ernst die Lage tatsächlich ist. Der Hafen von Granadilla soll den Angaben zufolge am Sonntag erreicht werden.
Dänischer Rückkehrer in häuslicher Isolation
Auch in Nordeuropa schlägt der Fall Wellen. Ein dänischer Passagier, der bereits Ende April von der verhängnisvollen Kreuzfahrt nach Dänemark zurückgekehrt war, hat sich nach dem Bekanntwerden des Ausbruchs in Selbstisolation begeben. Die dänische Behörde für Patientensicherheit teilte mit, sie stehe mit der Person in Kontakt. Symptome zeige der Betroffene bislang keine, auch habe er keinen engen Kontakt zu den Infizierten an Bord gehabt. Das Ansteckungsrisiko werde daher als gering eingestuft.
Die traurige Bilanz
Drei Menschen sind den Folgen des Virus-Ausbruchs bereits erlegen: ein niederländisches Ehepaar und eine Deutsche. Zwei Besatzungsmitglieder mit Symptomen wurden am Mittwoch in die Niederlande evakuiert, eine symptomfreie Kontaktperson in die Uniklinik Düsseldorf. In den Niederlanden steht zudem eine Flugbegleiterin unter Beobachtung, die zuvor Kontakt mit einer mutmaßlich infizierten Passagierin hatte.
Hantaviren – ein unterschätzter Erreger
Hantaviren werden in der Regel über Ausscheidungen infizierter Nager übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gilt als äußerst selten, kann aber bei bestimmten Virusstämmen vorkommen. Dass ein solches Virus auf einem Kreuzfahrtschiff eine derart verheerende Wirkung entfalten kann, wirft unangenehme Fragen zur Hygiene- und Vorsorgepolitik der Reedereien auf. Wer sich auf einer Kreuzfahrt einbucht, vertraut darauf, dass die elementaren Sicherheitsstandards eingehalten werden – und nicht darauf, am Ende Teil eines internationalen Quarantänefalls zu werden.
Lehren, die niemand ziehen will
Der Fall „Hondius“ zeigt einmal mehr, wie verletzlich der globale Tourismus gegenüber Gesundheitskrisen ist. Während Politik und Medien noch immer reflexartig nach staatlichen Eingriffen rufen, zeigt sich am Beispiel Clavijos, dass auch eine konsequente regionale Linie zum Schutz der eigenen Bevölkerung möglich ist. Die Kanaren entschieden sich dafür, ihre Bürger nicht zum Versuchskaninchen einer ungeklärten Virusübertragung zu machen – ein Pragmatismus, von dem manche europäische Hauptstadt eine Scheibe abschneiden könnte.
Für die Passagiere der „Hondius“ bleibt die bittere Erkenntnis: Was als Traumreise unter Palmen geplant war, wird zur Heimkehr unter strenger Beobachtung – mit ungewissem gesundheitlichen Nachspiel.
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